E-Mobilität mit dem Nissan Leaf: Tag 9 – Wenn der Akku morgens leer ist…

Nissan Leaf Tag 9: Wenn der Akku morgens leer ist - Teaser

Acht Tage lang hat alles problemlos funktioniert, am neunten Tage – gestern – kam die große Überraschung: Ich steige morgens entspannt in den Nissan Leaf, öffne das Tiefgaragentor und stutze: Steht da am Display doch tatsächlich nur 34 Kilometer Restreichweite? Wo ich sonst aktuell mit 100% Ladung schon bei 171km bin? Ohje… es graute mir ein wenig Stress.

Nissan Leaf Tag 9: Akkustand morgens vor der Abfahrt

Fluchs den Leaf wieder rückwärts eingeparkt und überlegt: Zweites Auto habe ich aktuell nicht da. Ja, das war meine erste Reaktion. Ausweichen auf einen Explosionsantrieb. Zweiter Gedanke: Leaf beim P+R parken und mit der Bahn fahren. Dadurch verliere ich einige Zeit. Dritter Gedanke: Schnelladung 80% in 30 Minuten oder wie war das? Die 20 Minuten würde ich auf jeden Fall auch mit der Bahn verlieren.

Gut, damit steht der Beschluss fest: Es geht zur knapp 2-3 Kilometer entfernten Schnellladestation an einer Tankstelle. Glücklicherweise haben wir eine quasi vor der Haustür. Wollte ich sowieso mal ausprobiert haben.

Nissan Leaf Tag 9: Aufnahme Anschluss Schnelladekabel am Terminal

Angekommen an der Station stand natürlich (grrr) direkt mal ein geparktes Auto auf der von mir benötigten Fläche. Scheint ja aufgrund von Ignoranz oder ähnlichem öfter der Fall zu sein. Zum Glück war die Fahrerin in der Nähe und fuhr auch flugs ihren Benz aus dem Weg. Nun die Challenge: Anschließen des Nissan Leaf an die Schnelladestation.

Sieht eigentlich einfach aus: Erstmal durch das Display klicken. Schritt 1 sind drei verschiedene Ladestufen, die längste davon 30 Minuten und 9€ Gebühr. 9€ ist verdammt viel, aber genau das will ich. Ausgewählt und dann steht da: Der Ladevorgang hat begonnen und ein Timer zählt von 30 Minuten runter. Zusätzlich springt ein lauter Lüfter in der Station an. Hä? Ist doch gar nix angeschlossen? Und wo habe ich bitte bezahlt? Ich wollte ja nur rausfinden wie ich per SMS bezahlen kann.

Gut also auf gut Glück das ganze nochmal, diesmal mit angeschlossenem Kabel. Links an der Station ist eine Steckdose für ein eigenes Kabel, rechts an der Station ist ein fixes Kabel mit Stecker. Kurz den Stecker am fixen Kabel mit der Steckdose vorne am Leaf verglichen und es für passend befunden. Stecker rein und nochmal am Display starten. Wieder nix mit bezahlen und wieder der Timer. Aber keine Lade-LEDs am Leaf. Hmm… Ein wenig Panik kommt schon. Den Stecker am Leaf wieder abgenommen, paar Sekunden später an der Station der Hinweis „Der Ladevorgang konnte nicht initiiert werden.“ Aha! Es tut sich also was.

Also nochmal den Stecker inspizieren. Da ist ne Taste dran und ein großer Bügel. Ok! Bügel ganz fest arretieren. Es klickt und alles sieht noch ne Ecke besser aus. Wieder Ladevorgang starten und diesmal springen auch die LEDs an. Bezahlung will die RWE-Ladestation immernoch nicht haben. Trotzdem: Alles sieht gut aus und läuft, schonmal eine Erleichterung.

Nissan Leaf Tag 9: Restzeitanzeige an der Ladestation Nissan Leaf Tag 9: Warten im Auto auf den Schnellladevorgang

Zu tun hatte ich nix, bin einfach im Leaf sitzengeblieben und hab das Ganze beobachtet. Nacheinander gingen alle LEDs an und leuchteten fröhlich. 30 schnell vergangene Minuten später steht die Akkuladung bei 80%. Hmm.. 20% vorher und jetzt 83% bedeutet gerade mal 63% Ladung in den 30 Minuten. Also wieder rechnen: Reicht das für die Fahrt nach Bonn und zurück? Da ich keine Zeit mehr hatte habe ich spontan beschlossen es zu wagen. Hätte ich für den Ladevorgang 9€ gezahlt, hätte ich mich auf jeden Fall geärgert.

