Fahrbericht Mercedes-Benz CLS 63 AMG

Mercedes-Benz CLS 63 AMG Photoshooting. Oder nicht?

Eigentlich war alles völlig anders geplant. Mit dem knallroten CLS 63 AMG sollte ein Photoshooting stattfinden. Nachts, mit viel Brimborium und ohne Aufwand zu scheuen. Doch sollte das Wetter nicht mitspielen. Natürlich war es positiv, dass in Köln am Wochenende das erste Mal 30 Grad erreicht wurden. Nachts – das Shooting ging um 0:00 Uhr los – führte das allerdings dazu, dass im Zusammenspiel mit der hohen Luftfeuchtigkeit ein feiner Nebel in der Luft lag. Enttäuschend. Ändern kann man es nicht, die Fotostory kommt wann anders.

Leistungsdaten des CLS 63 AMG.

Jeder, der mir in dieser Woche Fragen zum CLS 63 AMG gestellt hat, hat von mir dieselbe Zahlenkolonne geliefert bekommen: 525 PS, 700Nm, 4,4 Sekunden für den Spurt von Null auf Hundert, 13 Liter Verbrauch, 130.000 Euro. Mehr braucht man eigentlich auch kaum zu sagen. Interessant finde ich, dass scheinbar jedem auffällt, dass das Auto etwas besonderes ist. Auch wenn ich es eigentlich – bis auf die knallrote Lackierung – als Wolf im Schafspelz bezeichnen würde. Ich denke nicht, dass Leute die wenig Ahnung von Autos haben das Fahrzeug in Vergleich zu einem CLS Diesel richtig einordnen können. Das Tuning ist dezent und beschränkt sich auf gewaltige 20″-Felgen mit 285/30er Bereifung hinten und vier Endrohre. Wer Spoilerwerk sucht, ist hier falsch. Zum Glück.

Design des CLS aus Affalterbach.

Denn der CLS ist meiner Meinung nach einer der schönsten, zeitlosesten Mercedes. Die erste Generation hat eine neue Fahrzeuggattung begründet und bei Mercedes den Wandel zu mehr Qualität eingeleutet, nachdem man mit Problemen zu kämpfen hatte. Das erste viertürige Coupé. Das Auto wölbt sich über die Radhäuser, die Seitenfenster gleichen einem Schlitz, die Motorhaube ist riesig groß wie ein Kingsize-Doppelbett und das Heck ist knackig kurz mit einer hohen Abrisskante. Was das Heck angeht scheinen sich die Meinungen zu teilen. Manche meinten zu mir die Rückleuchten seien zu groß und würden an Fischaugen erinnern. Ich finde gerade beim AMG das Heck absolut stimmig, bei kleineren Motorisierungen jedoch stimme ich zu: Die Heckleuchten könnten einen Tick kleiner sein.

Der Innenraum ist längst meilenweit weg von den biederen, eher konservativen Designs, die man einst von der Marke mit dem Stern gewohnt war. Der CLS glänzt hier heutzutage durch edle Materialien. Lederbezogenes Armaturenbrett, hochglanz-schwarze Zierleisten. Sportlich, zeitlos, elegant. Zu der analogen Uhr von IWC zwischen den Lüftungsdüsen hat jeder, ausnahmlos jeder, der mitgefahren ist, einen Kommentar abgegeben. Die Geschmäcker scheiden sich an diesem Detail.

V8 Biturbo – Anlassen, bitte!

Erst das Auto per Fernbedienung entsperren. Wie ein Kampfjet zischt der CLS kurz und entlässt einen Luftstoß aus dem Fahrwerk. Nach dem Einsteigen das erste was man machen sollte: Das Fahrerfenster einen Spalt runterlassen. Erst danach bitte den Zündschlüssel drehen. Der CLS blubbert sich wach, brabbelt ein Kauderwelsch, welches sich als kraftvolles, unanständiges Grummeln aus tiefster Kehle beschreiben lässt. Erotik für die Sinne. Er klingt so wie ich als Kind immer klingen wollte, wenn ich mit dem Mund Motorgeräusche gemacht habe. Diesen ersten Moment sollte man immer genießen.

