Ford Mondeo Titanium Hybrid Fahrbericht

Amsterdam und die Elektromobilität.

Für mich gibt es nur eine Stadt in unserer unmittelbaren Nähe, die ein Level von Elektromobilität zeigt, das in Deutschland bisher unerreicht ist. Unsere Niederländischen Nachbarn zeigen uns in ihrer Hauptstadt, was es bedeutet, Elektromobilität zu leben. Überall ladende Säulen, Elektroautos mit aus dem Maul hängenden dicken Kabeln, Teslas als Taxen und Touristen-Schiffe mit Elektromotoren. Wo kann man mit einem Ford Mondeo Hybrid also besser hinfahren, als nach Amsterdam?

Klar ist das nur eine fadenscheinige Begründung. Denn beim Mondeo Hybrid handelt es sich eher um den klassischen Hybriden als um einen Plug-In-Hybriden. Die Ladesäulen sind für ihn also gar nicht nötig. Aber Amsterdam ist halt auch eine schöne Stadt. So schön, dass auch eine solche Begründung für einen Besuch ausreicht. Und wenn wir bei der Wahl des Parkplatzes nicht auf das Vorhandensein einer Stromtanksäule achten müssen, soll es mir auch recht sein.

Innerstädtisch und elektrisch mit dem Ford Mondeo Hybrid.

Ford sagt, dass der Mondeo die Vorteile seines Elektromotors besonders in der Stadt ausspielen kann. Was verständlich ist. Durch die geringen Geschwindigkeiten, die vielen Ampelpausen und das treiben im Verkehrsstrom kommt der Mondeo tatsächlich größtenteils reich elektrisch durch die Stadt. Die sehr effektive Bremskraftrückgewinnung (Rekuperation) sorgt zusätzlich dafür, dass der Akku mit seinen 1,4 kWh auch für längere Strecken fit ist. Doch muss man das Gaspedal wie bei allen Hybriden üblich schon sehr zart streicheln, damit nicht der 2 Liter 4-Zylinder zusätzlich anspringt. Das geschieht wunderbar sanft und dank des stufenlosen CVT-Getriebes ohne Abriss des Vortriebs.

Fish-out-of-water?

Doch sobald es auf die Autobahn geht – und auf die kann man von Köln nach Amsterdam kaum verzichten – zeigt der Mondeo Hybrid sein anderes Gesicht. Das CVT bringt den 2 Liter Benziner dauern zum lauten Kreischen, sobald man Beschleunigt. Die 9,2 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h fühlen sich dadurch noch länger an als sie eigentlich sind. Der Elektromotor übernimmt nur ab und an mal bei neutraler Gaspedalstellung das Szepter. Und der Verbrauch prescht natürlich nach oben. Es ist ein wenig das Fish-out-of-water Gefühl. Zwischen Köln und Amsterdam hoppelt er im Trockenen. Angekommen in Amsterdam fühlt er sich natürlich wieder wohl im „kalten Nass“.

In und um Amsterdam herum.

Nicht nur das: Hier passt er wirklich hin. Umgarnt den Fahrer mit seinem gelungenen Infotainment-System (dessen einzige Downside ist, dass es nach kräftigem Fingerdruck verlangt) aus zwei Displays im Tachocluster und einem zentralen, riesigen Hauptdisplay und seinem gehobenen Ambiente. Auch mit seiner gefühlten Übergröße, wenn man so von Innen rausschaut. Das Parkhaus zwischen Heineken Museum und Sarphatipark bietet in der Breite seiner Einfahrt nicht genug Platz für den Mondeo. Ein altes Scherengitter fährt nach dem Ziehen des Parktickets scheppernd auseinander und die Aussenspiegel des Mondeo drücken sich beim Durchfahren links und rechts gegen die Gummilippen des Tores.

Bei unserem Spaziergang danach durch den Grachtengürtel vorbei am Bloemenmarkt bis hin zum Nieuwmarkt geht mir der Mondeo nicht aus dem Kopf. Erstmals hat Ford in meinen Augen eine Designlinie gefunden, die richtig anspricht. Den Designgourmet unter uns. Eine gewisse Ähnlichkeit zu Aston Martin lässt sich um den Schlund herum bestimmt nicht leugnen. Doch steht dem Mondeo das schlichte Design äußerst gut. Besser als dem Fiesta oder Focus, bei denen die Schnauze noch etwas gedrungen aussieht. Hier beim Mondeo geht die Rechnung vollends auf. Dazu die elegant gezeichneten LED-Lichter an Front und Heck und kleine Feinheiten wie der spitze Knick in Längsrichtung im Kühlergrill zu beiden Seiten. Mit größeren Leichtmetallfelgen als beim Testfahrzeug überzeugt auch die Seitenlinie vollends und rückt die Dimensionen des Fahrzeugs in allen drei Achsen in ein perfektes Mittel.

Lautlos zu Wasser und zu Lande.

Auf unseren Spaziergang folgt vor der Rückkehr zum Mondeo Hybrid eine neunzigminütige Schiffsfahrt auf einem – wie könnte es anders sein – Elektrokahn. Im Unterhaltungswert aufgebessert wird die lautlose Reise auf dem Wasser, die mit einem Informationsgehalt deutlich unterhalb des Gefrierpunkts glänzt, von diversen Kollisionen mit anderen Booten, deren Kapitäne die Beschilderungen nicht beachten. Könnte es auch daran liegen, dass sie uns im Kanal nicht entgegenkommen hören?

Zum Glück haben sich die Amsterdamer Radfahrer und Fussgänger im Gegensatz zu den Bootsführern längst damit arrangiert, dass sie von lautlosen Autos umflossen werden. Wobei man in Amsterdam als Autofahrer sowieso immer den Kürzeren zieht. Der Mondeo Hybrid zählt zu eben diesen lautlosen Autos, lässt sich nämlich bewusst elektrisch fahren, wird zum Gleiter durch die Amsterdamer Innenstadt und verpasst seinen Insassen das Gütesiegel: Wir machen mit, bei der elektrischen Revolution. Gern kann man da auch mit einer Tankfüllung hin und zurück fahren. Auch ein wenig Bummeln in beiden Städten und immer noch die Tankstelle meiden. Trotz verringertem Tankvolumen von 53 statt 62,5 Liter. Ein gutes Gefühl.

Einen Artikel zum Ford Mondeo Turnier findet ihr bei Autophorie.

 

Fahrzeug: Ford Mondeo Titanium Hybrid

Lackierung: Magnetic-Grau Metallic
Felgen: 6,5 J x 16″ mit 215/60 R 16
Polster/Leder: –

Motor: R4-Ottomotor + Elektromotor (inkl. Lithium-Ionen Akkumulator mit 1,4kWh)
Hubraum: 1999cm3
Leistung: 140 kW (188 PS)
Drehmoment: 300 Nm
Getriebe: CVT-Getriebe
Antrieb: Vorderradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,2 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 187 km/h

Türen/Sitze: 4/5
Verbrauch kombiniert: 4,2 l/100 km
CO2-Emission: 99 g/km

Driver’s Groove Bewertung: 07/10

Preis Testfahrzeug: 40.155,- €
Testverbrauch: 6,5 l/100km bei 981,9 gefahrenen Kilometern.

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove