Die One-Man-Filmcrew in den Pyrenäen. #thepluses3

von Jonas Bomba

Jonas Bomba von den Cinephiles Köln ist der Mann, der unsere #thepluses Roadtrips im Bewegtbild festhält und damit für euch Leser erst so richtig zum Leben erweckt. Seine künstlerischen Fähigkeiten und sein Auge für die richtige Bildkomposition selbst jenseits der 100km/h und auf über 2.000 Metern Höhe haben für ein bisher auf Youtube einmaliges Format gesorgt. Das alles macht er ganz allein von der Hinterbank eines Nissan X-Trail aus und beginnt jeden Tag um 6 Uhr Morgens im klammen Zelt den Upload des fertigen Videos zu Youtube. 2 Stunden Schlaf später geht’s wieder weiter. Er erzählt euch jetzt wie er so arbeitet. Danke Jonas!

A. Vorwort – Die Idee.

„Immer dabei“ – das Schlagwort aus Filmemacher-Sicht für #thepluses3. Der diesjährige Roadtrip sollte nicht nur sportliche Autos auf traumhaften Pässen zeigen, sondern auch das Lebensgefühl während eines Roadtrips transportieren. Wie ich das umgesetzt habe, welche Arbeitsweisen und welches Equipment ich verwendet habe, möchte ich im folgenden Erfahrungsbericht schildern.

Aus der Videoproduktion während der #thepluses2-Tour 2014 haben wir viel gelernt. In Verbindung mit hochwertigen Filmaufnahmen waren die täglichen Strecken zu lang bzw. die Zeit zu kurz. Früh morgens ins Auto und spät abends ins Hotel. Dazwischen 10 Minuten über den Pass rennen und Fotos schießen. 90% der Zeit konnte ich nur aus dem Kofferraum filmen, da wir ansonsten unser Tagesziel nicht erreicht hätten.

Das ergab am Ende eine interessante Reportage mit einem ganz eigenen Charme, da Mensch, Auto und Kamera stets in Bewegung waren.

Dieses Jahr sollte alles anders werden. Pro Tag ca. 150 km zurücklegen und – nicht zuletzt wegen dem vierjährigen Sonat – bereits am Nachmittag im Hotel oder auf dem Camping-Platz sein. Dieser Plan versprach viel Raum für einen Einblick in das Roadtripper-Leben und Liebe zum Detail bei den Filmaufnahmen auf den Pässen. Das Resultat könnt ihr euch hier ansehen:

 

B. Die Vorbereitung.

Das Lebensgefühl transportieren. Das heißt, dass die Kamera bei den ersten Sonnenstrahlen mit aus dem Zelt kriecht und erst beim Feierabendbier ausgeschaltet werden kann. Innerhalb dieser Zeit darf sie aber nicht die Tour aufhalten. Wer schon einmal einen Film gedreht hat weiß, dass die meiste Zeit gewartet wird. Je mehr Menschen am Set, desto mehr wartet der Einzelne. Glück gehabt: ich bin alleine unterwegs. Fast alleine. Mit im Kameraauto sitzen Milena und Cem. Die beiden sind ein Paar, seit mehreren Jahren mit Can und Belgin befreundet und waren schon bei #thepluses2 dabei.

Abgesehen von den Aufnahmen auf den Pässen, muss ich also auf Niemanden Rücksicht nehmen. Ich kann filmen wenn ich es für wichtig empfinde und muss nicht auf die Bereitschaft eines Tonmanns, Kameramanns oder anderer Crewmitglieder warten. Wenn man sich wirklich vornimmt 14 Stunden am Tag zu filmen, birgt die Abhängigkeit von anderen Crewmitgliedern ein Risiko wichtige Momente zu verpassen.

Schnitt auf der Rücksitzbank des Nissan X-Trail, Schenker H505, Canon XF100

C. Die Technik – Meine rechte Hand.

C.1 Das Bild.

Je mehr eine Person übernehmen muss, desto mehr Fehler schleichen sich in die Produktion. Um diese Fehler weitestgehend zu vermeiden, benötigt man Equipment auf das man sich verlassen kann, das einem Arbeit abnimmt und nicht die Arbeit zusätzlich erschwert.

