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Fahrbericht Suzuki Swift Sport 1.6: Tugenden aus der guten alten Zeit

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Teaser Front

Dieser Effekt ist immer wieder schön. Und es ist schön zu sehen, dass man immer wieder dieses Gefühl haben kann. Das Gefühl von etwas Vertrautem. Das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Bei Kleidung gibt es das auch. Mancher Pulli sieht einfach komisch an einem aus oder fühlt sich falsch an. Ohne dass man es unbedingt erklären könnte. Doch dann findet man ihn. Den einen Pulli, der scheinbar für einen selbst gemacht wurde. Obwohl es keine Maßfertigung ist und obwohl viele tausende andere Menschen den gleichen (hoffentlich nicht denselben) Pulli ebenfalls tragen werden. Der Suzuki Swift Sport ist einer dieser Pullis. Verzeihung – eines dieser Autos.

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen hinten links

Er ist ein urbaner Held.

Ein wieselflinker Express durch den Stadtverkehr. Direkt nach dem Einsteigen fängt einen sein Charme ein. Stoffsitze, die extremst konturiert sind (selbst ich fühle mich da gefangen, und ich bin nicht unbedingt der breiteste Mensch), Schaltknauf, Handbremse, Tacho, Drehzahlmesser… Alles dort wo es sein sollte. Keine Rätsel. Die gibt höchstens der Tacho mit der ungewöhnlichen Unterteilung auf. 30-60-90-120-150… km/h sind beschriftet. Das Auto lässt sich per Tastendruck am Türgriff entsperren, zum losfahren braucht man ebenfalls keinen Schlüssel. Start-taste drücken und der 136PS 1,6 Liter 4-Zylinder erwacht zum Leben. Und was für ein Leben das ist!

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen hinten links Fensterlinie, Heckleuchte, Rücklicht

Es ist ein zerrissenes Leben. Ein aufregendes zugleich. Da verbirgt sich der Langweiler im Drehzahlbereich zwischen 1000 und 4000 Umdrehungen. Er zeigt sich dem Spritsparer, dem Standardfahrer. Der Swift Sport gähnt dann gerne mal ganz laut. Er will lieber gekitzelt werden. Jenseits der 4000 Umdrehungen kommt nämlich der Macho raus. Und das im positivst möglichen Sinne des Wortes “Macho”. Wikipedia sagt zu diesem Wort nämlich “Im Sinne dieses Verständnisses von Männlichkeit ist es ein sich übertrieben männlich gebender Mann.”. Im eigentlichen Sinne, im spanischen Original hingegen unterstreicht Macho (mit positiver Konnotation) die Männlichkeit. Erst “machismo” ist der negative Begriff.

Der Swift Sport ist nun also kein Machismo, sondern ein Macho.

Eine männliche Drehorgel, sozusagen. Bevor es mit der Bildersprache noch komplizierter wird, spreche ich Klartext:

Ab 4000 Umdrehungen zündet man den Nachbrenner. Die maximale Leistung liegt erst bei 6900 U/min an. Begibt man sich in diese hohen Drehzahlgefilde, so findet man sich in einer kleinen Rennsemmel wieder. Denn auch beim Schalten in den nächsten Gang (6 davon wollen sortiert werden) bleibt die Drehzahl hoch. Die Geräuschkulisse besteht aus einem hohen Surren und Fiepen, scheint in der Tonlage nach oben grenzenlos und animiert einen geradezu dazu, immer wieder kurz das Gaspedal zu streicheln und vor den Kurven zurückzuschalten.

DAS SAGEN ANDERE BLOGS ZUM SUZUKI SWIFT SPORT
Passion:Driving > Kleiner Mann, großes Kino
Rad-ab.com > 195 km/h im Suzuki Swift? Pottsblitz!
Car Life > Driving Impression (englisch)
Simply Motor > Review (englisch)

 

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Seitenansicht, Spiegelung auf Scheibe

Lässt es der Verkehr nicht mehr zu, so begibt man sich mit einem Drehzahlsturz durch Hochschalten wieder in den Langweilerbereich und fährt einen normalen Kleinwagen. Dieses kleine Triebwerk hat subjektiv wirklich ordentlich Dampf und fühlt sich nach mehr an, als es tatsächlich ist. Wie sie das hinbekommen haben? I like. (Mir reicht es auch, wenn sich ein Auto schnell anfühlt wenn es gar nicht unbedingt schnell ist. Welche Rolle spielt das schon?)

