IMHO: Haters gonna Hate. Die ewige Autofahrer-Radfahrer Diskussion

Smart E-Bike und Elektroauto - Daimler

Es ist immer wieder interessant zu sehen wie sehr die Radfahrer-Autofahrer-Diskussion die Gemüter erregt. Gerade habe ich eine Reaktion bei radverkehrspolitik.de auf die stern.tv Sendung „Anarchie im Straßenverkehr: Kampfradeln für mehr Gleichberechtigung“ gelesen (die ich im Übrigen nicht gesehen habe) und musste mich sehr wundern, wie krass so manche Zuschauer auf die Sendung reagiert haben.

Lassen wir mal den Kampfradler (reißerisch wie immer, der Stern) aus der Sendung aussen vor – das möchte ich nicht weiter kommentieren. Viel mehr möchte ich die Reaktion der Zuschauer kommentieren, die fälschlicherweise E-Mails an Malte Hübler von radverkehrspolitik.de geschickt haben. Einfach aufgrund der thematischen Relevanz seines Blogs zum Thema und aufgrund der minimalen Verwechselbarkeit der Vornamen.

Je mehr ich über solche Dinge erfahre, desto mehr freue ich mich auf die geplanten Shared Space Projekte hier in Köln (ich hatte darüber berichtet) und hoffe sehr, dass die Autofahrer (zu denen ich mich natürlich auch selbst zähle) vielleicht irgendwann einsehen, dass sie nunmal nicht allein auf der Straße sind. Nur um das klarzustellen: Schwarze Schafe gibt es auf beiden Seiten (so wohl auch den Teilnehmer an der Diskussion bei stern.tv), keine Frage. Aber es hat immer der Stärkere auf den Schwächeren Rücksicht zu nehmen, wenn nicht sogar aktiv aufzupassen. Genau an der Stelle scheint es bei vielen Autofahrern Nachholbedarf zu geben – wenn ich so die zitierten E-Mails bei Malte lese. Es ist diese Denkweise „was mir das Gesetz zusichert, das steht mir auch zu“ die ich besonders hier in Deutschland nie verstehen werde. Genau dabei könnten Projekte wie Shared Space helfen. Dort haben alle die gleichen Rechte. Die Reaktionen auf die Sendung machen mir nur etwas Angst, ob das Ganze nicht nach hinten losgeht und am Ende auch in einer Shared Space Zone so mancher Autofahrer denkt er sei der King. Und einfach draufhält. Im Zweifel zieht der Radfahrer, Fussgänger (noch schlimmer) oder gar das Kind (am schlimmsten) immer den Kürzeren.

Mich wundert es übrigens sowieso, wieviel Vertrauen die Radfahrer hier in Köln den Autofahrern entgegenbringen. Wenn ich sehe mit welchem Tempo manche Radfahrer ohne sich umzublicken oder zu bremsen bei Grün über die Kreuzung heizen… nein, wenn ich mit dem Rad unterwegs bin würde ich keinem einzigen Autofahrer zutrauen, dass er mich auch wirklich gesehen hat. Auch wenn ich grün habe. Besonders wenn er abbiegen will. Besonders wenn sowieso viel auf der Kreuzung los ist. Im Zweifel habe ich einen Knochenbruch und der Autofahrer einen marginalen Blechschaden. Ist es das wert?

Es bringt in der Diskussion leider auch nichts sich die Anderen wegzuwünschen. „Die Straße gehört den Autos!?“ Hallo? Die Straße gehört den BürgerInnen. Jedem zu gleichen Teilen. Der Respekt vor anderen Menschen, ihren Vorlieben und ihrer Sicht auf die Welt gehört genauso dazu. Das wiederum können sich ruhig beide Seiten hinter die Ohren schreiben. Dass es alle Sorten Verkehrsteilnehmer gibt wird sich übrigens nie ändern. Wer keine Radfahrer will, soll gefälligst auf der Autobahn bleiben und den Rest mit ÖPNV bewältigen. Auch keine unlösbare Aufgabe.