Apropos schwerer machen: Das Equipment sollte leicht sein. In unserem Fall hieß das vor Allem wenig und kleines Equipment. Im letzten Jahr haben wir hauptsächlich aus dem Auto heraus gefilmt, da konnte man sich erlauben mit Kompendium, Rig und großem Akku zu arbeiten. Dieses Jahr war ein anderes Setup notwendig. Selbst eine C300 oder C100 erschien mir zu groß bzw. auf die Dauer zu schwer.

C.1.1 Canon XF-100.

Mein erster Gedanken war eine XF-100 von Canon, die kleinste Kamera der professionellen XF Serie von Canon. Sehr klein, sehr leicht, durchdachtes System aber nur mittelmäßige Bildqualität, unbrauchbares Low-Light Verhalten und ja, ich bin ein Kind der 5D-DSLR-Generation. Henkelkameras langweilen uns. Eine mögliche Option, ganz glücklich war ich aber nicht.

C.1.2 Panasonic GH4.

Mit meiner zweiten Idee wurde ich dann glücklich. Die GH4 von Panasonic ist es geworden.

 

sehr klein und leicht
sehr gute Akku-Laufzeit – Minimum einen halben Tag
kompakte Datenraten
variable Frameraten – bis zu 96fps bei 1080p
brauchbares Lowlight-Verhalten – besonder in Verbindung mit dem Metabones Speedbooster
m43 Sensor – nicht zu viel Tiefenunschärfe
stabilisierte Optiken
ausklappbarer Bildschirm
sehr guter Viewfinder – ein Muss auf den Bergen, jedoch leider nicht verstellbar
guter Audio-Limiter
viele konfigurierbare Buttons
4K – nützlich für Croppings

 

Bei den Optiken entschied ich mich für das 14-140mm 3.5-5.6. Eine leichte Optik mit einem großen Brennweitenumfang. Sehr lichtschwach, was aber nicht ins Gewicht fallen sollte, da wir Sommer haben, von 6-22 Uhr die Sonne scheint, wir in der Nacht schlafen und uns hauptsächlich draußen aufhalten würden. Für eventuelle Low-Light Aufnahmen hatte ich noch ein Sigma 18-35mm mit Speedbooster Nikon G dabei und für Weitwinkel Aufnahmen noch ein Tokina 11-16.

Schenker H505 und G4 mit Jonas Bomba

C.1.3 Picture-Profil und V-Log L.

(Der folgende Abschnitt ist sehr technisch und kann gut und gerne übersprungen werden.)

Nach dem Erscheinen des V-Log L Updates für die GH4 wurde ich immer wieder gefragt, ob thepluses3 mit V-Log L aufgenommen wurde. Als ich dann antworten musste: “Nein, das gab es zu dieser Zeit noch nicht.” folgte dann die Frage, ob ich es denn benutzt hätte. Darauf möchte ich kurz eingehen.

Vorab, alle GH4 Aufnahmen sind mit folgendem Picture-Profil enstanden:

 

Cine-D
Kontrast -1
Schärfe -5
Noise-Reduction -5
Sättigung -3
Farbton +1
Schwarzwert-Pegel +1
Luminanzbereich 16-235

 

Die Helligkeitsverteilung war dabei stetig wechselnd, von einer starken negativen S-Kurve (Shadow +3, Highlight -2) bei viel Dynamik im Bild und guten Lichtverhältnissen (ISO 200) bis zu einer linearen Helligkeitsverteilung (Shadow 0, Highlight 0) bei schlechten Lichtverhältnissen.

Die I.Dynamic Funktion, die viele meiden, habe ich ähnlich verwendet. Gute Lichtverhältnisse mit Option “Hoch” und schlechte Lichtverhältnisse “Aus”.

Ab ISO 800/ISO 1600 sollte man die Tiefen/Schatten in Ruhe lassen und das Bild absaufen lassen, da das Rauschen ansonsten nicht mehr feierlich ist.

Das V-Log L Profil macht hauptsächlich nichts anderes als eine negative S-Kurve, bei einer genormten Helligkeitsverteilung (V-Log) anzuwenden.