Nissan Leaf Tag 9: Akkustand nach dem Laden an der Schnellladestation

Supervorsichtig bin ich die knapp 80 Kilometer gefahren. Auf der Rückfahrt und den letzten 10 Kilometern kam dann der Warnhinweis, dass ich unbedingt den Akku laden sollte. Bei laut Display 32 Kilometern Restreichweite. Zum Glück war ich schon von der Autobahn runter, sonst hätte ich mir Gedanken gemacht ob ich nicht doch noch irgendwo nachladen sollte. Man kennt es ja vom Verbrenner: Da sind plötzlich 40km Restreichweite bis zum Tanken weg und es stehen nur zwei Striche da. Ich wollte nicht herausfinden ob 32 Kilometer auch wirklich 32 Kilometern sind. Oder doch nur 16? So bin ich auf Eierschalen nach Hause gefahren und hab mich lechtzend auf die Steckdose gestürzt. Warum in der Nacht zuvor nicht geladen wurde, konnte ich nicht nachvollziehen. Beim Einstecken des Steckers am Leaf achte ich auf das Piepen und beim Einstecken an der Wand auf das Anspringen der grünen Lade-LED am Kabel. Ich meine das auch am Vortag gemacht zu haben. Ab sofort bin ich sensibilisiert und übervorsichtig.

Nissan Leaf Tag 9: Akku fast leer abends bei Ankunft zuhause

Frühere Artikel zum Thema:
Tag 1 mit dem Nissan Leaf
Tag 2,3,4 mit dem Nissan Leaf

9 Antworten auf „E-Mobilität mit dem Nissan Leaf: Tag 9 – Wenn der Akku morgens leer ist…“

  1. Im Prinzip wäre es ja möglich, dass der Leaf der Station sagt, wer er ist und woher das Geld kommt. Man kann ja Daten auf ein Stromsignal modulieren. Allerdings 9 € für einen 80% Akku (bzw. 63) ist viel, dafür kann man ja Diesel fahren…

  2. Gibt es denn Apps oder irgendwelche Installationen im Navi um die nächste Ladestation zu finden? Habe mich eben auch ein wenig mit dem Thema befasst und finde kaum etwas brauchbares :/

    1. @Dajana:
      Hi Dajana,

      Ich fand es auch schwierig im Vorfeld Informationen zu Ladestationen im Internet zu finden. Im Leaf gibt es allerdings dafür extra eine Taste.
      Links am Lenkrad, mit blauem Pfeil drauf. Sobald man diese Taste drückt bekommt man eine Karte angezeigt auf der alle Ladestationen eingezeichnet sind, inklusive zwei Kreisen für Mindestreichweite und vorausssichtliche Reichweite. So kann man abschätzen wann man eventuell mal eine der Stationen ansteuern sollte. Beim Klick darauf wird das Navi programmiert.
      Ich fand es aber echt schwer die Ladestationen zu entdecken (dort wo es sie geben soll). Oft sind sie ja in irgendeiner unscheinbaren Ecke.

  3. Das die 30 Minuten schnell vergangen sind, glaub ich dir ;-). 9,00 Euro sind wirklich sehr viel für das Aufladen. Hast du dich denn mal erkundigt, ob dies seine Richtigkeit hat?

    1. @Jan:
      Hi Jan,

      das liegt daran, dass ich viel unterwegs war die letzten Tage und auch entsprechend viele Artikel zu schreiben sind. Audi A3 Cabrio, Nissan GT-R Brügge und und… sobald ich die Zeit finde kommt der Artikel! Ich hoffe du hast noch ein wenig Geduld mit mir 🙂

      vg
      bycan

  4. „Hast du dich denn mal erkundigt, ob dies seine Richtigkeit hat?“

    So manche unserer Kunden die ihren Kleinwagen (ursprünglich angeschafft speziell für Stadtfahrten) verkaufen möchten, und diese Alternative in Betracht ziehen, fragen uns immer wieder nach den zu erwartenden Kosten, da (genau wie bei Verbrauchsangaben bei Verbrennern durch die Hersteller) hier offenbar wenig Vertrauen und Transparenz vorhanden ist.
    Gibt es da verlässliche – und vor allem in der Praxis bestätigte – Werte, nach Möglichkeit in Tabellen?

    Danke im Voraus,
    Simon

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