Aber am Ende ist nur folgendes Entscheidend: Warum nicht mal sich selbst zurücknehmen und einem anderen seinen Platz geben, auch wenn es gesetzlich nicht nötig wäre? Oder sogar man selbst eigentlich Vorfahrt hätte? Der betroffene Verkehrsteilnehmer freut sich und das eigene Gemüt wird dadurch auch heller.
Schade, schade. Ich kann nur sagen: Die Autofahrer, die Verfasser der Mails, reden nicht für alle.

Diskussion erwünscht. Besonders von euch Autonarren! Wie seht ihr das?

Edit: Marco hat auf radfahren-in-koeln auch Stellung genommen – er war bei der Stern.tv Sendung dabei.

 

Bildquelle: Daimler AG, 2013

11 Antworten auf „IMHO: Haters gonna Hate. Die ewige Autofahrer-Radfahrer Diskussion“

  1. > Aber am Ende ist nur folgendes Entscheidend:
    >Warum nicht mal sich selbst zurücknehmen und einem anderen seinen Platz geben, auch wenn es gesetzlich nicht nötig wäre?

    Wie bitte?! Das klingt ja, als ob „das Gesetz“ sagte: du darfst den Radfahrer gern bedrängen/nötigen/schneiden.
    §1(1) STVO
    Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.
    -> http://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__1.html

    1. Hallo nadar,

      ich meine damit nicht den drohenden Verkehrsunfall, den es abzuwenden gilt (durch Vorsicht respektive Rücksicht). Natürlich fahre ich nicht in eine Kreuzung ein, wenn es offensichtlich ist, dass jemand anders dadurch gefährdet wird. Ich rede von Situationen in denen es eine Geste ist andere gewähren zu lassen. Ohne dass eine Gefährdung in irgendeiner Form zustande kommen könnte. Einfach nur so. Beispiel: Anhalten und Platz im Verkehr schaffen damit Radfahrer kreuzen können weil es in Strömen regnet. Vielleicht ein blödes Beispiel, aber ich denke es wird klar was ich meine.

      Viele Grüße
      bycan

  2. Hi Can:

    das für mich Schönste an dieser doch wirklich unsäglichen Diskussion ist, daß ich Deinen Blog gefunden habe! Kompliment, wie Du Dich -gerade als „Autoblogger“- mit der Materie auseinandersetzt, was mir wieder beweist, daß einer meiner Kernsätze -„ich unterscheide nicht zwischen Auto- und Radfahrern, sondern zwischen Idioten und Nichtidioten“ nicht der Falscheste ist!

    In Köln ist es in der Praxis leider tatsächlich oft so, daß das Recht des Stärkeren gilt, wie ich täglich leidlich erfahren muß. ich gehe trotzdem davon aus, daß die Mails nicht für „alle Autofahrer“ sprechen, genauso wie ich nicht für „die Radfahrer“ spreche, denn es gibt selbstverständlich auch genug Idioten unter ihnen. Ändert aber nichts an der Tatsache, daß ich -auf knapp 8 Kilo sitzend- täglich im Schnitt 3-5x gefährdet oder bedroht werde, von einem Gefährt, das ~1,5 Tonnen wiegt. Das meistens aus purem Egoismus und das darf nicht sein. Wen wundert es da, wenn irgendwann mal Sicherungen durchbrennen? „Freie Fahrt auf Teufel komm raus“ darf kein Motto sein, in diesem Sinne würde ich shared space Projekte durchaus begrüßen, bin aber auch Realist genug, als daß ich da -zumindest für Köln- nicht wirklich dran glaube.

    1. Hallo Marco,

      vielen Dank für das Kompliment. Dein Kernsatz ist mehr als richtig, aber man schert ja gerne mal bestimmte Gruppen über einen Kamm – einfach weil es dann leichter ist ein Feindbild zu definieren. Genaugenommen gibt es dieselben Probleme wie zwischen Radfahrer und Autofahrer auch zwischen den Autofahrern selbst. Ich bin mir eigentlich sogar ziemlich sicher, dass Autofahrer häufiger auf andere Autofahrer schimpfen als auf Radfahrer. 🙂