Ob ich V-Log L verwendet hätte: Jein. Ab ISO 800 bei großflächigen Schattenbereichen im Bild, hätte ich auf Cine-D mit linearer Helligkeitsverteilung gewechselt. Da 90% der Tour bei ISO 200-400 gedreht wurde, da wir fast nur tagsüber und draußen unterwegs waren hätte ich das genormte V-Log L Profil gerne verwendet. Die Dynamikvorteile zu Cine-D sind, mit den oben genannten kontrastarmen Settings, kaum spürbar. Dennoch wären es, mit V-Log L, paar Einstellungen weniger gewesen, die wieder Zeit und Konzentration gespart hätten.

Zum 72 IRE Problem bei V-Log L kann ich bisher nur sagen, dass mich das Banding nur in extremen Situationen gestört hat bzw. aufgefallen ist. Mein Cine-D Profil wird zudem ähnlich viele Luminanzstufen belegt habe wie V-Log L. Wer nicht die Zeit hat den Schwarz- und Weißwert pro Szene auszupegeln und nicht im Lowlight-Bereich unterwegs ist, ist mit V-Log L sehr gut bedient.

C.1.4 Das Grading.

Das Grading während der Tour musste schnell gehen. Da war naheliegend, dass ich mir im Vorfeld eine spezielle LUT für GH4 und GoPros erstellt habe, die ich dann schnell über das Material ziehen konnte. Ansonsten habe ich nur noch die Kontraste je nach Aufnahme korrigiert. Farblich ist sehr wenig passiert, dafür war einfach nicht die Zeit.

C.1.5 Spezielle Perspektive mit zwei GoPros.

Jeder Wagen hatte eine GoPro bei sich mit der in Situationen gefilmt wurde, wo die Hauptkamera nicht filmen konnte. So entstanden zwei persönliche Perspektiven, die immer wieder unglaublich nah das Geschehen dokumentierten.

Da der Ton bei der GoPro doch eher bescheiden ist, bastelten wir aus einer GoPro, einem Kameragriff, einem selbst entworfenen Absorber und einem Zoom H1 eine kleine Mini-Kamera.

DIY Handgriff für GoPro Hero4 und Zoom H1

GoPros sind durch ihre Weitwinkeloptik und ihre Vollautomatik idiotensicher und erfordern nicht viel technische Erfahrung. Auch wenn man acht Stunden Auto gefahren ist und einen leeren Magen hat, kann man so immer noch schöne Aufnahmen machen.

C.1.6 Vogelperspektive mit der Drohne.

Neben dem Transportieren des Lebensgefühl während Zeit standen natürlich Autos und Bergpässe im Vordergrund. Da wir diesmal nicht viel Zeit damit verlieren wollten, den Kofferraum jedes Mal umzubauen, brauchten wir eine Alternative. Aufnahmen vom Straßenrand sind sehr zeitintensiv. Das Kameraauto muss voraus fahren, ich muss mir eine Perspektive suchen, Gogogo, die Autos fahren an mir vorbei und ich renne wieder zum Kameraauto. Das alles für eine einzige Aufnahme von ca. 10 Sekunden.

Was für ein Glück, dass 2015 das Jahr der Brushless-Motoren und somit das Jahr der Quadrocopter und Gimbals ist.

DJI Phantom 2 in den Bergen

Als mir die Idee kam, stand außer Frage, dass wir für #thepluses3 eine Drohne bräuchten. Alles mit mehr als vier Motoren wäre zu groß gewesen für unser Reisegepäck, also entschied ich mich für eine DJI Phantom 2 mit einer GoPro Hero4 Silver als Kamera.

Eine moderne Drohne, wie die Phantom 2, zu fliegen ist so schwer wie einen Nissan GT-R auf einem Parkplatz zu fahren. Nicht besonders schwer. Wenn man aber gleichzeitig schöne Bilder von fahrenden Sportwagen auf unbekannten Bergpässen machen möchte, kann es garnicht einfach genug sein.

DJI Phantom 2 Landung

Auch wenn ich drei Akkus dabei hatte, war meistens nur Zeit die zwei Akkus leer zu fliegen. Also ca. 2x 15min Flugzeit. Unsere Herangehensweise dabei war wie folgt:

Der Startpunkt der Drohne war meistens an der Spitze des Passes an einem Vorsprung, von dem aus man möglichst viele Kurven sehen konnte. Ich flog die Drohne zur ersten Kurve und wir starteten gleichzeitig mit den Autos. Ab diesem Zeitpunkt haben Can und Sebastian kaum noch Rücksicht auf mich genommen und fuhren ohne zu stoppen in sportlichem Tempo den Pass hinauf. Sobald die erste Kurve im Kasten war flog ich Luftlinie zur Kurve drei und positionierte mich erneut. Als nächstes kam Kurve Nummer Fünf. Und so weiter. Ich musste meistens 1-2 Kurven überfliegen um die Sportwagen, die ca. 4-5 mal so schnell wie die Drohne waren, wieder einzuholen.