Let’s cruise, American Style.

Parkplatz verlassen und auf die Straße. Schön langsam auf die erste Ampel zurollen.

3, 2, 1… Gaspedal durchtreten, oder ein klein wenig mit den Zehen streicheln und der CLS schiebt an. So ordentlich, dass man im Sitz versinkt. Gar denkt, aus dem Stand abheben zu können. Der V8 Motor wird lauter und lauter, die Zwangsbeatmung stärker und stärker. Die Räder quietschen und los geht’s. Zweiter Gang, wieder leicht von Reibungsverlust gequälte Reifen, ein kleiner Versatz des Hecks zur Seite und sofort weiter. Von jeder Unebenheit scheint der CLS mit Anlauf abzuspringen um gefühlte 100 Meter weiter wieder auf dem Asphalt aufzukommen. Tief am Boden. Nichts bringt ihn aus der Ruhe.

Das kann man den ganzen lieben langen Tag machen. Immer und immer wieder. Langweilig wird es nie, das verspreche ich euch an dieser Stelle hoch und heilig. Geht man irgendwann wieder vom Gas, wird der Motor wieder unhörbar, der Komfort steigt auf Oberklassen-Niveau und man fährt entspannt weiter. Ob man bei 130km/h oder bei 250km/h vom Gas geht macht was dieses Erlebnis angeht absolut keinen Unterschied. Beide Geschwindigkeiten fühlen sich gleich an, es ist nicht lauter oder hektischer im Auto. Jederzeit totale Kontrolle über die Technik. Dieses Auto macht einfach alles was man von ihm will. Ohne Gegenfragen.

 

Das Speedshift MCT 7-Gang Getriebe.

Der CLS 63 AMG verfügt über das SPEEDSHIFT MCT 7-Gang Getriebe von AMG. Auch im SLS vorzufinden, dann allerdings als DCT. Bedienen lässt sich das Getriebe im AMG per dickem Schalthebel-Klotz auf der Mittelkonsole. Die Parkstellung aktiviert man übrigens per Tastendruck neben dem Schaltknauf – nicht verwirren lassen!

Neben dem Hebel zum Auswählen der Fahrtrichtung befindet sich ein Drehregler zur Auswahl des Getriebeprogramms (Comfort, Sport, Sport+, Manual und Race – dazu gibts gleich mehr), eine Taste zur Veränderung des Fahrwerks (Comfort, Sportlich, Brachial), eine Taste zum Einschalten der Sportabstimmung der elektrischen Helferlein und eine Taste, die den selbstbewussten Aufdruck „AMG“ trägt und mit der sich eine bestimmte Kombination der zuvor genannten Funktionen speichern und direkt abrufen lässt.

Zwei Dinge möchte ich anmerken: Der manuelle Modus ist immer noch nix für mich. Einfach mal bei 50km/h in den 7. Gang schalten? Nix da. Zu früh zurückschalten? Nix da. Klar, beides ist suboptimal für das Auto, doch bei einem manuellen Getriebe kann man tun und lassen was man will. Und so mag ich es. Immerhin: Von alleine hochschalten beim Erreichen des Drehzahllimits tut er nicht. Zieht man nicht am Paddel hinter dem Lenkrad bleibt der CLS schön im Drehzahlbegrenzer hängen, bis man ihn erlöst. So landet man auch in hektischen Situationen nicht vom 1. im 3. Gang, weil parallel mit der manuellen Betätigung auch automatisch auf den 2. gewechselt wurde und man somit einen Gang zu weit landet.

Race Start Modus im CLS 63 AMG aktivieren. So geht’s!