      vg
      Can

  3. Mal Rücksicht nehmen und zurückstecken macht der Radfahrer schon automatisch und aus reinem Selbsterhalt. Wenn wieder einer aus der Seitenstrasse geschossen kommt und seinen Bremsweg offensichtlich so berechnet, dass er an der Einmündung zur kreuzenden Strasse und nicht am Radweg zu stehen kommt, dann werde ich ihm kaum freiwillig in die Seite fahren. Aber soll ich mich dann noch bei ihm bedanken?
    Wenn ich sehe, dass jemand auf einen Radweg achtet, aber aufgrund mangelnder Sichtbeziehung mich offensichtlich nicht wahrnimmt, dann bremse ich auch und ärger mich halt mal wieder über Radwege und deren Benutzungspflicht. In der Realität fehlt aber einfach in den meisten Fällen einfach der versuch einen Radfahrer zu sehen. Da kommt dann in aller Regel die Entschuldigung – „Ups, sorry – ich habe Dich nicht gesehen“. Nein klar, wenn man nicht guckt kann man auch nix sehen, dass ist schon klar.
    Deine Hoffnungen bezüglich räumlich sehr begrenzter Shared Space-Projekte, kann ich sie nicht teilen – da muss man nur mal schauen, wie sich ein Grossteil der Autofahrer in Wohngebieten mit Zone 30 vehalten. Da muss auch jeder Radfahrer mit der Brechstange überholt werden, auch wenn da überhaupt kein Platz ist und zwei Blocks weiter eh die Vorfahrtsstrasse mit Radweg beginnt.
    Es muss den Autofahren mal endlich kar werden, dass sie im Laufe des Tages weitaus mehr Zeit verlieren, weil irgendwo ein Auto parkt/einparkt, die Müllabfuhr den Müll einsammelt oder sie einfach in einem Autostau stehen. Im Gegensatz zu all diesen Hindernissen, ist ein Radfahrer doch recht flott unterwegs. Aussersdem ist jeder Radfahrer auf der Fahrbahn schon mal einer, den sie nicht auf dem Radweg übersehen können.

    1. Hallo Axel,

      dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen.
      Ich bin was Shared Space in Deutschland angeht auch sehr skeptisch, die Leute werden sich umgewöhnen müssen. Allerdings sieht man in anderen Ländern, dass der Ansatz funktioniert. Und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

      vg
      Can

      1. @Can

        Ich sage ja nicht, dass Shared Space da wo er implementiert wird nicht funktionieren wird, sondern bezweifle, dass dies irgendeine Auswirkung auf das sonstige Verkehrsverhalten hat. Das ist wie mit Radwegen – da wo sie nicht sind, akzeptieren die meisten Autofahrer den Radfahrer ja mehr oder weniger zähneknirschend.
        Das grösste Problem in D ist in meinen Augen, dass im Zweifel alles dem vermeintlichen Verkehrsfluss untergeordnet – siehe z.B. die unsägliche Gehwegparkerei. In vielen südlichen Ländern ist wir immer gerne das undisziplinierte Zweite-Reihe-Parken bemängelt. Das kommt aber einfach daher, dass das Gehwegparken strikt verboten ist.

        1. @Axel: Full ack, Auswirkungen auf den restlichen Straßenverkehr wird es nicht haben. Aber es ist ein Anfang.
          Dass die Leute in südlicheren und östlicheren Ländern meist nicht auf dem Bürgersteig parken liegt daran, dass dort die Bürgersteige bewusst so hoch gemacht werden, dass kein Auto der Welt rauffahren kann. Da setzt gerne auch mal die Autotür auf dem Bürgersteig auf, wenn man sich ins Auto setzt. 😉 Sonst würde man es dort genauso tun wie hier…

  4. Drei Neuankömmlinge im Himmel, ein Franzose, ein Italiener und ein Deutscher. Als sie sich gegenseitig fragen, warum sie hier sind, fängt der Franzose an zu schwärmen: “ Ich habe gestern eine Bouillabaisse Marseillaise (Fischsuppe) gegessen. Sie war köstlich, ein Hochgenuss, leider war ein Fisch verdorben und ich bin daran gestorben. C’est la vie, nun bin ich hier.“
    Darauf der Italiener voller Temperament: „Ich war bei meiner Liebsten, wir haben es 3x miteinander getrieben, es war himmlisch. Dann kam ihr Mann und – peng – er hat mich erschossen.“
    Dann schauen die beiden den Deutschen an, der schweigt. „Und wie war es bei dir?“ Daraufhin muffelt der Deutsche missmutig: „Ich hatte Vorfahrt!“

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