Bei kontinuierlichen Aufnahmen wie bei fahrenden Autos ist es ratsam zu sich zu fliegen und nicht von sich weg. So kann man ganz entspannt die mögliche Distanz der Drohne ausreizen. Wenn man von sich wegfliegt, kann es schnell passieren, dass man wie im Video von Tag 6 zu weit wegfliegt und den Funkkontakt verliert. An Tag 6 hatte ich genau diesen Fehler gemacht. Die Autos sind am Drohnenstartpunkt gestartet und ich bin mit ihnen die Strecke geflogen. Ich hatte starken Rückenwind und flog doppelt so schnell wie gewöhnlich. Innerhalb kürzester Zeit war ich über 1500 Meter vom Startpunkt entfernt und verlor den Kontakt.

Ganz wichtig beim Fliegen mit einer GoPro bei Sonne oder auch bei Tageslicht ist ein ND-Filter, da es ansonsten zu ganz bösen Wabbeleffekten kommt. An der GoPro war ein NDX8 Filter. Das gleiche gilt und funktioniert auch bei der neuen Phantom 3, Inspire One.

C.2 Der Ton.

Auf der Tonebene sollte es bei dieser Tour ein Highlight geben, da Sennheiser uns zwei der neuen AVX-Funktstrecken zur Verfügung stellen wollte. Sennheiser hat es bei der neuen AVX-Reihe geschafft, den Empfänger auf ein Minimum zu reduzieren. Dieser besteht nur noch aus einem XLR-Stecker und sollte perfekt in unser weiteres kompaktes Setup passen und für sauberen Ton während der Kommentare von Can und Sebastian sorgen.

Da die AVX-Funkstrecken zu dieser Zeit noch sehr neu waren kam es wie es kommen musste: Das Paket erreichte mich erst zwei Tage nach Abreise. Die Funkstrecken waren leider nicht dabei.

Da ich sie aber weiterhin für den perfekten Begleiter bei einer solchen Tour halte, hab ich mir die Zeit genommen und die Geräte nachträglich intensiv getestet. Vorweg kann ich verraten, dass ich fast grenzenlos begeistert bin.

Sennheiser AVX Sender und Empfänger

C.2.1 Sennheiser AVX-Funkstrecke.

Der AVX-Empfänger ist sehr gut verarbeitet und robust. Die Antenne, die man von der G2 und G3 Serie kennt, ist nicht mehr vorhanden. Stattdessen befindet sich an der oberen Kante ein ca. 1cm länger Steg in dem die Antenne verbaut ist. Endlich keine Sorge mehr, dass die Antenne abknickt. Einfach aber genial.

An der Seite befinden sich zwei Knöpfe. Ein Kopf zum Anschalten und ein Knopf fürs Pairing. Das war’s. Zu erst habe ich verschiedene Druckkombinationen im GoPro Stil vermutet, aber am Empfänger kann/muss man nichts einstellen. Das ist eventuell auch der Grund warum das Display nicht beleuchtet ist und grundsätzlich etwas schwer abzulesen ist, da es tief im Gerät hinter einer kleinen Scheibe sitzt.

Der Eingangspegel wird vom Gerät ermittelt. Man kann also einschalten und direkt loslegen. Ich bin kein großer Fan von Automatiken, da sie oft ein seltsames Eigenleben entwickeln und der manuellen Bedienung qualitativ nachstehen.

Man kann sich aber nicht beschweren. Der Pegel wird direkt gefunden, stimmt und ein “Nachpegel” oder ständiges korrigieren ist nicht zu hören. Sehr einfach und sehr gut.

Der Empfänger ist ein XLR-Stick. Der Stick lässt sich einmal um den XLR-Stecker drehen, bleibt aber immer im 90 Grad Winkel zum Stecker. Auch hier ist die Verarbeitung sehr gut. Für Geräte mit einem Klinken Eingang liefert Sennheiser einen Blitzschuhadapter und ein kurzes wendiges XLR zu Klinke Kabel.

