Porsche Boxster S (981) Fahrbericht

Mit dem Porsche Boxster S zur Katharsis.

Sie wollte nicht mehr mit ihm reden. Immer dasselbe, immer wieder der Streit nur um am Ende nicht mehr zu wissen wer angefangen hatte. Sie sah zu ihm rüber. Er blickte konzentriert über das Lenkrad des Porsche Boxster S und war in Gedanken versunken. Früher hat es deutlich mehr Spaß gemacht an den Wochenenden gemeinsam auszugehen. Wie sollten sie jetzt noch romantisch essen gehen? Nach einem solchen Streit? Das schlimmste daran war ja, dass sie wusste, dass er genauso wenig Lust auf streiten hatte wie sie. Und trotzdem taten sie es.

„Sag mir einfach wo ich hinfahren soll.“
Sie dachte einen Moment darüber nach. Er hatte nicht mal zu ihr auf den Beifahrerplatz gesehen als er das gesagt hat. Sie wusste nicht wo sie hinfahren möchte. Nach Hause? Nur um den Abend ohen Worte zu verbringen? Irgendwo auswärts essen, nur um seinen Blick zu meiden? Nein, am liebsten würde sie dort bleiben wo sie gerade ist.

Also sagte sie „links.“
„Links?“ Er sah kurz zu ihr herüber. „Wie links?“
Sie wiederholte nochmal was sie zuvor bereits gesagt hatte und sah ihn dabei an: „Links. Jetzt.“

Er kannte sie gut genug um zu wissen dass sie sich schon etwas dabei denken würde. Außerdem: Warum eigentlich nicht?

An der nächsten Kreuzung bog er rechts ab und fuhr in eine Einbahnstraße. Sie überquerten einige Kreuzungen ohne dass sie nochmal etwas sagte. Langsam wurde er unsicher wohin das führen sollte und wurde langsamer. Er wollte gerade ansetzen etwas zu sagen. Vielleicht das Streitthema nochmal anzusprechen. Sie gab ihm keine Chance dazu: „Rechts.“ Er fuhr wieder schnell und bog an der nächsten Kreuzung rechts ab, die Straße gesäumt von Villen mit Doppelgaragen, die sich im Wald versteckten. „Links.“ Er bog wieder ohne Widerworte ab.
„Rechts. Schneller.“ Er bog wieder ab und gab beherzt Gas, was sie wiederum mit einem „schneller“ quittierte. Er beschleunigte noch ein wenig und fuhr die Straße gute 10 Kilometer geradeaus.

„Stop!“ schrie sie plötzlich. Er erschrak und dachte, dass etwas passiert sei. Bremste mit voller Kraft ab und stand mitten auf der Straße. Hinter ihm hupte jemand nervös.
Sie sah sich ruhig um, dachte nach. Er beobachtete sie. Sie formte dabei immer ihre Lippen ein wenig S-förmig und runzelte ansatzweise die Stirn. Erneut wurde hinter Ihnen gehupt. Ihm war es irgendwie egal. Zu gespannt war er darauf, was sie als nächstes machen würde. Außerdem war er froh darüber, dass er nicht streiten musste. Das Auto hinter ihnen scherte aus und überholte sie wild hupend. Er grüßte freundlich dem Fahrer.

Sie drückte währenddessen auf der Mittelkonsole die Sport Plus Taste. Sofort hörte man den Boxermotor des Boxster S freier bollern. Danach drückte sie sich ganz in den Sportsitz.
„Launch-Control. Dann rechts. Dann links.“

Er grinste, betätigte mit dem linken Fuß das Bremspedal und aktivierte mit einem Kickdown des Gaspedals die Launch-Control des Porsche. Der Motor knatterte laut und wartete bei idealer Drehzahl auf den erlösenden Moment, in dem er seinen Fuß vom Bremspedal nehmen würde.

4,8 Sekunden mit dem Porsche Boxster S.