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Frontschürze Lippe Nahaufnahme

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Heck, Heckschürze mit Doppelauspuff, Endrohr

Driving Machine

Doch dabei bleibt es nicht. Der Suzuki Swift hat zudem auch noch ein wirklich wunderbar austariertes Fahrwerk. Das Zusammenspiel mit der direkten Lenkung und dem sehr mechanischen Bremspedal treibt einem die Freudentränen in die Augen. Es ist wie früher! Keine Elektronik, die Fahrwerksschwächen vertuscht, kein Getrickse. Im Swift Sport ist alles echt. Hohe Fahrwerkskunst. Während man fährt kann man förmlich die Fahrwerkskomponenten, die Federn und Dämpfer, die Stabilisatoren und die Aufhängung vor sich sehen. Wie sie arbeiten, sich winden und bewegen und das Auto an die Straße koppeln. Die Lenkung liefert den Input von der Straße auf direktestem Wege an den Fahrer, an ihm liegt es das Beste daraus zu machen. Und die Bremsen? Sie packen ordentlich zu. Am Pedal wird dem Fahrer das Gefühl vermittelt, per Pedaldruck direkt die Kolben auf die Scheiben zu pressen. Anfangs fühlt es sich an, als würde die Bremse erst spät reagieren. Erst mit viel Pedaldruck. Doch wenn man merkt, dass sich die Bremskraft dadurch präzise dosieren lässt und man einfach etwas mehr Kraftaufwand aufbringen und etwas mehr Nachdruck walten lassen muss, kommt die Erinnerung an die Autos aus den 90ern. Analoge Zeiten. Wer also nostalgisch angehaucht ist, der wird den Swift Sport bei lebendigem Leibe fressen. Da es nicht mein eigener ist und ich ihn zurückgeben musste, hab ich ihn lieber mal nicht gefressen. Die 10 Punkte hatte er sich aber an dieser Stelle schon verdient.

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Front Xenon-Scheinwerfer und Alufelge

Das Design kann durchaus als eigenständig bezeichnet werden. Von hinten ähnelt er ein wenig dem Toyota Yaris, ja. Aber seine recht eckige Gesamtform und die ungewöhnliche Fensterlinie mit dem Türspalt, der diese Linie durchbricht geben ihm ein eigenes Gesicht. An ein Kultdesign ala MINI (Cooper) oder Fiat 500 (Abarth) kommt er damit nicht ran. Die Form mit dem hohen Dach führt übrigens dazu, dass man ungewöhnlich viel Kopffreiheit hat.

Doch auch andere Punkte sollen nicht unerwähnt bleiben.

Bewegt habe ich den Swift Sport über mehr als 1200km mit im Schnitt 6,8 Litern Super. Bei sportlicher Fahrweise. Ein respektabler Wert. Unser Sohn kann von seinem Kindersitz auf der Rückbank aus wunderbar nach draußen sehen (hey, es gibt viele Autos bei denen er nix sehen kann), obwohl auf den ersten Blick die hinten nach oben gekrümmte Fensterlinie anderes suggerieren würde.

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Rechts Fensterlinie von Vorne

Wenn man dem Swift hingegen etwas ankreiden will, dann sind es zwei Dinge, die mich persönlich gestört haben. So stellen sich die Vordersitze nach dem Vorkippen, um einem Fondpassagier Platz zu gewähren, nicht wieder auf die Einstellung zurück, die man hatte. Nein, sowohl die Lehnenneigung als auch die Längseinstellung (Entfernung vom Armaturenbrett) will wieder neu eingestellt werden. Des weiteren ist es mir einfach nicht gelungen zu rekonstruieren, unter welcher Bedingung man welche Tür (oder Heckklappe) per Tastendruck öffnen kann. Beim ersten Nähern an das Fahrzeug geht immer die Tür auf, die ich öffnen will. Doch ziemlich oft musste ich das Auto hinten am Kofferraum per Tastendruck versperren und wieder entsperren, um die Heckklappe aufzubekommen. Oder per Tastendruck auf die Zentralverriegelung an der Fahrertür – bei den Fensterhebern – entsperren. Ich hab’s einfach nicht verstanden. Außerdem hat der Swift Sport bei 130-140km/h einen “Softspot”, an dem er innen ziemlich laut ist. Auf langen Autobahnfahrten nicht unbedingt von Vorteil.

