Audi RS Q3 Fahrbericht

Die Fünf-Zylinder-Rechtfertigung in die Berge zu fahren.

Manchmal sind gewisse Entscheidungen so einfach. Da steht von einem Tag auf den nächsten ein Audi RS Q3 vor der Türe, in Knallrot und mit Audis Motorklassiker schlechthin unter der Haube – dem potenten 5-Zylinder auch bekannt aus dem Audi RS3 und TT RS – und man denkt sich so: Der ist doch wirklich zu schade zum rumstehen. Und mit Sicherheit auch zu schade um damit einfach nur durch die Stadt zu fahren. Kann man zwar machen, ist dann aber… lassen wir das.

Aber unsere Generation ist ja bekannt dafür flexibel zu sein, spontan zu sein und das Leben als solches in allen möglichen und denkbaren Zügen zu genießen. Also führte eines zum anderen: Der RS Q3 gehört halt in die Berge, am Besten bei Schnee. Einpacken, einsteigen, losfahren. Wohin? In die Schweiz ins Kanton Wallis. Da waren wir schon mal und waren sehr begeistert. Straßen mit vielen Kurven gibt es dort in Massen.

 

Der äußere Schein des Audi RS Q3 trügt.

Überspringen wir mal die Anreise in die Berge. Sie war jedenfalls sehr angenehm. Aber interessieren tut sie uns nur am Rande, denn es ist ja kein normaler Q3, den wir pilotieren. Nein, es ist ein driver-oriented Performance-SUV. So würde ich es äußerst passend umschreiben.
Also direkt in die Berge. Dort waren wir am Tag der Abfahrt schon um 16 Uhr, nachdem wir um 15 Uhr in etwa den Genfer See passiert hatten. Die Sonne noch hoch oben am Himmel erwartete uns von Martigny aus die teils einspurige Auffahrt nach Salvan.
Auf solchen Strecken sind sonst nur Einheimische unterwegs, die jede Kurve kennen. Gnadenlos hängen sie einem ein paar Zentimeter hinterm Heck, wenn man sich nicht ranhält. Die Herausforderung ist, sowohl die Kurven richtig anzupeilen, als auch die krasse Steigung der Straße nicht zu unterschätzen. Aber der RS Q3 ist halt selbst im vollgepackten Zustand (und er wiegt leer schon 1,7 Tonnen) mit seinen 340 PS und 450 Newtonmetern ein agiles SUVchen. Während man sonst den Eindruck hat, in einem etwas zu hart gefederten SUV mit einem zu leisen 5-Zylinder unterwegs zu sein, wandelt er hier völlig sein Gesicht.
Dieser Motor zieht und zieht, der quattro-Allradantrieb verteilt konservativ den Antrieb auf die passenden Achsen und die Beschleunigungs- und Klangkulisse mag einfach nicht zu dem Auto passen, das man im Stand von Außen oder von Innen vor sich sieht. Plötzlich ein kreischender, sägender Klang. Im oberen Drehzahlbereich laut und typisch 5-Zylinder, unverkennbar. Man vergisst eben in welcher Karosserievariante man da sitzt. Es fühlt sich gut an!

Gelegenheiten schaffen lautet das Motto!

Zu unserer Enttäuschung mussten wir feststellen, dass auf 1.200 Metern Höhe über NN kein Schnee mehr lag. Oder sagen wir lieber: Manche waren enttäuscht. Für mich war das die Gelegenheit, jeden Tag ausgiebig den Audi RS Q3 zu fahren. Denn auf 1.600 Metern lag noch eine Menge Schnee. Um diese +300 Meter zu überbrücken, durfte ich jeden Tag mit dem RS Q3 neue Pässe und neue wilde Landstraßen entdecken. Mal mit etwas entspannterer Fahrweise, mal mit einem Höllen-Drive. Das wiederum machte so viel Spaß, dass die Herausforderungen nicht groß genug sein konnten.
Sah dann so aus, dass wir – um etwas günstiger auf den Mont Blanc zu gelangen – ernsthaft darüber nachgedacht haben, eine Seilbahn von der italienischen Seite aus zu nehmen. Aber: Würden wir durch den Mont Blanc Tunnel von Frankreich nach Italien fahren, wäre die finanzielle Differenz wieder durch die Maut für den Tunnel aufgehoben. Logische Konsequenz daraus? Wir fahren über den Berg! Nennt man ihn beim Namen, heisst er Grosser St. Bernhard Pass. Die Lage unseres Chalets exakt zwischen Mont Blanc und Matterhorn bot uns halt alle Möglichkeiten, um mit ein bis zwei Stunden Fahrtzeit die unterschiedlichsten Landschaften und Regionen zu erreichen. Hier müsste man leben, mit einem Audi RS Q3 in der Garage.