Er sah zu ihr rüber. Sie soll entscheiden. Sie blickte nach vorne. Dann ein kurzes Stoßgebet: „Los!“

Hart an der Gripgrenze katapultierten sie die 315PS des Boxster S in 4,8 Sekunden auf 100 Stundenkilometer. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltete die Gänge Hammerschlägen gleich durch. Jedes Steinchen auf der Straße, jede Unebenheit macht sich durch die Suche nach Grip bemerkbar. Diese Beschleunigung im Mittelmotorsportler ist echt ein Happening. Die nächste Kreuzung kam auf sie zugeflogen. Wie war das? Rechts? Keine Zeit zum nachdenken! Ohne die Geschwindigkeit groß zu reduzieren bog er rechts ab und trat wieder das Gaspedal durch. Sofort ging es wieder links. Sofort wieder Gas. Sie öffnete währenddessen das Verdeck. Bis 50 Stundenkilometer kann man es öffnen und schließen, egal wie windig es gerade ist. Echt beeindruckend. Vor allem ist es schneller weg als man zusehen kann. Da lohnt es sich dann auch für nur ein paar Kilometer zwischendurch das Stoffverdeck einzuklappen. Mehr Anweisungen hatte sie nicht gegeben, also fuhr er geradeaus. So fuhren sie dann die nächste Stunde die kurvige Landstraße entlang, ohne ein Wort zu reden. Er immer angespannt wann ihr nächstes Kommando kommen würde, sie extrem entspannt, die Reise genießend. Sie wusste dass er bis auf weiteres nichts von ihr hören würde. Das Gefühl gefiel ihr. Zwischendurch trieb sie ihn doch mal mit einem „schneller“ oder „langsamer“ an, oder mit einem „Stop!“, wenn sie sich einfach etwas ansehen wollte. Nicht nur das Gefühl gefiel ihr aber, sondern auch die Situation einfach nur zu Zweit zusammen zu sein, Zeit miteinander zu verbringen und nicht das Gefühl zu haben etwas ansprechen zu müssen. Viel zu selten hatten sie in letzter Zeit die Möglichkeit dazu. Immer ist irgendetwas zu erledigen oder zu besprechen. Heute nicht. Es wurde bereits Abend und wenn es nach ihr ging, gehörte auch noch die ganze Nacht allein ihr, ihm und dem Boxster. Nichts würde sie aufhalten, so wie früher.

Der Porsche Boxster S ist als dritter Mann in einem Team wirklich die absolute Top-Besetzung. Mittelmotor, Heckantrieb, flach, breit, tief. Alles wichtige Positionen auf der Wunschliste eines jeden Autoliebhabers. Zwei Sitze und Oben offen folgen bei dem einen oder Anderen dann direkt dahinter. Der Klappenauspuff ist absolutes Must-Have und macht den 6-Zylinder Boxermotor zu einem brabbelnden, auf Popcorn-Niveau knatternden Freudenschenker und befördert den Piloten gemeinsam mit dem neutralen Handling und den gerade unten raus beeindruckenden Fahrleistungen regelmäßig in einen Racingtrack-Wachtraum. Der Boxster fühlt sich selbst in extremen Situationen so beherrschbar an, dass man schnell davon überzeugt ist mit dem Auto einfach mal alles ausprobieren zu können, ähnlich wie man es mit einem Tretauto oder ähnlichem machen würde. Hm, mal so durch die Kurve fahren und sehen was passiert? Why not? Der Grip scheint nie abzureißen und anstatt dass man schätzen müsste was das Fahrwerk gerade fabriziert meldet es pflichtbewusst alle Zehntelsekunde den derzeitigen Status an den Fahrer. Es wird ja oft und in vielen Zusammenhängen gesagt, aber dieses Auto scheint wirklich zu leben.

Die Gefühle, die einem während der Fahrt heimsuchen, kann man jedenfalls nicht ausnahmslos mit perfekt arbeitender Technik, mit Metall, Aluminium und Kunststoff erklären.