An der Vorderseite des Empfängers befinden sich drei Tasten. Eine Taste zum Ein- und Ausschalten, eine zum Pairing und eine für den Ausgangspegel. Der Ausgangspegel lässt sich in 4 Stufen regeln( 0, -10db, -20db, -30db). Selbst auf Stufe 1 von 4 ist der Pegel noch sehr hoch. So hoch, dass bei der GH4 bei -12db Eingangspegel der Ton bei lauten Textpassagen übersteuerte. In diesem Fall war das Lavalier aber auch sehr nah am Kopf befestigt. Als wir das Mikro ein paar Zentimeter weiter unten angebracht haben gab es kein Problem mehr. Mit allen anderen Kameras gab es keine Probleme, da sich der Pegel sehr viel weiter trimmen ließ.

C.2.2 Sennheiser AVX Adaptive High-Power Übertragung.

Sennheiser nennt die neue digitale Signalübertragung “Adaptive High-Power Übertragung”. Das Signal sendet mit 1.9 Ghz und ist mit einer 256bit Verschlüsselung gesichert. Das besondere an der Übertragung ist die komplett automatische Wahl der Kanäle, sowohl beim Start als auch bei einer Störung. Das AVX System arbeitet dafür mit 2 Kanälen gleichzeitig und pickt sich dabei immer die besten digitalen Nullen und Einsen der Kanäle. Wenn eine Frequenz zu schlecht ist wechselt es zur nächsten. Das Ganze ist nicht hörbar.

Die Frequenz-Koordination geschieht auch automatisch. Will man also 10 AVX Funkstrecken verwenden kann man das machen, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen ob nicht ein Kanal doppelt belegt ist. In Sachen Frequenz-Management kann man abschließend wieder sagen: Man kann und muss nichts machen.

Zwei Sennheiser AVX Empfänger an Canon XF100

C.2.3 Sennheiser AVX Akku.

Beim Akku-System hat Sennheiser eine moderne Variante für das AVX-System gewählt. Die Akkus von Sender und Empfänger sind sehr kompakt und platzsparend im Gerät platziert und werden via Micro-USB Kabel aufgeladen. Das hat mich sehr an meine MM 550X Kopfhörer von Sennheiser erinnert.

Eine nette kleine Idee mit dem Vorteil, dass es in fast jedem Haushalt Micro-USB Lade-Möglichkeiten gibt. Der Nachteil ist wiederum, wenn ein Akku leer ist kann man keine Standard AA Batterien nutzen, die man zur Not überall nachkaufen könnte.

Die Akkulaufzeit soll beim Sender 10 Stunden und beim Empfänger 4-5 Stunden erreichen. Die Akkulaufzeit kann ich so auch bestätigen. Ich hatte sie mehrmals für einen halben Tag im Einsatz und hatte keine Probleme damit, dass der Akku auf einmal leer war.

C.2.4 Sennheiser AVX Phantomspeisung.

Ein tolles Feature des Empfängers ist die Schnittstelle zur Phantomspeisung. Bei einem Gerät mit Phantomspeisung schaltet sich der Empfänger automatisch aus sobald das Gerät bzw. dessen Phantomspeisung ausgeschaltet wird. Und es kommt noch besser. Es schaltet sich sogar wieder an, sobald die Phantomspeisung wieder aktiv ist. Das verlängert je nach Dreh die Akkulaufzeit des Empfängers um ein vielfaches.

Die Reichweite des Systems liegt mit 30 Metern unter der des G3 Systems, welches gefühlt nochmal 10-15 Meter weiterkommt. Jedoch sind die 30 Meter für die meisten Einsätze ausreichend.

Sennheiser AVX Sender an Hosenbund

C.2.5 Sennheiser AVX-Funkstrecke – Fazit.

“Relax it’s an AVX”, sagt Sennheiser. Und das kann ich gut und gerne unterschreiben. Das AVX System ist gemacht für One-Man-Crews, die sich auf andere Dinge konzentrieren wollen und müssen.