Dann kam das Todschlagargument. Knapp 18.500 € Neupreis. Für ein so tolles Auto, ein so komplettes Gesamtpaket? Familientauglich, ohne dass der Fahrer auf Spaß verzichten muss. Genausoviel Platz wie jeder andere Kleinwagen. Zuverlässige Technik. Autobahntauglich. Landstraßenliebhaber und Stadtflitzer ohne Parkprobleme in der City? Ich sage es euch ehrlich: Bei mir ist der Suzuki Swift Sport ziemlich weit oben auf der Liste der Fahrzeuge gelandet, die für uns als Privatanschaffung in Frage kommen.

Eine zusammenfassende Bewertung findet sich wie immer nach den Bildern.

Motor: 1.586cm³ 4-Zylinder Benzinmotor
Antrieb: Vorderradantrieb
Leistung/Drehmoment: 136PS (100kW) / 160Nm
0-100 km/h: 8,6s
Höchstgeschwindigkeit: 195 km/h
Getriebe: 6-Gang Schaltgetriebe
Türen/Sitze: 3/4
Verbrauch kombiniert: 6,4l/100km
Preis Testfahrzeug: 18.490,- €

Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Innenraum Cockpit, Dashboard, Armaturenbrett, Armaturen Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Innenraum Sportsitze, Seitenwangen, Stoffbezug Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Innenraum Fond, Rücksitz, Hintere Sitzplätze, Kindersitz, Isofix Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Heck mit Schürze und Doppelendrohren Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Außen Heck von oben, Weitwinkel Suzuki Swift Sport 1.6 2013 Anthrazit: Testurteil, Fahrbericht Resultat, Review Zusammenfassung
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8 Responses to “Fahrbericht Suzuki Swift Sport 1.6: Tugenden aus der guten alten Zeit”

  1. Sebastian

    Hach! :D Ich sag ja.. “what a car!”. Wenn ich deine Zeilen lese, geht bei mir sofort wieder der Puls nach oben, weil ich mich daran erinnert fühle, wie unglaublich spaßig es ist, diesen kleinen Floh um die Ecken zu schmeißen, den tollen Sauger dabei röhren zu lassen und die kurz abgestuften Gänge durchzuballern.

    SO ein tolles Auto – und lustigerweise hat man zu keiner Zeit das Gefühl “ach, so 5-10 PS mehr, wären schon toll”.

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  2. bycan

    @Sebastian: Genau das ist es – man hat wirklich zu keiner Zeit das Gefühl das Auto könnte mehr PS brauchen. Es ist gut wie es ist. Und das eben obwohl die Fahrleistungen – sagen wir mal – noch im Rahmen sind, aber lange nicht auf Sportwagenniveau. Geschwindigkeit und Beschleunigung ist eben doch nicht alles. Vieles ist nur Gefühlssache.

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  3. Cactus

    Sehr schön geschrieben. Die Bilder gefallen mir auch alle. ich bin den Swift auch schon gefahren und er hat mir auch sehr gut gefallen auch wen ich das Vorgänger Modell gefahren bin mit 5 Gängen nur bin ich froh das er jetzt 6 hat.
    Was mich freuen würde, wen du vielleicht öfters in den Motorraum gucken würdest und unter deine Rubrik Alltag mal nur ansatzweise testest ob man Leuchtmittel tauschen kann, Öl auffüllen und Luftfilter wechseln bzw. Reinigen gut kann. Ich glaube das wäre auch sehr interessant, weil sowas vergessen alle Leute mal zu schreiben und ich finde das ist mehr Alltag. Jeden Winter sieht man es ja die Einäuigen Autos durch die Nacht fahren. Ansonsten Bilder sind top und Texte machen süchtig.

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    • bycan

      Hallo Cactus,

      vielen Dank für deinen Kommentar! Es gibt einen Grund weshalb ich das kaum mache: Bei neuen Fahrzeugen ist der Motorraum nicht mehr aussagefähig weil mit irgendwelchen blöden Plastikblenden gearbeitet wird die alles tatsächlich technische verstecken – diese komplett zu demontieren kann unter Umständen in Arbeit ausarten :)
      Und was die Verschleissteile angeht gibt es (leider) kaum noch Leute die das mal eben selbst machen. Fast alle Pressetestfahrzeuge haben inzwischen Xenon, wodurch das Kapitel Leuchtmittel rausfällt und was Filter und dergleichen angeht werden diese bei den Serviceintervallen gewartet.
      Aber ich gebe dir trotzdem recht. Nämlich wenn ich mal ein Auto teste, das entweder schon was älter ist oder hauptsächlich von Leuten gekauft wird, die gerne selbst was am Auto machen. Der Swift Sport hätte durchaus ein Kandidat sein können. Oder etwa der Toyota GT86, den ich in einigen Wochen testen werde. Dann bekommst du deine Motorraumbilder und ich lasse dich auch wissen, wie Eigenregie-freundlich es mit dem Kleinteilewechsel gelöst ist.

