IMHO: Warum sind Käufer von Sportwagen immer schlecht? Stop the Bashing!

Lamborghini Huracan LP 610-4 2014 weiss

Gerade habe ich den Artikel auf SPON zum neuen Lamborghini Huracan (siehe Foto) gelesen. Ich kann es nicht mehr hören. Jeder Artikel zu teuren Sportwagen aus allen Ländern dieser Welt wird zerrissen von Kommentatoren, die Sportwagen einerseits für das Überflüssigste auf der Welt halten und andererseits für eine Ausgeburt der Hölle. Und ich kann immer nur den Kopf schütteln und mich fragen woher diese Denkweisen rühren.

Wurden wirklich so viele Bürger von Sportwagenfahrern vor den Kopf gestoßen? Persönlich angegriffen? Niedergemacht? Ist einer dieser Fahrer ausgestiegen und hat mit dem Finger auf sie gezeigt mit den Worten „wie erbärmlich du bist, ha-ha!“. Irgendwo muss er ja herkommen, dieser Hass auf alle, die ein solches Fahrzeug fahren. Oder geht es am Ende doch nur um Geld?

Einfach zu teuer

Denn oft liest man auch Kommentare im Sinne von „Wie kann man nur soviel Geld für ein Auto ausgeben? Wer das tut, der kann ja schon nur krank sein!“ Scheinbar ist in den Köpfen der Leute fest definiert, was eine Auto im Idealfall kosten darf und soll. Alles andere ist überflüssig. Also brauchen wir doch theoretisch nur ein einziges Auto mit einem festen Preis, das jeder fährt? Weil: Mehr ausgeben für Metalliclackierung wäre ja dann genauso verpöhnt. Oder geht es um das Übersteigen einer gewissen magischen Grenze? So wie früher die 100.000 DM Grenze. Alles darüber war unerreichbar und per Definition Luxus.

Das Verrückte dabei ist, dass es diese krassen abstoßenden Denkweisen nur bei uns in Deutschland gibt. In keinem anderen Land dieser Welt (well, beschränken wir es mal auf die vielen Länder, die ich bisher bereist habe und Beobachtungen anstellen oder Gespräche dazu führen konnte) kann man ein ähnlich angewidertes Verhalten beobachten, wenn mal ein Ferrari um die Ecke gebogen kommt. Im Gegenteil: Man erfreut sich an dem seltenen Anblick, beobachtet, genießt und – festhalten, jetzt kommt der entscheidende Knackpunkt – scheint den Besitzern ihr tolles Auto tatsächlich zu gönnen.

Warum er und nicht ich?

Ist es am Ende also der schiere Neid? Während woanders der wertvolle Besitz eines anderen nicht in Frage gestellt wird sondern erstmal davon ausgegangen wird, dass derjenige hart dafür arbeiten musste, scheint man hierzulande einfach nur die einem selbst zugefügte Ungerechtigkeit zu sehen. Warum darf er etwas haben das ich nicht habe? Und wenn ich es nicht haben kann, dann ist es ja wohl auch vollkommen überflüssig. Wenn er sich dann mit dieser Überflüssigkeit in der Öffentlickeit rumtreibt reibt er mir seinen Erfolg ja regelrecht unter die Nase und provoziert mich damit.

NEIN.