Sennheiser schafft es nahezu alles zu automatisieren und nimmt gleichzeitig alle Optionen für mögliche Fehleinstellungen aus dem System. Wenn das Pairing einmal steht kann man, abgesehen vom Ausgangspegel, garnichts mehr falsch machen. Wichtig bei einem so automatisierten Gerät ist, dass man vertrauen dazu aufbauen kann und es einfach machen lässt und genau dieses Vertrauen habe ich.

Die kompakte Bauform ist einzigartig und für mich das wichtigste Feature, besonders wenn man mit zwei Funkstrecken arbeitet.

Ersetzt das AVX System die G3 Reihe? Jein, das AVX System ist ein neues Gerät und wird bei einer großen Zielgruppe sicherlich erste Wahl werden. Das G3 System bietet in meinen Augen aber noch mehr Kontrolle über den Ton und wird daher weiterhin von vielen priorisiert werden.

Was ich mir wünschen würde wäre ein Gerät mit dem kompakten antennenlosen Design der AVX-Serie, dem Optionsumfang der G3 Serie und einen AVX-Full-Auto-Schalter für Situationen in denen es schnell gehen muss.

C.2.6 Sennheiser MKE 400

Auf der GH4 konnte ein Sennheiser MKE 400, mit einer speziellen Windschutz-Kombination, seinen Platz finden. Anfangs dachte ich ein Standard-Windschutz für das MKE 400 würde reichen, aber bereits auf der ersten Autobahn merkte ich, dass der Umfang des Mikrofon auch mit Windschutz viel zu klein war um den Wind wirksam abzulenken.

Nach einem kurzem Panikmoment kam ich dann auf die Idee, den Schaumwindschutz + Deadcat meines Beyerdynamics 85PV über das Sennheiser MKE 400 zu ziehen. Perfekt! Da das MKE 400 sehr Höhenbetont ist schadet die extra Dämpfung nicht wirklich. Einzig die Absorber am Mikrofon machten mir Sorgen, da nun natürlich mehr Gewicht auf ihnen lastete und sie unterdimensioniert wirkten. Sie hielten die 14 Tage aber problemlos durch.

Panasonic GH4 mit Sennheiser MKE400 Windschutz

Den Wind auf den Bergen darf man nicht unterschätzen und um ein voluminösen Windschutz kommt man nicht herum…

C.3 Der Schnitt.

Anders als im letzten Jahr, wo ich während der Tour das Material nur gesammelt habe und erst nach dem Trip die Videos geschnitten hatte, haben wir dieses Jahr jeden morgen das Video vom vergangenen Tag hochgeladen. Die Videos mussten also während der Tour im Auto oder abends im Hotel oder Zelt geschnitten werden.

Den größten Teil der Schnitts habe ich abends bzw. nachts gemacht. Tagsüber habe ich hauptsächlich das Material gesichert und in der Timeline grob vorsortiert. Während der Fahrt einen längeren Zeitraum zu schneiden war für mich nicht möglich, da mir nach circa 30 Minuten übel wurde.

Der Schnitt war technisch gesehen keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, dass wir qualitativ keine großen Abstriche machen wollten. Das tägliche Videomaterial musste korrigiert (GoPro Material entzerrt und stabilisiert) und grundlegend gegraded werden. Das alles möglichst bei 4K um ein sauberes Full HD durch downscaling zu erhalten und um ordentlich croppen zu können.

Eine Möglichkeit wäre ein Proxyworkflow gewesen. Dieser hätte sehr wahrscheinlich aber zu viel Zeit in Anspruch genommen. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich jeden Tag gerade einmal 3-4 Stunden Zeit haben würde um die Folge zu sichten, schneiden, graden und abzumischen.

Ich brauchte einen leistungsstarken Laptop, der allerdings nicht zu groß und zu schwer sein durfte um noch ordentlich unterwegs schneiden zu können. Das klingt erstmal albern, aber es ist immer weniger Platz vorhanden als man denkt, besonders zu Zeiten wo nicht alles an seinem Platz liegt. Alles über 15 Zoll erschien mir als zu sperrig.

C.3.1 SCHENKER H505 Hochleistungsnotebook.

Ich wendete mich mit meinem Anliegen an Schenker Technologies, ein Leipziger Unternehmen, dass seit 2002 unter der Marke XMG, High-End Gaming Latops, und unter der Marke SCHENKER hochklassige mobile Workstations produziert.

