Volvo S60 D5 AWD Fahrbericht

Was macht man mit einem Volvo S60 D5 in dem fünf Personen plus Gepäck Platz haben und der mit aktiven und passiven Sicherheitssystemen vollgestopft ist dass es förmlich aus allen Fugen quillt?

Klare Sache: Man fährt mit dem Volvo S60 D5 einmal quer durch Deutschland.

Zumindest ist mir nichts Besseres eingefallen um eine solche Reiselimousine auf ihre Qualität hin zu checken. Vor allem auch um die Sicherheitssysteme auszutesten und zu beurteilen wie entspannt man sein Ziel erreicht. Die Reiseroute war relativ schnell gesteckt. Von Köln soll es über Frankfurt, Stuttgart und Ulm nach München gehen. Nicht zuletzt auch aufgrund des kräftigen Dieselmotors ist der S60 D5 bestens für die Aufgabe gerüstet. Insgesamt bin ich mit dem S60 D5 im Test eine Strecke von 1877,7 Kilometern gefahren und habe beim Verbrauch einen Schnitt von 8,1 Litern auf 100 Kilometer erzielt. Der S60 sortiert sich in der Mittelklasse ein und befindet sich damit auf Augenhöhe mit 3er BMW, Mercedes C-Klasse und Konsorten.

Erstkontakt, Highly Customizable und die phänomenale Audioanlage des Volvo S60 D5

Direkt nach dem Einsteigen wundere ich mich über die hohe Sitzposition. Selbst auf niedrigster Stufe der teilelektronischen Sitze komme ich mir noch wie auf dem Präsentiertablett vor. Ich hab irgendwann mal gehört dass sich Volvo eingehend mit der idealen Sitzposition des Fahrers beschäftigt hat und schreibe es den dort gewonnenen Erkenntnissen zu. Am Ende der Testphase – nach zwei Wochen – kann ich auch bestätigen dass man sich rasch an die Sitzposition gewöhnt und einen hervorrangenden Blick auf das Verkehrsgeschehen hat. Der Volvo S60 hat mich übrigens besonders deswegen als Tester gereizt, weil ich ihm optisch einiges mehr abgewinnen kann als beispielsweise dem aktuellen 3er BMW. Etwas mehr Eigenständigkeit als der Bayer, gerade die Front und die kurzen Überhänge finde ich sehr gelungen.

Auch im Innenraum geht Volvo seinen eigenen Weg. Nicht nur mit der „schwebenden“ Mittelkonsole sondern auch mit der konsequenten Anordnung der Tasten und dem volldigitalen Tachodisplay. Während ich die Haptik gerade der Klimaregler nicht wirklich überzeugend fand hat mich die schiere Menge an Einstellungsmöglichkeiten rund um das Fahrzeug und die Displays weggefegt. Kaum ein Detail, dass sich nicht über eine Option irgendwo verstellen lässt. Sei es die graphische Darstellung der Armaturen, die Intensität der Sicherheitssysteme, der Kraftaufwand für die Lenkraddrehung oder die Klangeinstellungen, die sich direkt an zwei unterschiedlichen Stellen variieren lassen (Sound-Taste für die klassischen Verstellmöglichkeiten und Optionsdisplay bei der Audiowiedergabe für Equalizer und ähnliches). Das nenne ich mal customizable. Dass sich da jemand Gedanken gemacht hat merkt man auch an der problemlosen Integration von Internetdiensten wie Spotify oder TuneIn.