Die andere Sache die ich erwähnen möchte: Der Drehregler zur Auswahl des Getriebeprogramms verfügt auf der 6-Uhr-Stellung über den Modus „RS“. Steht für Race-Start. In diesem Modus erhält man maximale Beschleunigung aus dem Stand. Leider lässt sich die Funktion nur viel zu umständlich aktivieren. So geht’s:

Maximale Dynamik verspricht die RACE START-Funktion: Der Fahrer muss bei stehendem Fahrzeug die ESP-Sportfunktion aktivieren und mit dem linken Fuß das Bremspedal betätigen. Nach vorgewählter RACE START-Logik am Drehschalter erfolgt eine Sicherheitsabfrage im AMG Zentral-Display. Nun muss der Fahrer durch einmaliges Ziehen am Schaltpaddle „Up“ eine Bestätigung für die RACE START-Funktion vornehmen, das Gaspedal ganz durchtreten und die Bremse lösen. Die optimale Anfahrdrehzahl wird vollautomatisch eingeregelt und die Beschleunigung – auf Wunsch auch bis zur Höchstgeschwindigkeit – erfolgt mit perfekter Traktion. Der Fahrer braucht nicht manuell zu schalten, das AMG Getriebe wechselt die Gänge mithilfe kürzester Schaltzeiten.

Quelle: Mercedes-Benz Passion

Dass diese Fünf-Schritt-Aktivierung ziemlich realitätsfremd ist, ist klar. Wer will schon die Bedienungsanleitung studieren bevor er Vollgas gibt? Und an der Ampel ist man so sicherlich nicht der Schnellste.

„Das ist ja wie Achterbahn fahren.“

Was dieses Überauto bewirken kann lässt sich mit einem Beispiel einfachen belegen:

Personen die vorher zu mir meinten: „Einfach zum Spaß Auto fahren? Ist doch voll blöd! Ihr seid ja irre.“ (Wörtliches Zitat) stehen plötzlich vor mir und sagen „Wow! Das macht total Spaß. Danach könnte ich ja nicht mehr zu meinem Kleinwagen wechseln.“ und sehen sich euphorisch die Konfigurationsmöglichkeiten für den CLS im Internet an. Träumen darf eben doch jeder.

Fahrzeug: Mercedes-Benz CLS 63 AMG

Lackierung: Thulitrot Metallic
Felgen: –
Polster/Leder: Leder PASSION schwarz

Motor: 5l V8 Biturbomotor
Hubraum: 5.461 cm3
Leistung: 386 kW (525 PS)
Drehmoment: 700 Nm
Getriebe: AMG Speedshift MCT 7-Gang Getriebe
Antrieb: Hinterradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,4s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 4/4
Verbrauch kombiniert: 9,9 l/100 km
CO2-Emission: – g/km

Driver’s Groove Bewertung: 9/10

Preis Testfahrzeug: 131.477,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

5 Antworten auf „Fahrbericht Mercedes-Benz CLS 63 AMG“

  1. Hübsch! Also der Wagen und die Merry! Ich greif deinen Beitrag direkt am Wochenende mal auf wenn ich den kleinen Bruder fahre…

    1. Wünsche dir außerordentlich viel Spaß mit dem kleinen Bruder und freue mich auf deinen Beitrag!
      Das Kompliment werde ich ausrichten 🙂

  2. Toller Bericht – schönes Auto:

    Ich hatte ja das Privileg mal eine Runde mitzufahren.
    Sehr toller Innenraum – trotz vieler Knöpfe und Bedienmöglichkeiten wirkte er kein bisschen überladen, und wie Can schon geschrieben hat sehr edel und auch sportlich.
    Der Sound ist bombastisch, leider im Innenraum nicht so brachial wie ausserhalb des Wagens. (Nach der Runde wurde ich abgesetzt und bei der Abfahrt des AMG wurde erstmal der ganze Straßenzug in Grund und Boden gebrüllt – herrlich!).
    Die Beschleunigung ist unglaublich, jedoch für meinen Geschmack schon einen Ticken zu viel und zu holprig. Aber wahrscheinlich ist das als Fahrer ein wenig anders 😉

    Also wenn ich die Kohle hätte, wäre das Auto erste Wahl 🙂

Kommentare sind geschlossen.