6 Fakten zum Nissan GT-R (R35): Technik und mehr | #thepluses3

In drei Wochen starten wir in die Pyrenäen. Sebastian und ich werden diesmal unseren bisherigen Streckenrekord von #thepluses2 brechen und unsere Fahrzeuge ganze zwei Wochen über die schönsten Pässe zwischen Spanien und Frankreich treiben. Dass ich diese Reise mit einem Nissan GT-R antreten werde, dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein.

Mit dem Nissan GT-R durch die Pyrenäen:

Ich kann immer noch nicht recht zuordnen, weswegen ich mich damals in den GT-R verliebt hatte. Tatsache ist aber, dass der GT-R ein technischen Meisterwerk ist und in so mancher Hinsicht mehr zu bieten hat, als das Auge sieht. Um euch Godzilla etwas näher zu bringen, habe ich mir mal sechs-und-ein-paar-zerquetschte Fakten zusammengesucht und für euch ausformuliert.

1. Die Eckdaten des V6 Biturbo.

Der Motor mit der internen Kennung VR38DETT wird einzig und allein für den Nissan GT-R hergestellt. Die Leistung des 3,8 Liter großen und komplett aus Aluminium gefertigten Motors liegt bei 550PS, das maximale Drehmoment bei 632Nm. Um ein paar weitere erwähnenswerte Details des VR38DETT zu nennen: Zwei Turbolader (Hersteller: IHI), Aluminium-Kolben, iridiumbeschichtete Zündkerzen und plasmabeschichtete Zylinderbohrungen. Die auf die Bohrungen aufgetragene Plasmaschicht ist nur 0,15mm dick und damit 2,45mm dünner als Laufbuchsen aus Gusseisen. Optimiert wird dadurch die Abfuhr von Hitze und natürlich das Gewicht (3kg Gewichtsersparnis). Auch die Effizient des Triebwerks nimmt zu.

Nissan GT-R MY14: V6 BiTurbo Motor

Um die obligatorischen anderen Randdaten des Motors zu nennen: 2,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 315 km/h. Die wird besonders im Vergleich zu anderen Sportwagen dieser Liga, mit denen ich schon fahren konnte, besonders spielerisch erreicht. Bei 250 auf den Pinsel steigen und kurz darauf ist die 300er Marke geknackt.

2. Im Zeichen der Manufaktur – gefertigt von den „Takumi“.

Nissan GT-R MY14: Handwerksmeister - Die Takumi

 

Was viele nicht wissen: Beim VR38DETT handelt es sich um einen in Handarbeit gebauten Motor. Gerade einmal vier auf japanisch „Takumi“ genannte Handwerksmeister zeichnen für alle GT-R Motoren verantwortlich. Im Werk Yokohama bauen Takumi Kurosawa, Tsunemi Ooyama, Izumi Shioya und Nobumitsu Gozu Tag für Tag nichts anderes, als den V6 Biturbo – und setzen am Ende ihrer Arbeit ihre Unterschrift auf den Motor ähnlich wie bei AMG.

Übrigens wird auch das restliche Auto überwiegend in Handarbeit gefertigt. Jedoch nicht wie der Motor und das Getriebe in Yokohama, sondern in Tochigi.

3. Einmalig: Allradantrieb und Transaxle-Konstruktion

Nissan GT-R MY14: Bodengruppe

 

Die Transaxle-Bauweise ist bei Sportwagen nicht unüblich. Aus Gewichtsverteilungsgründen sitzt dann der Motor vorne (im Falle des GT-R leicht hinter der Vorderachse) und das Getriebe hinten. Neben dem Sechsstufen Doppelkupplungsgetriebe mit der internen Bezeichnung GR6 befinden sich auch die elektronische Traktionskontrolle (E­TS), der hintere Achsantrieb und das Sperrdifferenzial in der Transaxle-Einheit. Zu sehen auf folgendem Bild:

Nissan GT-R MY14: Transaxleeinheit und Doppelkupplungsgetriebe

Bis hierhin ist alles noch „Business as usual“. Doch handelt es sich beim GT-R um ein Allradfahrzeug, das unter Zuhilfenahme der Differenziale bei Bedarf die Kraft elektro-hydraulisch auf alle vier Räder verteilt. Nissan nennt es ATTESA E­TS, was für Advanced Total Traction Engineering System for All – Electronic Torque Split steht. Technisch kann die Kombination aus Transaxle und Allrad nur gelöst werden, indem neben einer Transaxlewelle (im Falle des GT-R aus Karbon), die den V6 Motor mit der Transaxle-Einheit verbindet, eine zweite Kardanwelle verbaut wird, die aus der hinteren Einheit nach vorne zur Vorderachse führt. Zu sehen auf dem nächsten Bild.
Der Allradantrieb des GT-R ist so ausgelegt, dass der R35 auf trockener Strecke zu 100 Prozent als Hecktriebler unterwegs ist. Erst bei Schlupf der Antriebsräder gelangen bis zu 50 Prozent der Kraft an die Vorderachse.

