Führerschein mit 26 – Drum prüfe wer sich ewig bindet (4)

VON LEONIE SCHREIBER

Leonie Schreiber bloggt auf sherlywatson.com über die Dinge, die sie bewegen. Mit 26 Jahren macht sie jetzt später als üblich ihren Autoführerschein und wird bei mir darüber schreiben.

Mein Fahrlehrer wurde bei der Frage, wann ich denn nun endlich zur theoretischen Prüfung gehen würde, bereits etwas forscher. Wahrscheinlich befürchtete er, ich würde niemals den Weg zum TÜV schaffen. Ich hingehen hoffte, dass ich einfach durch’s Raster fallen würde und ich diese Prüfungssituation, in Anbetracht meines Alters, umgehen könnte. Er klärte mich auf, dass das absolut nicht ginge, mein Alter keine Begründung sei und ich wurde einsichtig.

Bevor man zur theoretischen Prüfung beim TÜV geht, soll der Fahrlehrling in seiner Fahrschule einen Vortest – eine Art Prüfungssimulation überstehen, damit die Prüfungstauglichkeit gewährleistet ist. Erst wenn man diesen Test besteht, erhält man die nötige Bescheinigung über den Abschluss der Theoriestunden. Nachdem ich an der ersten Ausfahrt zum Bestehen des Vortests knapp vorbeifahre, gehe ich hart mit mir ins Gericht und verordne mir ein wertvolles Lern-Wochenende. Beim zweiten Anlauf bestehe ich den Test tatsächlich mit 0 Fehlerpunkten und bekomme die nötige Bescheinigung ausgehändigt.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser.

Bevor ich wirklich zur theoretischen Prüfung gehe, möchte ich beim TÜV Rheinland doch mal anrufen und kontrollieren, ob die Öffnungszeiten, die im Internet zu finden sind, stimmen. Ich wähle die Kölner Nummer und lande bei einer freundlichen weiblichen Stimme. Ich möchte sie höflich begrüßen, als ich merke, dass es sich um eine Aufnahme handelt. Die Stimme aus der Vergangenheit bittet mich, eine Nummer zu drücken, die mich zum gewünschten Anliegen bringen soll. Ich drücke die 1 und hoffe an eine menschliche Stimme zu gelangen. Stattdessen zählt die aufgenommene Stimme alle Öffnungszeiten aller TÜV Rheinland Standorte in der Umgebung auf. Das ist also die Strafe, dass ich dem Internet nicht traue. Am nächsten Tag ab neun Uhr kann ich dort geprüft werden.

Ich komme in den Wartebereich des TÜVs, ziehe eine Wartemarke und setze mich auf einen der Wartestühle. Es ist eine viertel Stunde vor offiziellen Opening und bereits 17 Prüfungswillige warten auf die Beantwortung von 30 Fragen. Einige daddeln auf ihrem Handy rum und üben fleißig mit der Prüfungs-App. Ich allerdings nicht. Ich schaue abwechselnd in ratlose Gesichter und auf den Info-Bildschirm, wann meine Nummer aufgerufen wird. Irgendwer hat sein Smartphone nicht unter Kontrolle und die Musik eines Spieles dudelt durch den Raum. Zur Abwechslung schaue ich nach draußen. Von meinem Platz aus hat man eine tolle Sicht auf Fahrschüler und rauchende Fahrlehrer, die auf den Führerschein-Endgegner, den praktischen TÜV-Prüfer, warten. Viele freudige Gesichter erhalten ihren Führerschein – die nicht bestandenen Fälle werden wohl irgendwo auf dem Hinterhof abgehandelt, sicherlich nur, um mich nicht zu verängstigen.

Die Nummer 18 darf vortreten.

Nach einer Stunde bin ich an der Reihe. Ich werde in ein Vorzimmer gebeten, in dem ich ein paar wichtige Unterlagen vorlegen und mich ausweisen muss.  Bevor ich in den Prüfungs-Computerraum gehen darf, soll ich 105,80 Euro für die theoretische und zugleich praktische Prüfung (die Zukunft gehört den Optimisten) bezahlen. Wie so oft in den letzten Wochen denke ich, „ Tschüss, liebes Geld. Ein Urlaub wäre ja auch ganz schön gewesen.“ Im Prüfraum riecht es nach Ratlosigkeit. Acht Personen sitzen vor großen Bildschirmen und strapazieren die Computermaus ordentlich. Einige von ihnen klicken, laut meinen Vermutungen, seit 45 Minuten wild Kästchen an. Aber das macht nichts, in der Theorie darf man solange auf den Bildschirm starren, wie man möchte. Ich melde mich bei einem relaxten Altrocker, dessen graues Haar elegant zu einem Pferdeschwanz gebunden ist. Ich darf an Prüfplatz 3 vorschreiten. Es geht los. Prüfung starten. Ein Mann vor mir steht auf, um sich sein Ergebnis abzuholen. Unauffällig höre ich mir das Resultat an. 13 von 10 erlaubten Fehlerpunkten. Der Altrocker verabschiedet ihn bis zum nächsten Mal.

Nach 10 Minuten hab ich mich durch die 30 Fragen gearbeitet und klicke mit zittrigen Händen den Abgabe-Button. Der Prüfer ruft mich zu sich und sagt, „Ja so muss das sein junge Dame, 0 Fehlerpunkte.“  Ich schaue ein wenig stolz in den Raum und hoffe insgeheim, dass die Langsitzer das gehört haben.  Aber keiner schaut auf, höchstens zum Nebenmann, was ja nun wirklich nur der letzte Strohholm sein kann.

„Führerschein mit 26“ Serie von Leonie:

Teil 1: Besser spät als nie.
Teil 2: Vorbereitung auf die erste Praxisstunde!
Teil 3: Die erste Fahrstunde.
Teil 4: Drum prüfe wer sich ewig bindet.
Teil 5: Per Überholspur über die Autobahn.
Teil 6: Praktische Prüfung.

Bildquelle: Leonie Schreiber