Abarth 595 competizione Fahrbericht

Abarth ist ein Teil von mir.

Seit zwei Jahren jagt mir die Klangkulisse kurz nach dem Anlassen ein Grinsen über die Lippen. Seit zwei Jahren fahre ich einen Abarth 500 und genieße den riesen Klang des winzigen Turbomotors, der dank vierflutiger Magnet Marelli Record Monza Klappenanlage nochmal rauher aus den Endrohren tönt. Seit zwei Jahren habe ich an diesem fiesen Winzling mit bretthartem Fahrwerk einen riesen Spaß und kann einfach nicht damit aufhören, die Gänge durch die Schaltkulisse zu peitschen.

Ein kleiner Vergleich Abarth 500 vs. Abarth 595.

Erst begeistert mich die knallgelbe Lackierung in Modena Gelb, dann empfängt mich der doch noch mal deutlich aufgewertete Innenraum mit mehr Alcantara an den Sabelt Corse Sportsitzen und einem um Welten besseren Lenkrad. Das Armaturenbrett in mattem Anthrazit finde ich direkt so geil, dass ich mein Hochglanz-Schwarzes sofort dagegen tauschen würde. Alles sieht deutlich stimmiger aus als im alten Abarth. Und nach wenigen Minuten ist mir klar, dass Fiat hier wirklich an den richtigen Ecken verbessert hat: Endlich ein richtiges Handschuhfach, endlich hochwertige Fensteröffner, endlich Cupholder in denen ein Becher auch Platz findet,  ein ordentliches und wieselschnell reagierendes Infotainmentsystem und ein großes Display statt analogen Rundinstrumenten.

Außen hingegen bin ich mir nicht sicher, ob ich alles besser finde. Die Heckschürze sieht mir ein wenig zu zahm aus im Vergleich zur alten – die seitlichen Schlitze sind kürzer geworden und haben Platz für die Reflektoren gemacht und der Diffusor ist nach oben durch eine durchgehende hochglanz-schwarze Leiste abgetrennt. Die Heckleuchten haben jetzt eine mittige Abdeckung in Wagenfarbe. Das LED-Tagfahrlicht ist zwar trendy, aber die alten Tagfahrfunzeln mit ihrem gelblichen Licht passten total gut zum Retrodesign des kleinen Flohs. Klar, alle diese Dinge sind Geschmacksfrage. Belassen wir es also dabei. Und viel wichtiger ist doch eh, wie er sich fährt. Oder?

Zündschlüssel drehen, „competizione“ starten!

Der Testwagen hat ebenfalls die Record Monza Abgasanlage. Entsprechen ist mein Grinsen nicht weniger breit als sonst. Aber was beim 180PS competizione noch dazu kommt, ist ein wundervolles Zischen und Wuschen des Garrett GT-1446 Turboladers. Wo ich sonst schon immer den Eindruck habe, dass der Abarth maximal zwangsbeatmet ist, erinnert mich der competizione fast schon an eine Art Frankenstein. Oder Darth Vader. Sauerstoffzufuhr durch die Maske bis zum geht-nicht-mehr. Die Vorderachse sieht da kein Land mehr, wenn der Turbolader Druck aufgebaut hat und ebendiesem über die vorderen Räder Luft verschaffen will. Es wird gescharrt und gepowersteered. Das Lenkrad sollte man stets auf zwölf Uhr halten. Überhaupt: Mein Eindruck ist, dass er gerne noch schneller würde, aber aufgrund des Antriebskonzepts nicht darf. Die Physik behält die Oberhand. In einer Paralleldimension wünscht man sich da einen Allradantrieb und keiner würde den gelben Blitz jemals wieder zu Gesicht bekommen, wenn er einmal aus dem Stand katapultiert worden ist. Nach dem Scharren der Hufen kommt der Vortrieb in 6,7 Sekunden auf 100 km/h. Der Drehzahlmesser mit dem roten Bereich bei 7.000 Umdrehungen täuscht – es ist bereits früher Schluss. Entsprechend flink muss man die 5 Gänge selektieren, um den Vortrieb nicht enden zu lassen. Das macht aber mit dem metallenen kugelrunden Schaltknauf und den kurzen Schaltwegen richtig Spaß, da hat sich im Vergleich zu meinem Abarth 500 nichts geändert.

Das Leben in der kleinen gelben Welt.

Der Straßenverkehr verändert sich um einen herum, wenn man den Abarth 595 fährt. Wie war das noch mal: Du formst die Welt und die Welt formt dich. Ist wirklich so: Wenn man glücklich ist, scheint die Welt auch mehr Positives zu zeigen. Und wenn man den Abarth fährt, wird jede Strecke zu einem Staffellauf auf Zick-Zack-Kurs. Anders als schnell geht es nicht und jede Lücke im Verkehr scheint sich anzubieten, um sie dankend anzunehmen. Auch wenn es für die Ankunftszeit eigentlich keinen Unterschied machen würde. Jeder Tunnel und jede Unterführung muss mit unnötigen Drehzahlregionen beschallt werden und kein Ampelstart darf zu lange dauern. Aber er schafft es eben, dass man einer tagtäglichen langweiligen Tätigkeit wie der Fahrt durch den Stadtverkehr immer wieder etwas neues abgewinnen kann. Und bei seiner geringen Größe ist ihm das hoch anzurechnen.

Fazit zum Abarth 595 competizione.

Ernsthaft: Wenn ihr ein wenig mehr Geld für ein Auto ausgeben wollt um nicht bei der Basisversion zu landen (in diesem Fall meine ich den Fiat 500), werdet ihr im Abarth eine echt gute Investition finden. Ersatzteile sind günstig, nichts an dem Auto ist Hexenwerk und entsprechend entspannt kann man ihn fahren und lieben. Ungelogen jeder ist extrem angetan von der Soundkulisse, die der Winzling erzeugt und alleine diese suggeriert schon eine Geschwindigkeit, die den Abarth eher zu einem Wagon aus einer Achterbahnfahrt transformieren lässt als „nur“ zu einem gut motorisierten Kleinwagen. Lange Autobahnfahrten sind vielleicht nicht sein Ding aber hey, who cares? Er steht zu dem was er ist und das ist gut so.

Technische Daten.

Die 180 PS Leistung – das entspricht 132 kW – werden im Abarth 595 competizione von einem kleinen 1,4 Liter Turbo-Vierzylinder erzeugt. Das maximale Drehmoment beträgt 250Nm. Das Triebwerk ermöglicht dem gerade mal 1090 kg schweren Italiener den Spurt von 0 auf 100 km/h in 6,7 Sekunden und eine Maximalgeschwindigkeit von 225 km/h.

Bildquelle: Can Struck