Und wenn wir schon beim Thema Musik sind: Wow! Die Anlage (Audiopaket „Premium Sound Multimedia“) kann was. Kann ordentlich was! Sie hat Kick und Dampf und haut einem die sehr fein wiedergegebenen Bässe regelrecht um die Ohren. Eine wunderbar aufspielende Soundanlage ist das, die ich so selten bei Autos vorfinde (Zum Glück gibt es immer wieder mal diese gewisse Ausnahmen). Die Mitten lassen sich schön zielgerichtet runterdrehen und die Höhen orientiert an dem Musikhörer geläufigen realen Schlagzeug-Beckenschlägen anheben ohne dass es ein Zischen und helles Rauschen wird. Pegelstark ist sie übrigens auch noch. Lauter als 2/3 der Gesamtlautstärke habe ich mich aber beim besten Willen nicht getraut. Da ist auch der Punkt erreicht bei dem immer irgendetwas im Auto wummert oder knattert. Teilweise bei richtig bösen Kickbass-Passagen kommen die Basstöner dann auch mal an ihr physikalisches Limit in Form des Chassis. Das wollen wir nicht. Also lieber ein klein wenig leiser drehen. Ich bescheinige hiermit dem Volvo S60 D5 Alleinunterhalterqualitäten auf höchstem Niveau. Da kann man sich abends zum Musik hören auch mal ins Auto begeben.
Auf unserer Fahrt nach München ist Musik natürlich unverzichtbar. Warum? Darum: Die Assistenzsysteme sind schuld!

Passiv, Aktiv, Sicherheit und Selbstfahrend

Der starke Diesel hat dieseltypisch ordentlich Drehmoment (440 Newtonmeter) und klingt dabei sogar im mittleren Drehzahlbereich saftig kernig, den fünf Zylindern sei dank! Einer der Diesel also, bei denen man nicht weghören muss. Jedenfalls ist dieses gerade erwähnte Drehmoment meines Erachtens wirklich unerlässlich um den vollen Spaß an den Assistenzsystemen zu entfalten. Rauf auf die Autobahn, alles aktiviert was geht: Spurhalteassistent, Toter Winkel Assistent, Gefahrerkennung, Abstandsradar, Verkehrsschilderkennung, Aktives Kurvenlicht, Tempomat, [man denke sich hier noch das Dreifache an Sicherheitsbegriffen]… fangen wir lieber nicht mit den Buchstabenkombinationen an. Lieber aus der Sicht des Fahrers: Man begibt sich auf eine Spur eigener Wahl und lässt danach den Volvo S60 machen. Lenkrad ein wenig festhalten, aktiven Tempomat einschalten und auf die gewünschte Höchstgeschwindigkeit einstellen. Dann im sicherem Abstand zum Vordermann dahingleiten. Das Drehmoment wird wichtig wenn man mal kurz den Vordermann überholen will. Dann blinkt man links, wechselt die Spur, der Abstandsradar erkennt dass es plötzlich vor einem frei ist und gibt Stoff. Paar Sekunden später ist man vorbei und kann wieder weitermachen. Ziemlich idiotensicher.

Sollte der plötzliche Stau vor einem anrauschen erkennt der Volvo das, warnt per Geräusch und Leuchtsignal und spannt die Bremsen vor. Leichtes Betätigen der Bremse reicht dann für die möglicherweise nötige starke Bremsung. Im Stop&Go-Stau funktioniert auch Alles von allein. Besser als bei Infiniti (bei jedem Fullstop schaltet sich das System ab), jedoch eine Ecke schlechter als bei Mercedes, wo das wieder anfahren nach dem Fullstop, welches einen kurzen Gaspedalbefehl erfordert, geschmeidiger läuft. Und wie war das mit dem Leuchtsignal? Bei Volvo werden per LEDs im Armaturenbrett, die sich in der Windschutzscheibe im Sichtfeld des Fahrers spiegeln, eine Gefahr angedeutet. Wechselt von orange bis hin zu tiefrot. Blinkend Rot bei Danger, und leicht Orange einfadend wenn man den Sicherheitsabstand zum Vordermann unterschreitet. Auf der Autobahn muss man folglich nur den durch das Auto vorgefilterten Input lesen und für seine Fahrweise deuten. Heraus kommt eine sehr gleichmäßige Fahrweise, die zur Entspannung beiträgt und die vielen Hundert Kilometer im Fluge vergehen lässt.