Das Angebot von SCHENKER fängt bei leichten und flachen Business Laptops an und endet bei den potentesten mobilen Workstations die es auf dem Markt zu finden gibt. Dabei ist es stets möglich die Hardware individuell zu konfigurieren.

Als hätte SCHENKER von #thepluses3 und unseren Anforderungen gewusst. Denn erst vor wenigen Wochen stellten sie die neue SCHENKER H-Serie vor. Diese Serie vereint leistungsstarke Hardware mit einem schlanken Design und langer Akku-Laufzeit.

Teil dieser Serie ist das SCHENKER H505 Hochleistungsnotebook, welches mit 15 Zoll die perfekte Größe bietet um ausreichend Überblick über die Timeline zu haben und dennoch klein genug war um es während der Fahrt bequem nutzen zu können. Nach kurzer Beratung und einigen Upgrades stand das Notebook dann fest. Ein Notebook, dass das Herz eines jeden mobilen Cutters höher hüpfen lässt:

15” 4K Display
Intel Core i7-4720HQ
Nvidia 980M mit 4GB
16 GB DDR3 Ram
1x 256 GB SSD
2x 1TB HDD

 

Schenker H505 mit Premiere CC

Eigentlich wollte ich diesen Satz beginnen mit: “Das Herzstück des SCHENKER H 505…”, aber dieser Laptop hat in meinen Augen drei Herzen.

C.3.2 SCHENKER H505 Herz Nummer 1 – Das Display.

Das 4K QFHD (3840*2160) Non-Glare IPS Display. Die Auflösung war ein Segen, da ich auf der kleinen 39,6cm Display-Diagonale neben der kompletten Timeline, auch noch ein 1080p Programmfenster, den Projektbrowser, Effektbrowser, Audiopegel und die Lumetri-Bereiche darstellen konnte. Dazu hat es einfach Spaß gemacht 4K Material in voller Auflösung bei einer PPI von knapp 300 anzugucken.

Einziges Problem: Windows oder Premiere CC kam bei einigen Effektfenstern, wie z.B. “Dynamics”, nicht mit der Darstellung zurecht. Diese wurden 1 zu 1 dargestellt, waren also extrem klein und nur gerade eben so noch lesbar. Sicherlich ein Problem, dass Premiere in Zukunft beheben wird.

Das Display ist Hauch dünn. Ich habe nicht nachgemessen aber ich meine es ist dünner als das des Macbook Retina. Die Farbdarstellung ist von Haus aus sehr neutral und liefert eine ordentliche Zeichnung in den Tiefen und in den Höhen. Die Farben sind nicht künstlich übersättigt. Nach der Kalibrierung mit dem Spyder war ich sehr zufrieden mit der Darstellung. Das Display dient sicherlich nicht als Referenz-Bildschirm aber ist in meinen Augen überdurchschnittlich gut im mobilen Segment.

Schenker H505 Ultra-HD Display

C.3.3 SCHENKER H505 Herz Nummer 2 – Die GPU.

Die Nvidia 980M Grafikkarte mit 4GB RAM. Auch sie war ein echter Segen, da modernere NLEs auf die eine gute Grafikkarte mehr angewiesen sind als auf die CPU. Gerade bei der Echtzeit-Wiedergabe war ich überrascht, wie perfomancestark sich die Karte im SCHENKER H 505 erwies. Das 4K Material konnte problemlos mit LUT-Matrix und verschiedenen Farbkorrekturen dargestellt werden.

Das einfache Color-Grading in Premiere unterschied sich kaum mit der Arbeit am PC, an meinem Arbeitsplatz. Performance-Einbrüche gab es nur bei Effekten, die nicht von der GPU verarbeitet werden konnten, wie Linsen-Verzerrung oder Verkrümmungsstabilisierung.

Auch das Rendern nach dem Schnitt ging erstaunlich schnell, bis auf die bereits erwähnten GPU-Effekte. Der Laptop renderte durchschnittlich ca. 40 min pro 7 min Folge. Ohne die Entzerrung der Drohnen-GoPro wären es um die 25 min gewesen.

Schenker H505 mit Premiere CC im Hotel Workstation

C.3.4 SCHENKER H505 Herz Nummer 3 – Die Festplatten.

