Führerschein mit 26 – Per Überholspur über die Autobahn (5)

VON LEONIE SCHREIBER

Leonie Schreiber bloggt auf sherlywatson.com über die Dinge, die sie bewegen. Mit 26 Jahren macht sie jetzt später als üblich ihren Autoführerschein und wird bei mir darüber schreiben.

Die Angst der Anderen.

Der Mann, der neben seinem Audi Q7 steht, schaut mich mahnend an. Ich sitze am Steuer des Fahrschulautos und soll rückwärts neben dem besagten Mann und Auto einparken. Ich empfinde die Situation mehr als unangenehm und äußere dies lautstark  – jedenfalls in Gedanken. Mein Blick in jenem Moment könnte irgendetwas mit der Redewendung, „Wie ein Auto gucken“ zu tun haben.  Missmutig schaue ich der Herausforderung entgegen und beginne mit einer gekonnten Lenkerdrehung und dem Einlegen des Rückwärtsgangs das Hinterteil des Autos in die richtige Position zu bewegen. Als der Fahrer des SUVs bemerkt, dass ich keine Bedrohung mehr für ihn und sein Gefährt darstelle, lächelt er mir aufmunternd zu. Meine Menschenkenntnis deutet sofort: Eine scheinheilige Geste, die seine Erleichterung überspielen soll.

Einundzwanzig Fahrstunden liegen zu diesem Zeitpunkt hinter mir. Dreizehn Übungsfahrten und neun Sonderfahrten. Fünf Mal bin ich fünfundvierzig Minuten über Landstraßen gedüst und vier dreiviertel Stunden habe ich auf Autobahnen verbracht. Die letzten drei Sonderfahrten, die noch zu bestreiten sind, werden den Fahrschullehrer und mich unter das sternenbeleuchtete Firmament der Nacht führen. Unromantisch ausgedrückt, nennt man diese auch Beleuchtungsfahrten.

Ab auf die Autobahn.

Eine Autobahnfahrt erfordert Eigeninitiative. Beim Thema Überholen sind mein Mitfahrer und ich uns uneinig. Während er darauf wartet, dass ich den LKW vor mir überhole,  denke ich gar nicht daran meine Komfortzone zu verlassen und fühle ich mich bei 80 km/h pudelwohl. Irgendwann erklärt er mir, dass die Prüfer es wertschätzen, wenn man sein Überhol-Können zeigt. Gegen den Prüfer-Willen bin ich machtlos und starte im rechten Moment einen Überholvorgang. Nun fühle ich mich allerdings auf der linken Spur so wohl, dass ich gar nicht auf die rechte zurück möchte. Da die heranrasenden Autos von hinten ihr Recht des schnellen Fahrens einfordern, kehre ich vor dem LKW zurück auf die rechte Spur. Wieder habe ich etwas fürs Leben gelernt – nicht warten bis man aufgefordert wird, sondern einfach machen.

Die Sache mit dem Geschwindigkeitsgefühl.

Die nächste Lektion, die mich nach der Autobahnabfahrt ereilt, lautet: Das Schalten nicht vergessen! Durch die lange Fahrt im gleichen Gang muss der Kopf sich erst einmal wieder auf den Stadtverkehr einstellen. Auch das Geschwindigkeitsgefühl hat sich merkwürdig verändert und gaukelt mir vor, ich sei zu langsam. Zudem erfordert das Lenken wieder mehr Einsatz, den man auf der Autobahn nicht zeigen sollte. Dies bekomme ich auch auf meinen Denkzettel geschrieben, den der Fahrlehrer nach jeder Übungsstunde belehrend erweitert. Ich vermerke die genannten Punkte unter der Überschrift „Feinschliff“ und freue mich, dass ich an der Ampel das Auto nicht mehr abwürge.

Die praktische Prüfung rollt indes immer näher heran und befindet sich in sichtbarer Nähe. Wann es allerdings soweit ist, bleibt vorerst ein Geheimnis.

„Führerschein mit 26“ Serie von Leonie:

Teil 1: Besser spät als nie.
Teil 2: Vorbereitung auf die erste Praxisstunde!
Teil 3: Die erste Fahrstunde.
Teil 4: Drum prüfe wer sich ewig bindet.
Teil 5: Per Überholspur über die Autobahn.
Teil 6: Praktische Prüfung.

Bildquelle: Leonie Schreiber