Auch mal runter von der Autobahn?

Wir hatten sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt viel Verkehr. Man weiss solche Systeme dann wirklich zu schätzen. Auf der Landstraße hingegen kann das ständige Bimmeln wenn man mal eine Kurve leicht schneidet schnell nervig werden. Dafür nervt hier nichts Anderes am Volvo S60 D5. Er gibt sich schlicht keine Blösse. Das Fahrwerk ist sportlich straff ohne dabei Impulse trocken und ungefiltert an die Insassen weiterzugeben – jedoch eindeutig nicht als Sänfte auf vier Rädern ausgelegt. Freut mich, denn so kann man auch schön Kurven fahren. Die Automatik schaltet brauchbar und kann jederzeit manuell überschrieben werden, einzig die Lenkung bietet für meinen Geschmack zu wenig Feedback. Daran ändert auch die Eingangs erwähnte wählbare Lenkkraft-Stufe leider nichts.

Was ich nach knapp 1800km mit dem Volvo S60 D5 sagen kann?

Es kam nicht anders als erwartet: Der Volvo S60 D5 kommt im Test mit Allem klar, was man ihm vor die Räder wirft. Er ist mit den Assistenzsystemen (natürlich) auf der Höhe der Zeit und bietet in der Summe ein Gesamtpaket, dass in keiner Disziplin Schwächen zeigt. Ich habe lange nach diesen Schwächen gesucht und keine gefunden. Man merkt dem S60 D5 AWD an, dass er genau dafür auf die Räder gestellt wurde: Um alles das zu bieten, was man von der Mittelklasse erwartet. Ein wenig Sportlichkeit, ein wenig Komfort, einen über alle Zweifel erhabenen Antrieb mit dem kräftigen Diesel und dem Allradantrieb und eine gemütliche, wertige Innenausstattung. Leider bleibt dabei der individuelle Charakter des Fahrzeugs ein wenig auf der Strecke. Er will von allem das Beste sein und verzichtet deswegen auf dieses sympathische Quäntchen Persönlichkeit, das einen ein solches Auto lieben oder hassen lässt. Es bedeutet aber auch, dass man stressfreie Langstrecken genießen kann und sich auch in der Stadt und auf der Landstraße sicher und gut aufgehoben fühlt. Die Fondpassagiere habe übrigens richtig viel Platz, deutlich mehr als man rein optisch aufgrund der gedrungenen Silhouette des S60 erwarten würde. Ob einem das in seiner (vollgestopften) Gesamtheit knapp 63.000€ wert ist, muss jeder für sich entscheiden. Dabei sei erwähnt, dass der Preis in der Ausstattungslinie Summum bei 46.480,- Euro liegt, der Rest sind Sonderausstattungen.

Den kleineren Dieselbruder S60 D2 hatte übrigens Autophorie im Fahrbericht und schreibt dazu:

Es tackert leise. Der Diesel werkelt. Ob er mich wohl voran bringt? Volle Hütte im Volvo S60 und unter der Haube nur ein kleiner Selbstzünder. Ob das funktioniert? Ich hab es eilig, keine Zeit zum Nachdenken. […]

Fahrzeug: Volvo S60 D5 AWD Summum

Lackierung: Perl Weiß
Felgen: 18-Zoll Titania Leichtmetallfelgen
Polster/Leder: Designo Exklusiv Nappa AMG sattelbraun/schwarz

Motor: 2,4l 5-Zylinder Turbodiesel
Hubraum: 2.400 cm3
Leistung: 158 kW (215 PS)
Drehmoment: 440 Nm
Getriebe: 6-Gang Geartronic-Automatikgetriebe
Antrieb: Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,6s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 225 km/h

Türen/Sitze: 4/5
Verbrauch kombiniert: 6,3 l/100 km
CO2-Emission: – g/km
Preis: 62.880,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

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