Die Summe der Teile ergibt etwas Größeres. Sie lässt einen die Idee hinter dem Fahrzeug erkennen. Und sie lässt einen verstehen, warum viele den Boxster inzwischen für das perfektere Auto aus dem Hause Porsche halten. Auch wenn ich nach wie vor einen 911er vorziehen würde. Zu bitter ist es in meinen Augen, wenn ein E350 Coupé auf der Autobahn mithalten kann.

Doch sind die drei auf der Landstraße unterwegs und sobald die Kurven wild genug sind, kann keiner so schnell mit dem agilen Boxster S mithalten. Ihm war schon aufgefallen, dass die Restreichweite nicht mehr besonders gut aussah. Er wusste auch nicht wo es in der Nähe eine Tankstelle gibt. Er wusste auch nicht ob ihr dieser Umstand bekannt war. Eigentlich wusste er auch gar nicht, wo zur Hölle sie gerade waren.

Es war inzwischen stockdunkel geworden, sie hatte zwischendurch scheinbar beliebig mal „rechts“ mal „links“ gesagt und war schon eine ganze Weile verstummt, ihr Ellenbogen auf dem Türrahmen und ihr Kopf an der Hand abgestützt. Der Wind fuhr ihr durch die Haare und ließ die Strähnen in alle Richtungen peitschen. Am Horizont erkannte er eine Tankstelle in einer Nebenstraße. Aber er wollte nicht einfach abbiegen ohne dass sie es sagt. Also fuhr er weiter und wusste nicht ob es die richtige Entscheidung war. Egal: Ganz oder gar nicht.

 

Fahrzeug: Porsche Boxster S (981)

Lackierung: Racinggelb
Felgen: Felgen Carrera Classic II 20 Zoll
Polster/Leder: Leder Schwarz

Motor: 3,4l6-Zylinder Boxermotor
Hubraum: 3.436 cm3
Leistung: 232 kW (315 PS)
Drehmoment: 360 Nm
Getriebe:PDK 7-Gang Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb: Hinterradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,8s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 277 km/h

Türen/Sitze: 2/2
Verbrauch kombiniert: 8,0 l/100 km
CO2-Emission: – g/km
Preis: 71.380,67 €

 

Sie waren inzwischen oben auf einem hohen Hügel, auf beiden Seiten im Scheinwerferkegel Treibhäuser in Reih und Glied. In der Ferne irgendwo da unten die Lichter der Stadt. Längst war das Licht für die Tankreserve angegangen, selbst die Restkilometer wurden nicht mehr angezeigt. Sein Herz pochte, er wusste nicht was als nächstes kommen würde.

Eines war sicher: Sie würden hier gleich im Nirgendwo stehen. Aber es war ihm einfach egal. Es war anders, es war neu.

Sie hatte die vielen Kilometer genutzt um nachzudenken. Über alles. Und war sich immernoch nicht sicher was sie eigentlich denken sollte. Sie kam einfach nicht zu einem Urteil. Nur in einer Sache war sie sich sicher: Dass sie ihn immernoch liebte. Ihre Mutter hatte ihr einmal gesagt, sie solle sich ein Leben ohne die Person vorstellen, die sie liebt. Wenn sie es als lebenswert empfand und es sich vorstellen konnte, dann war es nicht Liebe. Ein Leben ohne ihn war für sie unvorstellbar. Ein kleiner Ruckler ließ sie aus ihren Gedanken aufschrecken. Sie sah ihn an. Nochmal ein Ruckler. Er ging vom Gas und fuhr rechts ran, machte den Motor aus. Der Klang des Boxster wurde durch das gleichförmige Rauschen einer entfernten Schnellstraße ersetzt.
„Was ist passiert??“ Fragte Sie ihn mit weit aufgerissenen Augen.
„Na, der Tank ist leer.“ entgegnete er schulterzuckend.
Sie sah ihn an „und warum hast du nicht getankt?“
„Du hast mir nicht das Kommando gegeben…“
Einen Moment Stille, dann brach sie ihn schallendes Gelächter aus. Sie lachte und lachte, hielt sich irgendwann den Bauch und bekam kaum noch Luft. Nach einer Weile fing er auch an zu lachen, stimmte in ihr Lachen ein.