Nein, es ist alles ein wenig anders. Bei Allen Dingen des Lebens strebt man nach mehr, bei allen Dingen des Lebens strebt man nach Anerkennung und in irgendeiner Form auch nach Belohnung. Und in unserer kapitalistischen Gesellschaft ist eben oftmals immer das Geld die Gegenleistung für eine erbrachte Leistung und den erzielten Erfolg. Ob ich eine Gehaltserhöhung bekomme und von einer 3- in eine 4-Zimmer-Wohnung ziehe oder von einem 10-Zimmer Haus in eine 25-Zimmer Villa ist und bleibt dasselbe. Jemand, der gemütlich in einem 1-Zimmer Appartement wohnt wird den Sinn bei beidem wohl nicht sehen, denn er kommt gut klar mit dem, was er hat. Bis sich die Bedürfnisse und auch die Mittel ändern.
Würde man den Luxus weglassen und sich tatsächlich nur auf das besinnen, was man auch wirklich zum Leben braucht, dürfte nicht viel übrig bleiben: Zuerst muss der 42″-Fernseher gehen. Direkt gefolgt von der Spielkonsole und einem der 4 PCs oder Tablets. Teure Klamotten halten nicht wärmer als billige. Und die Wohnung braucht nur eine Koch-, eine Wohn- und eine Schlafzone. Apropo Kochzone: Beim Thema Einbauküche wollen wir lieber gar nicht erst anfangen… Das Auto ist natürlich eigentlich komplett überflüssig. Es gibt ja Bus und Bahn.

Ja, das Leben wäre genauso lebenswert, würde möglicherweise sogar befriedigender sein und wir würden gezwungenermaßen mehr Zeit mit unseren Liebsten verbringen. Aber wäre jemand bereit dazu? Jetzt und Sofort? Auf die vielen Annehmlichkeiten verzichten? Ich denke nicht. Wir leben nunmal in einer Konsumgesellschaft. (was nicht heißt dass man das auf lange Sicht ändern sollte)

Toleranz

Was ich sagen möchte: Es geht am Ende um Toleranz. Andere Menschen tun zu lassen und mögen zu lassen was auch immer sie möchten. Sich zu freuen wenn sich andere Menschen freuen. Auch wenn man sie nicht kennt. Man stelle sich mal vor: Man selbst sprüht über vor Freude und die Menschen um einen herum freuen sich mit! Ist das nicht ein großartiges Gefühl? Jeder der mal richtig verliebt war und es auch gezeigt hat dürfte eine solche Erfahrung schon gemacht haben.

Zurück zum Thema Sportwagen: Natürlich gibt es Ausnahmen. Aber es gibt auch viele die 24 Stunden am Tag arbeiten, erfolgreich sind und zumindest für ein paar Stunden am Tag ein sinnliches, sportliches oder edles Auto fahren wollen. Warum sollten sie das nicht tun? Ob sie deswegen auf etwas anderes verzichten müssen oder nicht spielt gar keine Rolle. Und warum sollte man sich nicht mit ihnen freuen? Ganz abgesehen davon: Auch im eigenen Leben weiss man ja nie wie sich alles entwickelt. Wie es sich mit dem Erfolg verhält. Nothing is impossible.

Bildquelle: Lamborghini, 2013

7 Antworten auf „IMHO: Warum sind Käufer von Sportwagen immer schlecht? Stop the Bashing!“

  1. Schön, dass du das Thema mal ansprichst! Ich mag ja keine Verallgemeinerungen im Stile von „Deutschland, Neiderland“, aber irgendwie trifft es die Sache gut auf den Punkt. Ich hatte dazu auch schon eine lange Diskussion mit einem Engländer, der einen Sportwagen fährt und ganz schockiert war, als er mit dem Ding das erste mal hier in Deutschland unterwegs war und teilweise Stinkefinger und andere ähnliche Gesten gezeigt bekommen hat.

    Kann auch nur bestätigen, in anderen Ländern läuft das deutlich anders ab. Eine lustige Beobachtung, die ich aber machen konnte, seit ich meine Elise habe: ist das Auto so gehalten, dass es für den Gegenüber ohnehin nicht in Frage käme (zu verrückt, zu unpraktisch, zu radikal), ist plötzlich alles in Butter. Dann ist das anscheinend ok, dass „der andere sowas hat, für mich wäre das eh nix“. Ich vermute, das kann mir auch jeder bestätigen, der schonmal in Dingern wie Elise, Caterham, XBow und anderen unterwegs war.