      Gegen die einäugigen Autos ist aber leider kein Kraut gewachsen – sie stören mich genauso wie dich. Wer sein Auto als reines Mittel zum Zweck sieht weiss auch nicht dass es ein klein wenig Pflege braucht. Und wenn das nur heisst vor dem nächsten verlassen der Parklücke vor dem Schaufenster durch Blick in eben dieses mal die Leuchten zu kontrollieren.

      Vielen Dank für dein Lob und frohe Ostern!
      bycan

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  4. NewCarz

    Fahrbericht: Suzuki Swift Sport – Agile Rennsemmel…

    Suzuki bringt mit dem Suzuki Swift Sport eine aufgemotzte Variante seines kleinen Stadt-Flitzers auf die Straßen. Diese bringt neben einem besseren Motor auch ein etwas modifiziertes Exterieur – eben alles ein wenig sportlicher. In dieser Kleinwa…

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  5. Heiko

    Hallo Can,

    bin gerade beim stöbern auf diesen Test gestoßen. Wie ich den Bildern entnehme nutzt ihr einen Cybex Sitz für euer Kind. Passt vll nicht unbedingt hier hin, aber da ich ebenfalls gerade überlege “mir” diesem Sitz (Pallas 2 FIX?) zuzulegen, wollte ich die Chance ergreifen und hier Fragen ob du damit zufrieden bist.
    (Wenn du hier noch darauf eingehen willst, gerne auch per Mail)

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    • bycan

      @Heiko:

      Hallo Heiko,
      das hast du richtig erkannt! Wir haben einen Pallas 2FIX. Wir sind eigentlich sehr zufrieden damit und waren besonders überrascht dass unser Sohn kein Problem mit dem Prallbock vor seiner Brust hat. Andererseits: Wenn man es nicht anders gewohnt ist…
      Der Sitz lässt sich super verstellen und an das Kind anpassen, Bedienung ist easy. Zwei Hinweise vielleicht: Wegen der Gurtverlegung vorne um den Prallbock herum muss der Gurt im Auto lang sein. Hatte schon einige Tester bei denen der Gurt nicht rumgereicht hat bzw. es wird dann bei jedem Einsteigen extrem fummelig um den Gurt gerade so eingerastet zu bekommen. Außerdem sind diese Seitenaufprallpolster zwar super, sind jedoch im Grunde nur aus Styropor und an die Plastikplatte angeklebt, die sie mit dem Sitz verbindet. Da muss man nur mal etwas stärker gegenkommen (was beim Ein- und Ausbau schnell passiert) und die Klebung löst sich. Da muss man dann Pattex griffbereit haben.
      Die Liegeposition mit einem Griff unter der Sitzfläche ist super wenn das Kind einschläft und nicht nach vorne kippen soll. Es sitzt hoch und kann bei den meisten Autos gut raussehen und der Sitz kann ja ewig verwendet werden, daher ist der Preis mehr als gerechtfertigt.

      Das aktuell einzig sicherere System als das mit dem Prallbock auf dem Schoss ist ein Sitz mit umgedrehter Sitzrichtung (wie bei den Maxi-Cosis). Gibt’s auch schon von Cybex, allerdings finde ich es für das Kind nicht so toll auf die Rückenlehne zu starren.

      Zu guter Letzt: Der Sitz ist wirklich schwer und sperrig. Häufige Fahrzeugwechsel sind damit Pain in the…. :D Die Rückenlehne klappt auch ein paar Zentimeter nach hinten beim Tragen, wenn man ihn nicht richtig anpackt. Inzwischen haben wir deswegen für meine Testfahrzeuge einen zweiten Sitz aus einfachem Styropor den man mit zwei Fingern tragen kann.

      Zusammengefasst: Klare Kaufempfehlung! Aber unbedingt mit dem Gurt ausprobieren, ob’s bequem passt!

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  6. Heiko

    Wow, vielen Dank für das ausführliche Feedback. Die Problematik mit den Seitenaufprallpolster ist wirklich ein wertvoller Hinweis. Ansonsten klingt die Meinung über den Kindersitz ja wirklich ganz gut und bestätigt mich in meiner Vorauswahl. Nochmals vielen Dank.

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