Nachdem sie sich beruhigt hatte stieg sie aus dem Boxster aus, ging hinter das Auto und lehnte sich ans Heck. Er öffnete die Fahrertür und ging ebenfalls hinter den Porsche Boxster S, lehnte sich neben ihr an das Auto und sah sie an. Dann küsste er sie.

Fanaticar ist den Porsche Boxster S ebenfalls gefahren. Er schreibt dazu:

[…] Tik Tak Tik Tak- Der Wecker hat noch gar nicht geklingelt doch mich beißen die Hummeln im Hintern. Aufstehen! Ich muss ihn fahren! In die Dusche gestolpert und Frühstück reingestopft! Ich muss ihn fahren!
Schlüssel in die Hand gedrückt bekommen und per Knopfdruck flott das Dach aufgemacht. […]

10 Antworten auf „Porsche Boxster S (981) Fahrbericht“

  1. Sehr schöner Bericht. Hast Du die Bilder selbst gemacht? Wenn ja, großes Lob, die sind absolut genial geworden. 🙂
    Der neue Boxster ist wirklich ein tolles Auto, gerade in Sachen Design finde ich auch kein Vergleich zum alten. Habe die beiden kürzlich nebeneinander gesehen, IMHO ein Riesenfortschritt.

    Gerade die Mischung aus Cabrio, vergleichsweise leichtem Auto mit gerade genug Motorleistung führt dazu, daß ich den Boxster S auch wenn Geld keine Rolle spielen würde dem 911er wohl vorziehe. Soll der Sternenkreuzer halt auf der Autobahn davonziehen, auf der Landstraße habe ich mit Sicherheit (viel) mehr Spaß.

    1. @Robert:

      Hi Robert, die Fotos sind natürlich – wie immer – ausschließlich von mir selbst. 🙂 Danke für das Lob…
      Ich sehe es genauso… die beiden vorherigen Boxster-Generationen sehen schon fast popelig neben dem neuen aus. Der 981 hat echt viel vom 918 Spyder Concept geerbt und es steht ihm ausgezeichnet.
      Ob ich den Boxster dem 911er vorziehen würde… da bin ich mir WIRKLICH nicht sicher. Verflucht schwierige Entscheidung.

  2. Hallo Can, wieder ein wirklich toller Bericht. Natürlich auch aufgrund der Fotos. Womit wir auch schon bei meiner Frage währen. Das vorletzte Foto der Felge und des Bremssattel sieht ja aus wie aus wie geleckt. Sauberer als meine Teller. 😉 Hast du das Bild nachgearbeitet oder die Felgen und den Sattel 2 Stunden geputzt? (Ernst gemeinte Frage)

    Und zum Thema 911 / Boxster: Mit der neuen Generation 981 würde ich mich erstmals wohl auch für den Boxster entscheiden. Der 911 ist zwar (verdient) DER Porsche, aber es wird Zeit für ein Umdenken. 😉

    1. @Heiko:

      Hi Heiko: Ernstgemeinte Antworte auf die ernstgemeinte Frage: Die Felge und der Bremssattel waren einfach so sauber! Natürlich habe ich das Auto vor dem Shooting ordentlich geputzt. Aber auch vom Hersteller kommt das Fahrzeug meistens wie geleckt. Vermutlich hat der Dreck also keine Chance sich so richtig festzusetzen wenn das Auto alle zwei Wochen generalgereinigt wird.
      Vielleicht hat Porsche aber auch irgendeine Beschichtung auf den Felgen? Who knows…
      Nachbearbeitet ist es in dem Fall nicht.

      vg
      bycan

  3. Hi Bycan! Nachdem ich mich entschlossen hab, auch einen haben zu wollen bin ich auf diesen wirklich emotionalen Bericht und Video gelandet. Der Sound bei Launchcontrol ist wirklich gelungen und die Umsetzung als Video noch mehr. Jetzt weiß ich, ich habe den richtigen für mich gefunden. Danke!

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