4. High-Tech Materialien – Ein paar Beispiele.

Nissan GT-R MY14: Nahaufnahme Transaxlewelle und Kardanwelle

 

  • Karbon kommt vor allem im Bug – wie zum Beispiel als Träger für die Kühler, als Domstrebe und als Crashschutz im vorderen Bereich des Motorraums – zum Einsatz. Der Diffusor ist ebenfalls aus Karbon.
  • Die Ölwanne ist aus Magnesium gefertig. Sie besitzt auch ein Prallblech, das bei Kurvenfahrten für einen stabilen Öldruck sorgt.
  • Die Abgasanlage ist aus Titan.
  • Die speziell für den Nissan GT­R von Dunlop entwickelten SP Sport MAXX GT600 DSST CTT (255/40 ZRF20 an der Vorderachse­ und 285/35 ZRF20 an der Hinterachse) sind mit Stickstoff gefüllt, wodurch Druckunterschiede bei sehr schneller Fahrt ausgeschlossen werden.

5. Das Infotainment von Polyphony Digital

Das zentrale, hochauflösende Infotainment-Display wurde von Polyphony Digital und Xanavi Informatics entwickelt. Polyphony Digital sollten jedem Gran Tourismo Spieler eigentlich bekannt sein. Schließlich sind sie für die Kultserie an der Playstation verantwortlich. Sie hatten die Aufgabe, die Darstellung der vielen Telemetriedaten auf dem Display zu gestalten. Folgende Informationen lassen sich auf dem Display frei arrangieren.

Mechanische Informationen:

  1. Öl­ und Wassertemperatur des Motors
  2. Öldruck
  3. Getriebe­ Öltemperatur
  4. Ladedruck
  5. Drehmomentverteilung zwischen Vorder-­ und Hinterachse

Fahrer­-Informationen:

  1. Gaspedalstellung / Drosselklappenstellung
  2. Bremsdruck
  3. Lenkwinkel
  4. G-Kräfte in Längs­- und Querrichtung

6. Geringer Preis – wenige Zulassungen.

Laut Kraftfahrt-Bundesamt sind Stand 2014 in Deutschland gerade mal 440 Nissan GT-R zugelassen. Zum Vergleich: 2.134 Audi R8 Coupés und 1.618 Mercedes SLS AMG heizen durch Deutschland. Kein Wunder also, dass die Fans regelrecht ausrasten, wenn sie dann mal einen GT-R in freier Wildbahn sehen.
Völlig unverständlich ist diese Tatsache, wenn man den Preis des GT-R bedenkt. Mit 96.900 Euro ist er im Basispreis fast 70.000 Euro günstiger als ein aktueller Porsche 911 Turbo (ab 165.149 Euro). Einzig ein 911 Carrera in Grundausstattung ist etwas günstiger zu haben. 90.417 Euro verlassen hier das Konto. Der Audi R8 startet bei 165.000 Euro, der Mercedes AMG GT bei 115.430 Euro. Damit schließe ich das Preis-/Leistungskapitel. Gewinner: Godzilla.

Fun-Facts für den Stammtisch

  • Ein im Benzintank installierter Catch-Tank sorgt dafür, dass immer genügend Benzin vorhanden ist, um auch unter dem Eindruck hoher g­-Kräfte die Kraftstoffzufuhr nicht abreißen zu lassen.
  • Bei der rechtsgelenkten Versionen des GT-R kommt eine asymmetrische Aufhängungsgeometrie zum Einsatz. Weil die Kardanwelle für die Vorderachse beim GT­R auf der rechten Seite verläuft und der GT-R inklusive Fahrer dann „Schlagseite“ bekommen würde, kommen auf der linken härtere Federn zum Einbau.

 

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Die Vergangenheit:

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Die Beteiligten:

Blog: Sebastian Bauer von passiondriving.de
Blog: Can Struck von driversgroove.com
Video: Cinephiles Köln
Musik: Theo P. Lewis

 

Bildquelle: Headerbild – Can Struck / Driver’s Groove; Alle anderen Bilder – Nissan Deutschland