Die drei Festplatten. Ja, genau drei Festplatten. Fragt mich nicht wie SCHENKER die im H 505 verbaut bekommen hat, aber sie haben mir die Arbeit sehr viel leichter gemacht. Auf der 256 GB SSD war natürlich das System und die Programme installiert. Auf den 1GB WD Blues war das Quellmaterial und das erste Backup. Ein zweites Backup wurde nochmal extern gesichert.

Das hatte den Vorteil, dass ich das erste Backup für mein Wohlbefinden bereits machen konnte ohne das eine externe Festplatte angeschlossen war. Externe Festplatte an Laptops im Auto während der Fahrt rutschen immer irgendwie runter. Man kann sich den Laptop nicht mal eben nehmen, weil rechts eine Festplatte dran hängt.

Bevor ihr jetzt wieder denkt “was für ein Quatsch”: Denkt daran, dass das Auto vollgestopft war und der Laptop während des Backups immer auf der Spitze des Rucksackstapels lag.

Nützlich war zudem die UMTS-Schnittstelle für den Upload der Videos. Allerdings hatte ich nur eine SIM-Karte mit Datentarif fürs Ausland dabei und wollte doch immer wieder mein Handy nutzen und habe deswegen, ab dem zweiten Tag, nur das Tethering übers Handy benutzt.

C.3.5 SCHENKER H505 – Verarbeitung.

Das Gehäuse des SCHENKER H505 besteht aus einem Mix aus Aluminium und Plastik, welcher gekonnt verarbeitet wurde, sodass der Gesamteindruck sehr robust war und man keine Sorge hatte, dass irgendwo etwas abbricht. Gleichzeitig hat SCHENKER versucht, dass Design kompakt und mobil zu halten. Dabei haben sie gute Kompromisse getroffen. Gummi-Bumper am Gehäuse habe ich nicht vermisst. So lässt sich das Gerät sicher auch super für stilbewusste Business-User nutzen, die kein Abenteurergerät haben möchten.

Schenker H505 geschlossen

C.3.6 SCHENKER H505 – Akkulaufzeit.

Neben der Größe und der Leistung spielt die Akkulaufzeit eine wichtige Rolle für mobile Arbeitsgeräte. Dabei weiß der SCHENKER H505 zu überzeugen. Im normalen Betrieb komme ich mit einer Akkuladung ca. 9 Stunden aus. Während des Videoschnitts sind es 4-5 Stunden. Das reicht um unterwegs auch ohne Steckdose kleine Projekte zu schneiden. Für die Energie-Verwaltung bietet SCHENKER ein einfaches Tool mit dem sich konsequent zwischen Energiesparmodus und Leistungsmodus umschalten lässt.

Schenker H505 - Arbeiten im Nebel am Col de Tourmalet Jonas Bomba

C.3.7 SCHENKER H505 – Fazit.

Unterm Strich ist der SCHENKER H505 im Videobereich ein mobiler Allrounder für Adobe Premiere Nutzer. Innerhalb Premiere lässt sich flüssig, dank des 4K Displays auch komfortabel und uneingeschränkt arbeiten. Auch After Effects oder Davinci-Projekte lassen sich bearbeiten. Dabei sollte man aber wissen, dass man irgendwann an Grenzen stößt.

Verarbeitung, Größe und Akkulaufzeit lassen es zu, das Gerät auch unterwegs einige Stunden zu nutzen.

D. Schlusswort.

Wer einen allgemeinen Tipp für das Arbeiten in extremen Situationen als One-Man-Crew, möchte: Steckt viel Zeit in die Vorbereitung eurer Arbeit und eurer Arbeitsweisen. Jeder unnötige Knopfdruck ist zu viel und wird in der Summe an euren Nerven nagen. Keep it simple.

Auch wenn ich mich als One-Man Crew darstelle war ich eigentlich nie alleine. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Cem und Milena, ohne die es so nicht geklappt hätte! 🙂

DISCLOSURE: Für unseren #thepluses3 Roadtrip wurden uns von Schenker ein Notebook, von Sennheiser eine Funkstrecke, von Heimplanet zwei Zelte und von Nissan Deutschland bzw. Mercedes-Benz Fahrzeuge zur Verfügung gestellt.

Bildquelle: Jonas Bomba, Can Struck