    1. @Sebastian:

      Jetzt wo du es sagst.. tatsächlich ist das ein gutes Argument mit der Tauglichkeit für einen selbst! Denn dadurch wird es wirklich nur noch zu einem neugierigen Interesse an der Sache an sich, jedoch nicht mit der Denke was man selbst anstellen müsste um es zu besitzen.
      Also wäre die Lösung des Problems: Sportwagen werden wieder zu ungemütlichen absolut nicht alltagstauglichen Fahrzeugen und alle sind glücklich?

  2. Du sprichst mir aus dem Herzen. Was glaubst Du, wie oft ich mir schon anhören musste wie bescheuert ich doch sei, das entsprechende Geld für einen gut ausgestatteten Audi A7 auszugeben.
    Ein halb so teurer Skoda Superb wäre doch völlig ausreichend, wenn nicht sogar viel besser, weil praktischer (was in Deutschland am Kofferraumvolumen gemessen wird).

    Ich freue mich ja für jeden, dem ein Auto nicht so viel bedeutet und der (auch deshalb) die Unterschiede zwischen einem Skoda und einem Audi/BMW/Mercedes entweder gar nicht erkennt – oder für so gering erachtet, daß sie den Aufpreis nicht wert sind. Derjenige spart nämlich echt einen Haufen Geld.
    Mir ist ein Auto und dessen Strassenlage aber eben wichtig, ich höre in einem Auto jedes Knarzen und ich ärgere mich jedesmal, wenn ein Interface mich eher ablenkt als unterstützt. Weshalb ich einen bedeutenden Teil meines verfügbaren Einkommens dafür ausgebe. Verständnis dafür, außerhalb der anderen Autonarren und nächster Verwandtschaft? Fehlanzeige.

    Es ist eben wie Du sagst, vielen Deutschen wäre es wohl am liebsten wenn es wieder Einheitsware gäbe. Der Skoda ist gut genug, das kleine Haus auf dem letzten Kuhdorf reicht doch wohl, das billigste Handy telefoniert ja auch und wozu braucht man einen so großen Fernseher?
    Audi, schöne Wohnung in der Stadt, iPhone und viele Zoll mit 3D und HD? Schnösel, Angeber, Markenknecht. Gute Gründe dafür kann es gar nicht geben, und für Qualität (ob nun echt oder gefühlt) darf kein (Extra) Geld ausgegeben werden, Geiz ist geil.
    Das ist Deutschland.
    Das dürfte übrigens auch der Grund sein, warum kaum einer hierzulande A7 kauft, obwohl viele sagen daß sie ihn sehr schön finden – einen (fast) gleich teuren A6 Avant erkennt der Laie nicht als teures Auto, ist doch bloß ein Kombi.
    Also schön auf Nummer sicher gehen und den kaufen.

    Andererseits: jedes andere Land hat auch seine Nachteile. Wenn uns also manchmal der Gedanke an Auswandern kommt aufgrund der Neidgesellschaft hier, wird er meist doch recht schnell wieder verworfen.

    1. @Robert:

      Vielen Dank für deinen Kommentar! Hach, wo du Wohnung in der Stadt sagst… wie oft wir uns rechtfertigen durften warum wir denn eine winzige Wohnung kaufen statt eines Hauses irgendwo weit draußen. Aber da kann man zumindest mit dem Argument kontern, dass die Wohnung in der Stadt im Gegensatz zum Haus auf dem Lande deutlich an Wert gewinnt 🙂

      Der Gedanke ans Auswandern kommt mir deswegen auch gar nicht. Ich weiss woran ich hier bin und es passt mir. Aber wie das immer so ist: Nörgeln ist leichter als loben 😉

      Wünsche dir ein schönes Fest
      Can

  3. Hi Can,

    den vorletzten Absatz sollten wir uns viel mehr zu Herzen nehmen. In der Kirche könnte er als Weihnachtsbotschaft durchgehen 😉 . Toleranz einfordern darf nur, wer sie auch selbst nach außen trägt.