Der Tag der Wahrheit – Colle Di Gran San Bernardo

Wahnsinn, wie man sich über nur leicht geschwungene, zweispurige Landstraßen schnell dem Pass nähert. Kaum ist man durch den letzten Ort in der Talregion gefahren, werden die Kurven stufenweise enger. Größtenteils jedoch führen sie an einem Bergrücken entlang und beschränken sich damit auf die etwas schwächere Sorte. Bis eine langgezogene majestätische 180 Grad Kurve in die Gegenrichtung zieht, um anschließend erneut durch eine 180 Grad Kurve auf eine hohe Brücke zu führen. Mit dem RS Q3 kann man hier nach einem Blick auf den Verkehr ein paar Etagen über einem ganz entspannt einige LKWs überholen, während andere gar nicht die Gelegenheit haben, genug Tempo aufzubauen. Gerade mal 4,8 Sekunden braucht der RS Q3 für den Sprint auf 100km/h. Er liegt wie ein Brett in der Kurve, so gar nicht SUV-like,  folgt den Lenkbefehlen und ist energisch direkt an den Gasfuss gekoppelt. Es macht Spaß immer wieder das 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe doch einen Gang zurück zu schalten, um nach Möglichkeit aus den Vollen zu schöpfen, was die hohen Drehzahlen betrifft. Kurz darauf folgt der erste Schnee zu beiden Seiten der Straße, der sich im weiteren Verlauf immer höher auftürmt. Zur Rechten ein großer Staudamm und auf der Straße eine lange Galerie. Man hört hier auf knapp 1800 Meter das Schmelzwasser plätschern, wenn man nicht gerade die 5 Zylinder aufheulen lässt. Das Echo des sägenden Sounds wird mehrfach von den kahlen Felswänden zurückgespielt und an der Stelle, an der es richtig spannend wird: Hoher Schnee auf der Straße. Keine Chance weiter zu kommen. Der Audi RS Q3 knistert in der sonnigen, schneeweißen Landschaft. Ein Geruchsgemisch aus geforderter Kupplung und stark beanspruchter Bremse füllt die kühle Bergluft und ich bin ein wenig enttäuscht, dass wir es nicht bis oben auf 2.469 Meter Höhe geschafft haben. Die Aussicht hätte ich gerne neben dem RS Q3 stehend genossen. Denn er stellt den perfekten Kompromiss aus Sportlichkeit und Alltagstauglichkeit dar. Deswegen auch ist im Kofferraum genug Platz für einen Schlitten. Den hole ich raus und ziehe Sonat den restlichen Pass zu Fuss hinauf – soweit uns die Füsse tragen.

Fahrzeug: Audi RS Q3 2.5 TFSI quattro

Lackierung: Misanorot Perleffekt
Felgen: –
Polster/Leder: schwarz/schwarz felsgrau

Motor: 2,5l TFSI 5-Zylinder-Motor
Hubraum: 2.480 cm3
Leistung: 250 kW (340 PS)
Drehmoment: 450 Nm
Getriebe: 7 Gang S tronic
Antrieb: QUATTRO Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,8s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 5/5
Verbrauch kombiniert: 8,6 l/100 km
CO2-Emission: 203 g/km
Preis: 70.125,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

Eine Antwort auf „Audi RS Q3 Fahrbericht“

  1. wie immer ein toller Bericht! Mit dieser wahnsinnigen Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 4,8 Sekunden, kann so eine Bergfahrt wirklich zu einem \“Höllen-Drive\“ werden, der aber sicherlich auch richtig Spaß macht bzw Spaß gemacht hat 🙂

    viele Grüße

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