Audi TTS Coupé (8s): Das Glück liegt vor dir.

Die Philosophie des Glücks.

Laut Wikipedia ist die Philosophie des Glücks die Richtung der Philosophie, die sich mit der Natur und den Wegen zum Erlangen des Glücks bzw. der Glückseligkeit (griech. eudaimonia) auseinandersetzt.

Platon behauptet etwa, dass der Mensch nur glücklich ist, wenn die drei Seelenteile Vernunft, Willen und Begehren im Gleichgewicht sind und miteinander befreundet sind, das heißt sich nicht widersprechen.

Dieses Glück zu erreichen und zu erfühlen, danach streben wir alle. Meistens – seien wir mal ehrlich zu uns selbst – wissen wir gar nicht, was uns wirklich glücklich macht. Es passiert einfach und fühlt sich dann wundervoll und vertraut an. In einigen Fällen kann man jedoch ziemlich sicher sagen, dass einen Glück erwartet. In der Liebe etwa. In der befriedigten Sehnsucht. Oder auch wenn man den Knopf am Zündschlüssel für ein vegasgelbes Ingolstädter Coupé drückt und dieses sich einem willig öffnet.

Ins Glück katapultiert werden.

Wenn das Grinsen immer breiter wird und die Vernunft schlagartig von den niederen Trieben geknebelt wird, dann ist man auf dem richtigen Weg. Der kernige, rotzige Klang des Zweiliter Vierenders drückt genau die richtigen Synapsen im Gehirn. Die 310PS-Power dieses Triebwerks massiert diese gleich nochmal mit und gekoppelt mit der Direktheit und der Gier nach Kurven des Audi TTS ergießt sich ein dicker Schwall Endorphine über Alles im Körper, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist.

In 4,6 Sekunden ist dann die Vernunft völlig demoralisiert und schafft Platz für unverfälschte Gefühle. Solche ohne innere Stimme, die ständig nörgelt und nachhakt. So lange dauert der Sprint auf 100km/h. Die 6-Gang S tronic knüppelt verzögerungsfrei Gang nach Gang rein und sorgt dafür, dass die 380Nm Drehmoment zielgerichtet an allen vier Rädern ankommen. Endlich ohne die gefühlte Gedenksekunde des alten TT.

Innen und Außen eine Wonne.

Aber um diesen Moment nach knapp 5 Sekunden auszukosten sind noch ein paar andere Dinge nötig. Bekanntlich isst das Auge ja mit und nicht anders verhält es sich auch hier. Es reicht eben nicht, einfach nur einen großen Topf voll Power vor sich im Bug zu finden. Nein, man muss auch umschlossen werden von einem gefühlsförderlichen Interieur und einem knackigen, in diesem Fall äußerst eckigen Exterieur.

Außen wurde der TT im Vergleich zum Vorgänger deutlich gestrafft. Was mir auf den ersten Fotos als eine Art erweiterte Modellpflege serviert schien, zeigt sich bei genauerer Betrachtung doch als konsequente Evolution. Kleine Detaillösungen wie die unter dem Spoiler unsichtbar eingelassene durchgängige Bremsleuchte zeigen, wie viel Zeit die Designer investiert haben müssen. Die vom ersten TT verbliebenen Rundlichkeiten sind nun endgültig Geschichte und das steht ihm. Er ist jetzt ein erwachsener Sportler mit klarem Fokus.

Innen könnte das Motto für die Designer gelautet haben: Bitte mit Erotik vollstopfen. Aber nicht die billige Sorte. Sondern die mit Understatement. Eine gewisse sexuelle Erregung wird keiner abstreiten können, der sich hinter dem Volant in diese Kampfjetkanzel begeben darf. Dabei spielt es keine Rolle, ob man eher Technik-Geek ist oder einen ausgeprägten Materialfetisch besitzt. Alle Ansprüche werden auf höchstem Level befriedigt: Das große TFT-Display statt klassischer Rundinstrumente, die in die runden Lüftungsdüsen eingelassenen Funktionselemente und Displays zur Klimasteuerung, der technoide Materialmix mit Reminiszenzen zum typischen Equipment von Sondereinsatzkräften… Die Liste ist lang. Und all das führt zu einem Gefühl der Wonne und Lust. Dass die sich dem Fahrer zeigende, auf das Nötigste reduzierte Batterie aus Instrumenten und Knöpfen dann auch noch einzig zu dem Zwecke da ist, dem Mann oder der Frau als Interface zum Auto zu dienen, lässt einen mit Nachdruck zum Volant greifen um nach Möglichkeit nicht so schnell wieder aussteigen zu müssen.

Und wo bleibt die Vernunft?

…schrie gerade jemand für mich hörbar aus dem Off. Laut Platon war Glück ja das Gleichgewicht aus Vernunft, Willen und Begehren. Das Begehren hat mich schon nachlesbar gepackt. Den Willen, das Streben nach einem Ziel, wird mir jetzt kaum noch jemand abstreiten. Doch die Vernunft. Die hatte ich irgendwo zwischen Gaspedal und Abgaskrümmer verloren. Der Vernunft kann ich in diesem Zusammenhang leider keinen positiven Beitrag zum großen Ganzen abgewinnen. Sie nörgelt ja nur. Würden wir auf sie hören, würden wir alle Dreizylinderdieselmotoren mit Partikelfilterabgasbereinigung und Achtpersonenplatzangebot fahren. Dann zitiere ich einfach Goethe:

Jeder hat sein eigen Glück unter den Händen, wie der Künstler eine rohe Materie, die er zu einer Gestalt umbilden will. Aber es ist mit dieser Kunst wie mit allen; nur die Fähigkeit wird uns angeboren, sie will gelernt und sorgfältig ausgeübt sein.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Weiterlesen auf anderen Blogs, weil…

…#ilovecars den TTS als Roadster gefahren sind. ### evocars-magazin auch den Roadster gefahren sind und beim Lesen Gefühle aufkommen. ### autogefuehl ziemlich ausführlich alle Neuerung beim 8s TT und TTS zusammengefasst haben. ### passion:driving beschreibt, warum der TTS echt kein Tracktool ist.

 

 

Fahrzeug: Audi TTS Coupé 2.0 TFSI quattro S tronic

Lackierung: Vegasgelb
Felgen: Audi Sport im 5-Speichen-Blade-Design in Schwarz matt, glanzgedreht, 9J x 19
Polster/Leder: Leder Feinnappa mit Rautensteppung

Motor: Reihen-Vierzylinder-Ottomotor
Hubraum: 1984cm3
Leistung: 228 kW (310 PS)
Drehmoment: 380 Nm
Getriebe: 6-Gang S tronic
Antrieb: quattro Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,6 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 3/4
Verbrauch kombiniert: 6,7 l/100 km
CO2-Emission: 155 g/km

Driver’s Groove Bewertung: 09/10

Preis Testfahrzeug: 67.185,- €
Testverbrauch: 12,1 l/100km bei 430 gefahrenen Kilometern.
Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove