Mercedes-AMG CLA 45 Edition 1 Fahrbericht

Heiseres metallisches Knattern. Die Hauswände schreien das Knattern zurück in den Innenraum.

Zurückschalten. Festhalten. Durchstarten. Der potente Weltmeister mit gerade mal vier Zylindern drückt einen in den Sitz. Schlupfverlust ist nicht, alle vier Räder zanken sich um die beste Traktion. Welches der Räder am Ende gewinnt, bekommt man gar nicht mit. Denn es geht einfach nur geradeaus, ultraschnell. Der Mercedes-AMG CLA 45 ist der verdiente kleine Bruder des CLS 63 AMG. Kleiner, kompakter, leichter, genauso durstig und ein ziemlicher Lausbub. Ihm scheint noch keiner gesagt zu haben, dass er gerne auch mal eine Nummer zurückschalten kann, schließlich ist er ja „der Kleine“. Er trompetet mitten im Stimmbruch immer wieder mal sein „ratta ratta peng peng!“ in die Welt, besonders gern beim Lastwechsel. Noch viel lieber und lauter und knalliger wenn man ihn mal richtig schön ausdreht und spät schaltet. Auch wenn er eine Automatik hat: Es macht einfach zu viel Spaß in den hohen Drehzahlen zu bleiben als dass man die Automatik früh schalten lassen möchte.

So fahre ich den Mercedes-AMG CLA 45 in die City, nach Köln-Ehrenfeld.

Dort gibt es jede Menge Graffitis und irgendwie passt der CLA dazu. Nicht nur wegen den in meinen Augen grauenhaften Decals am Blechkleid. Auch wegen der eben beschriebenen lauten, knalligen, bunten akustischen Kulisse und Optik.

In der Gegend um die Rockschuppen Underground und Live Music Hall findet man sie, die wunderschönen Malereien. In dem Stadtteil stehen auch ein paar abrissbereite alte Fabrikhallen. Es ist kultig hier. Nur junge Leute der Alternativen Szene, die üblichen Fastfood Ketten eingebettet zwischen brachliegenden Flächen und alten Gemäuern mit zerborstenen Scheiben. In einer der alten Hallen kann man auch Klettern. Hier ist immer was los, aber ganz besonders abends wenn es dunkel wird. Es dauert nicht lange bis mich der Erste auf den Mercedes-AMG CLA 45 anspricht. Ob er brandneu sei. Und was ich denn genau gerade machen würde.

Am liebsten würde ich „ich warte auf das Schicksal“ sagen.

Aber ich sage es lieber nicht, denn manchmal blickt man seinem Schicksal gerade ins Auge, wenn man so etwas sagt und dann könnte es den Moment ruinieren. Oder aber als eine ziemlich plumpe Anmache wahrgenommen werden.

Das Schicksal soll mir entweder ein besonderes Motiv schenken oder aber mir einen Strohhalm reichen, an dem ich mich gemeinsam mit dem Mercedes-AMG CLA 45 festhalten kann.

Eine halbe Stunde später kommt eine junge Dame an mir vorbei und bleibt stehen. Ihr Rucksack hängt an einem der Träger lässig an Ihrer Schulter. Zu ihren Chucks trägt sie zerschlissene Jeans, ihre braunblonden Haare sind rechts deutlich kürzer geschnitten als links. Passend dazu hält sie ihren Kopf leicht schief. Sie schiebt mit der linken Hand eine lange Strähne hinter ihr Ohr. Auf ihrem Ringfinger hat sie ein Tattoo.

„Cool, machst du Fotos von den Graffitis?“
„Ja, und von dem Mercedes“
„Ah.“
„Da hinten in der Querstraße ist noch n ziemliches fettes Graffiti, solltest du unbedingt auch hin.“
„Ja? Kann ich da auch mit dem Auto davor?“
„Ich denke schon, weiß ich so direkt nicht. Musst du ausprobieren. Ist das Auto irgendwie was tolles Neues? Oder dein eigener?“
„Ne, ist nicht meiner. Ist von Mercedes selbst. Weltstärkster Vierzylinder!“

Kaum hab ich das gesagt, komme ich mir fürchterlich geeky vor.

Ich denke nicht dass sie das interessiert. Zu meiner Bestätigung kommt nur ein „Schön.“ von ihr.

Also mache ich weiter meine Fotos, irgendwie ist das Gespräch ja scheinbar vorbei. Sie aber bleibt hartnäckig neben mir stehen. Da ich das irgendwie überhaupt nicht leiden kann fische ich nach einem neuen Gesprächsthema.

„Wenn du willst kannst du mir ja zeigen wo das Graffiti ist?“
„Klar, kann ich machen. Wo sieht man denn die Sachen die du so fotografierst?“
„Auf meinem Blog.“
„Ah, ok.“

Ein Freund der vielen Worte scheint sie nicht zu sein, andererseits: Warum sollte man mehr sagen als nötig? es gelingt mir nicht so recht ihre Worte zu interpretieren. „Ah, ok“ im Sinne von „Wow geil erzähl mehr!“ oder „Ah, ok“ im Sinne von „Booah Alter uuuultra langweilig!“

Ich packe mein Equipment ein und werfe es in den Kofferraum des Mercedes-AMG CLA 45. Ich deute ihr dass sie auf der Beifahrerseite einsteigen soll. Sie setzt sich rein, nimmt ihren Rucksack zwischen die Beine und sieht sich um. Endlich meine ich mal erkennen zu können was sie denkt. Sie findet Gefallen am Innenraum. Nubuk Leder soweit das Auge reicht, rote Ziernähte, verdammt bequeme Sportsitze und diese stylischen runden Lüftungsdüsen mit roten Ringen.

Auf der aufgeräumten Mittelkonsole der quadratische AMG-Schaltknauf aus Metall mit dem Wappen der Affalterbacher Hochleistungsspezialisten.

Was der Mercedes-AMG CLA 45 hier auftischt kennt man sonst nur aus deutlich höheren Fahrzeugklassen. Die ständig knarzende Plastikummantelung der Befestigung des auf das Armaturenbrett aufgesetzten Navidisplays kann das Gesamtbild nicht im Geringsten trüben.

Ich lasse den Motor an, sie sieht zu mir hinüber. Hat sie vermutlich nicht erwartet. Unauffällig drücke ich die Moduswähltaste neben dem Schaltknauf, um in den Sportmodus zu gelangen. Alles andere kommt sowieso nicht in Frage. Grundsätzlich ist das mein erster Griff nach dem Anlassen des Motors, direkt gefolgt vom Einlegen der Fahrstufe.

„Wo müssen wir hin?“
„Da drüben die Straße runter.“
„Möchtest du auf direktem Weg dort hin oder sollen wir eine kurze Runde drehen?“
Völlig unerwartet trifft mich ihre Antwort „Ok, wir können gerne ne Runde drehen, ich warte sowieso auf Freunde.“

Auch wenn sie sich sichtlich Mühe gibt es nicht zu zeigen, ein wenig gespannt ist sie schon auf das was kommt. Ich lasse es erstmal langsam angehen. Mit dem Verkehr fließen, behutsam fahren.

„Boah das geht ja gar nicht!“ sagt sie als der CLA das erste Mal knattert als ich vom Gas gehe. „Klingt ja fast als wäre da was kaputt.“ Hmm. Ich fahre unbeirrt weiter. Ein wenig Luft verschaffen damit der CLA auftrumpfen kann. Der Verkehr muss weg.

Ein paar Minuten später sind wir auf einer Straße, auf der man immerhin 70 fahren darf. Zur Freude gibt es jede Menge Ampeln. Man muss nur das Timing hinbekommen um als Erster an der Ampel zu stehen. Aber schon beim Einbiegen auf die 70er Straße kann ich quasi aus dem Stand Gas geben, den Vierzylinder bis vor den Drehzahlbegrenzer locken und die Gänge durchjagen.

Sie ist sichtlich beeindruckt. Nicht nur das: Ein Lächeln umspielt ihre Lippen

Ihr Gesicht ist plötzlich deutlich sympathischer als zuvor noch.

„Mach das nochmal“ und wieder überrascht sie mich. Ich hatte mit einem „Oho!“ oder so gerechnet und das war’s. Die nächste Ampel steht schon bereit. „Ok, dann diesmal Vollgas.“

Ihre Augen werden groß „Wie? Das war noch nicht Vollgas?“
„Ne, bisl was geht noch.“ sage ich und sehe sie dabei an.
„Hätt‘ ich nicht gedacht dass das Ding so abgeht.“

Das kann ich nur unterschreiben. Der CLA 45 AMG hält tatsächlich alle Versprechen, die seine Optik gibt.

Er sieht nicht schneller aus, als er ist. Sondern er ist schneller als er aussieht.

Nicht viele werden die Art Power in diesem Fahrzeug vermuten. Das merkt man auch immer wieder wenn man mit dem AMG auf der Autobahn unterwegs ist. Er hat in der Frontalansicht nicht die Erscheinung, die sofort jeden wegscheucht. Und dass er viele andere Fahrzeuge verbläst kauft ihm auch keiner ab. Umso honigsüßer der Moment, wenn man zurückschaltet und auf den Pinsel tritt.

„Das schwierige ist die Gangwechsel so zu timen, dass man gerade neben einem anderen Auto fährt wenn das Geknattere losgeht. Damit die ganze Welt es mitbekommt“ erkläre ich ihr ähnlich einem Rennfahrer der Bremspunkte erläutert.

Ich habe keine Ahnung was sie nach so einem Kommentar von mir hält. Aber es ist mir irgendwie auch egal ob ich es mir mit ihr verscherze. Vermutlich denkt sie, dass ich jedem Klischee des Ihr-wisst-schon-welche-Landsleute-fahren-ihr-wisst-schon-welche-Marken gerecht werde. Vielleicht ist sie aber auch ein wirklich weltoffener Mensch ohne Vorurteile und Schubladendenken. Ich für meinen Teil denke sie ist eher Letzteres. Weil es mir besser gefallen würde. Sie muss ja nicht wissen dass es mir einen Heidenspaß bereitet auf diesen Klischees herumzureiten. Deswegen erkläre ich weiter „2 Liter Vierzylinder, 360PS, 450 Newtonmeter, 4,6 Sekunden von Null auf Hundert.“ während ich mein rechtes Handgelenk lässig mittig oben auf das Lenkrad lege.

„Und was kostet er?“ fragt sie ganz sachlich.
„Knapp 75.000 Euro kostet dieser hier.“ sage ich. Sie antwortet nicht darauf. Das ist bei einer solchen Summe aber irgendwie auch nicht nötig.

„Aber in der Basis ab 56.000 Euro“ schiebe ich nach, um es bisschen besser zu machen. Und dass ich über 1.300 Testkilometer einen Durchschnittsverbrauch von 15 Litern Super Plus hatte lasse ich auch weg.

Wir sind inzwischen auf dem Rückweg nach Ehrenfeld, kommen bald wieder an unserem Ausgangspunkt an. Sie zeigt mit dem Finger in Richtung der Straße, in die ich einbiegen soll. Keine 200 Meter später sind wir am Ziel.

„Das Graffiti da drüben meine ich. Müsstest das Auto ja eigentlich irgendwie davor stellen können. Ist gerade frei.“

Es ist tatsächlich ziemlich nice. Ich bedanke mich bei ihr und wir steigen aus.

„Am besten kommt es von hier zur Geltung“ sagt sie und steht dabei auf der gegenüberliegenden Straßenseite leicht versetzt zum Graffiti. Sie betrachtet es noch eine Weile verträumt und kommt dann wieder zu mir. Sie hebt den Rucksack, den sie vorher achtlos neben den CLA geschmissen hatte, vom Boden auf. „Ich bin dann weg.“ sagt sie und dreht sich um. Da sehe ich an der Seitentasche ihres Rucksacks eine Spraydose herauslugen. „Vielen Dank für den Tipp“ sage ich.

 

Fahrzeug: Mercedes-AMG CLA 45 4MATIC Edition 1

Lackierung: Satinsilber
Felgen: AMG LMR 5-Doppelspeichen-Design 18 Zoll
Polster/Leder: Lederausstattung schwarz RED CUT

Motor: 2l R4 Ottomotor
Hubraum: 1.991 cm3
Leistung: 265 kW (360 PS)
Drehmoment: 450 Nm
Getriebe: 7G DCT Automatikgetriebe
Antrieb: Allradantrieb 4MATIC
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,6s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 4/4
Verbrauch kombiniert: 7,1 l/100 km
CO2-Emission: – g/km

DG-Bewertung: 09/10

Preis: ab 72.225,85 €

Bildquelle: Can Struck, Driver’s Groove

3 Antworten auf „Mercedes-AMG CLA 45 Edition 1 Fahrbericht“

    1. @Koray:
      Vielen Dank 🙂 Die Fotos bearbeite ich alle noch in Photoshop nach. Fotografiert wird nur im RAW-Format…
      Grüße
      bycan

Kommentare sind geschlossen.