Fahrbericht Audi R8 V10 plus (2015)

Ein Teil meines Herzens trägt Trauer. Die tiefe Verbundenheit zum bisherigen R8, genährt durch die langen Fahrten, die wir gemeinsam erleben durften, hätte es mir unmöglich machen müssen, das zu fühlen, was ich jetzt fühle. Ich hatte ihm eine endlose Liebe versprochen. Irgendwie. Irgendwo zwischen zwei hämisch grinsenden Kurven am Timmelsjoch war es. Damals vor zwei Jahren. Hübsch fand ich ihn schon immer, sehr sogar. Doch dort hatten wir entdeckt, wie gut wir miteinander können. Er war am knacksen und ich war am Lächeln. Wir waren glücklich. Ich sah ihm gern auf den sexy Hintern und er akzeptierte es. Aber was ich auch bemerkte: Dass er Qualitäten jenseits des äußeren Anscheins hat, die ihn in vielerlei Hinsicht perfekt machen.  Die ihn zu so viel mehr machen als das, was die ganzen Hater in den Städten über ihn denken. Whatever. Die wissen einfach gar nichts.

Joy & Sorrow feat. Audi R8 V10 plus (2015).

Es stimmt mich eben traurig, dass ich – eigentlich ein äußerst treuer Mensch – nach der ersten Begegnung mit der zweiten, jüngeren, strafferen Generation keine 10 Minuten gebraucht habe, um den alten zu vergessen. Ist das nicht fürchterlich unfair von mir? Hätte er uns gesehen, es wäre peinlich geworden.

Ich kann es aber nicht ändern. Denn kurz gesagt und auf den Punkt gebracht, macht der Neue alles einfach besser als der Alte. Und das ohne die Vorzüge über Bord zu werfen. Überraschen dürfte euch das ja weniger.

Baby, please!

Mehr Leistung, im plus nun 610PS, mehr Drehmoment (560Nm), gleicher Hubraum, gleiche Zylinderanzahl. Hinter einem im gläsernen Sarg das gleiche bissige Biest, hermetisch abgetrennt von Fahrer und Beifahrer. Und doch: Nicht mehr ganz der zickige Unterton des Alten. Dafür Dosierbarkeit, Direktheit und Kontrollierbarkeit. Man muss immer bewusst daran denken, dass es 610PS sind, die da per quattro Allradantrieb erst an die Hinterachse, dann bei Bedarf an die Vorderachse gelangen wollen. 610PS, die man mit dem fein dosierbaren Gaspedal auf den Asphalt schütten darf. Und das gelingt mit einer spielerischen Leichtigkeit, die man beim alten R8 vermissen durfte. Beim Herausbeschleunigen aus der Kurve bietet der R8 alle Optionen, die man sich wünschen kann. Tritt mich, reize mich, sei sanft zu mir oder packe mich fest. Ohne Reue und ohne vereinbartes Save-Wort. Er ordnet sich dem Willen des Fahrers unter und akzeptiert. Auf dem Autodromo do Algarve was es ein Haidenspass in den Spitzkehren mit den Möglichkeiten des R8 zu spielen. Die Einlenkwilligkeit des Audi R8 tut da ihr übriges um einem das Gefühl zu vermitteln: Hey, ich bin da. Ich folge deiner Stimme. Man verlässt sich darauf und denkt sich zeitgleich: Warum war das nicht schon immer so? Es fühlt sich von der ersten Sekunde an vertraut an.

Feel at home.

Vertraut auch, weil man zwischendurch in der periphären Wahrnehmung doch den alten R8 erkennt. Wenn der V10 sägend um mehr Drehzahl kreischt, das Gas beim Gangwechsel lupft und jetzt auch spuckt und brabbelt. Wenn man in den Aussenspiegel blickt und verlegen wie ein pubertierender Junge die markante Hüfte beäugt oder aber beim Beladen des Kofferraums nach dem Schließen nochmal links und rechts an den Radhäusern auf den Deckel drückt. Er ist noch da. Nur stärker und heroischer als je zuvor. Konkurrenzloser auch. Denn wer nach einem solch skulpturellen Design gepaart mit einer 10 Zylinder Explosionsmaschine sucht, wird kaum an ihm vorbeikommen ohne die Beziehung zur bisherigen Freundin in Frage zu stellen – falls sie sich gegen den R8 ausspricht. Was ziemlich unwahrscheinlich ist.

 

Fahrzeug: Audi R8 V10 (plus)

Lackierung: Arablau Kristalleffekt
Felgen: Aluminium-Schmiederäder im 10‑Speichen-Y-Design, glanzgedreht
Polster/Leder: schwarz-schwarz-arablau Feinnappa mit Rautensteppung

Motor: V10-Motor
Hubraum: 5.204 cm3
Leistung: 397 kW (540 PS), R8 V10 plus: 449 kW (610 PS)
Drehmoment: 540 Nm, R8 V10 plus: 560 Nm
Getriebe: Siebengang S tronic
Antrieb: quattro Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,5 s, R8 V10 plus: 3,2 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 320 km/h, R8 V10 plus: 330 km/h

Türen/Sitze: 2/2
Verbrauch kombiniert: 11,4 l/100 km, R8 V10 plus: 12,3 l/100 km
CO2-Emission: 272 g/km, R8 V10 plus 287 g/km

Driver’s Groove Bewertung: X/10 (zu kurz gefahren!)

Preis Testfahrzeug: ab 165.000,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

5 Antworten auf „Fahrbericht Audi R8 V10 plus (2015)“

  1. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben. Wie immer schön und kurzweilig geschrieben. Wäre ja eigentlich ein würdiger Kandidat für thepluses4. Aber das könnte dir dein Nachwuchs übel nehmen.

    Gruß Michael

  2. In der neuen Form echt wieder ein Traumwagen, gerade die Änderungen im Innenraum haben ihm IMHO sehr gut getan.
    Außen war nicht viel Neues notwendig, und zum Glück ist es da auch nur eine behutsame Evolution geworden.

    Und dann noch in Arablau, für mich das zur Zeit schönste Blau bei Audi…perfekt. 🙂

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