    Als ich meinem Vater vor einigen Jahren als Schüler den E39 (damals schon 12 Jahre alt) abkaufte und damit in der Schule vorfuhr, bekam ich das Neid-Phänomen auch zu spüren. Einige Mitschüler wären geradezu erleichtert gewesen, wenn sie mir den BMW als „Papis Auto“ unterstellen gekonnt hätten. Sie sind nicht auf die Idee gekommen, dass ich den Wagen fahre, weil ich auf der Rückbank aufgewachsen bin, damit Autofahren gelernt habe und ihn im Allgemeinen für ein tolles Stück deutscher Ingenieurskunst halte. Sie wählten den einfachen Weg und sortierten mich in die Schublade „Proll“ ein, der ich in anderen Belangen absolut nicht war. Daran habe ich gemerkt, wer meine Freunde sind und wie sich Oberflächlichkeit bei anderen Menschen auswirken kann.

    Meine Freunde fahren vom alten Corsa B bis zum Porsche so ziemlich alle Fahrzeugklassen. Und bisher habe ich nicht festgestellt, dass ihre Autos ihrer Persönlichkeit gleichen – zum Glück.

    1. @Olli:

      Ohje, soll ich jetzt doch etwa zum Katholizismus konvertieren? Vielleicht blüht mir ja eine tolle Karriere als Prediger 😉
      Bei mir war’s auch ein E39, allerdings gehörte der meinem Vater. Alle fanden den BMW toll. Ein Mitschüler hatte zeitgleich von seinem Vater einen E46 bekommen. Über den haben sie dann pflichtbewusst gelästert. Ich glaube aber eher weil das ein großes Geschenk ist, das man vielleicht nicht unbedingt seinem Jungspund machen sollte. Geld selbst verdienen und damit Auto kaufen ist da schon was anderes (wie es ja bei dir der Fall war).

      Was die Persönlichkeiten angeht kann ich deinen Satz voll und ganz bestätigen. Es ist ja auch keine Persönlichkeitsfrage sondern eine Geschmacks- und Budgetfrage welches Auto man fährt. 🙂

      Wünsche dir ein schönes Fest
      Can

  4. Sehr spannende Fragestellung und auch Diskussion. Ich denke, dass hier einfach zwei verschiedene Welten aufeinander prallen. Wie auch schon Robert ausgeführt hat, ist die Frage was der Mensch „braucht“ schwer pauschal zu beantworten. Auch philosophisch gibt es hierzu unzählige Ansätze und Sichtweisen. Und genau hier trennen sich die Ansichten der Sportwagen- / Neuwagen-Käufer und die der rationalen Autokäufer. Ich bin selbst Neuwagen-Käufer und habe das Unverständnis mehrmals erlebt.

    Für Otto-Normal ist es, sogar verständlicherweise, einfach unsinnig ein Objekt zu kaufen, dass nur wenige Wochen, Monate oder Jahre später den größten Teil seines Wertes verloren hat. Und genau hier liegt oft auch das Problem. Viele sind nicht unbedingt neidisch sondern wollen evtl zeigen, dass sie klüger sind und erklären dass es wirtschaftlich keinen Sinn macht ein hochpreisiges Auto zu kaufen. Eben dass ein solches Auto überflüssig sei.

    Daher kann es aus meiner Sicht nur einen Weg geben, dem entgegen zu wirken. Es muss den Zweiflern klar gemacht werden, dass es sich um ein Hobby handelt. Will heißen, ich gebe das Geld nicht für ein Auto aus, ich gebe das Geld für mein Hobby aus.

    Und das Ausgaben, Zeitaufwand u.ä. für Hobbys, selten in einem vernünftigen Verhältnis stehen, sollte selbst der letzte Kritiker verstehen.

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