Führerschein mit 26 – Die erste Fahrstunde (3)

VON LEONIE SCHREIBER

Leonie Schreiber bloggt auf sherlywatson.com über die Dinge, die sie bewegen. Mit 26 Jahren macht sie jetzt später als üblich ihren Autoführerschein und wird bei mir darüber schreiben.

Aller Anfang ist…

Ich steige aus dem Fahrschulauto und betrachte den Audi A3. Der Fahrschullehrer, das Auto und ich atmen auf. Dass die ersten Fahrversuche so anstrengend werden, habe ich in großspuriger Naivität nicht erwartet. Ich fühle mich wie ein Kleinkind, dass gerade die ersten Schritte wagt und nicht weiß wo oben und unten ist. Jedoch haben Kleinkinder einen gravierenden Vorteil: sie wecken in ihren Mitmenschen den Beschützerinstinkt.

Irgendwann ist die Zeit gekommen und die Kleinen werden aus ihrer Müßigkeit gerissen. Das komfortable Tragen und Kinderwagenfahren werden zu Privilegien der Vergangenheit. Mamas und Papas Hände unterstützen die ersten Gehversuche auf den eigenen Beinen und jubilieren ihren Schützlingen zu, „Gehen lernt man durch Stolpern.“  Und zugegeben, es ist ja auch äußerst niedlich, wenn die kleinen auf ihre vollen Windel plumpsen und verwundert in die Welt schauen.

Erster Kontakt und Nervosität.

Früher war doch alles besser. Als Kind habe ich mit einer Leichtigkeit meine Spielzeugautos um Holzklötze manövriert. Nun wo ich sicher auf zwei Beinen laufen kann, lerne ich Autofahren. Ich wurde aus meiner gemütlichen Beifahrerposition auf den Fahrersitz befördert und habe meine erste Fahrstunde irgendwie überstanden. Mein Fahrlehrer unterstützt mich selbstverständlich, aber ob Abwürgen mich lehrt, wie man Auto fährt, weiß ich nicht. Und obendrein finden die anderen Verkehrsteilnehmer mich gar nicht niedlich, wenn ich Dank falschen Kuppelns an grüner Ampel stehen bleibe.

Dieses Verhalten ist für einen Fahrschüler eher kontraproduktiv, da es der Nervosität Nahrung gibt und der nächste Anfahrversuch wieder misslingt. Der Fahrschüler hat bereits verstanden, dass er den Verkehr aufhält. Vielleicht verstehe ich das laute Hupen falsch und der vermeintliche Nörgler möchte mir mit gedrückter Hupe und geballter Faust nur seine Zuneigung zeigen? Das wäre herzlich aber nicht zulässig, denn emotionale Signale mittels Hupen sind in der Straßenverkehrsordnung nicht vorgesehen.

Was für langjährige Autofahrer zur Selbstverständlichkeit geworden ist, erweist sich für mich noch als Neuland. Lenken, Blinken, Gas geben, Bremsen, Kuppeln, Schalten und die gleichzeitige Beobachtung des Straßenverkehrs sind derzeit noch eine Mammutaufgabe. Die Frustration darüber, etwas nicht zu können, was für viele natürlich ist, wird mich wahrscheinlich noch bei einigen Fahrstunden begleiten. Allerdings verbanne ich die Frustration auf die Rückbank und gebe mein Bestes, dass die Selbstverständlichkeit mich schon bald als neuer Beifahrer begleiten wird.

„Führerschein mit 26“ Serie von Leonie:

Teil 1: Besser spät als nie.
Teil 2: Vorbereitung auf die erste Praxisstunde!
Teil 3: Die erste Fahrstunde.
Teil 4: Drum prüfe wer sich ewig bindet.
Teil 5: Per Überholspur über die Autobahn.
Teil 6: Praktische Prüfung.

Bildquelle: Leonie Schreiber