Mazda CX-3 Fahrbericht

KODO und das Design des Mazda CX-3.

Schon auf dem ersten Produktfoto war ich ein wenig dem Mazda CX-3 verfallen. Kompakte Autos gefällig zu gestalten ist eine schwierige Aufgabe. Bei langen Coupés mit langem Radstand können die Formen mit einer gelassenen Ruhe dahinfließen und die Karosserie kann sanft die Radkästen umschließen. Bei einem kurzen, kompakten Auto jedoch sind alle Gestaltungselemente gedrängt auf engstem Raum. Die Kunst besteht darin, das Fahrzeug gestalterisch nicht überladen wirken zu lassen und die mindestens nötigen Linien, mit denen man ein Auto definiert, zu entzerren. Die da wären: Basislinie, Schulterlinie, Fensteransatz und Dach. Vor und hinter den Rädern noch Motorhaube und Heckabschluss.

Mazda hat mit seiner Designrichtung „Kodo“ vollends einen Volltreffer gelandet. Die Formen sind einem Flügelschlag gleich ähnlich sanft geschwungen, wie seit Urzeiten schon im eigenen Logo. Man könnte das Design auch mit der Leichtigkeit des Seins umschreiben. Nichts am Mazda CX-3 wirkt angeflanscht oder aufgesetzt. Alles ergibt ein großes Ganzes. Der massive, elegante und verchromte Kühlergrill geht – ähnlich wie bei BMW, aber besser – an den Seiten über in die Scheinwerfer, setzt sich gar in den Scheinwerfern Hörnern gleich fort. An den oberen Flanken des Kühlergrills entstehen gleichzeitig zwei Kanten in der Motorhaube, die sich nach links und rechts über die Radhäuser und die Seitenspiegel hinweg bis zur Fondtüre ziehen. Diesen Schwung greift zuerst die Unterkante der Seitenscheiben auf, führt sie dann aber wieder diagonal nach oben. Dadurch werden zwar die hinteren Seitenscheiben recht schmal, doch die Statur des Fahrzeugs wird massiv sportlich. Denn der komplette Mazda CX-3 erhält in der Seitenansicht eine weit gespreizte V-Form, die einerseits eine lange Frontpartie suggeriert (da sich die Linien der Motorhaube fast bis an die Hinterachse ziehen), andererseits aber das Heck kurz, knackig und wulstig wirken lässt. So, wie man es eigentlich von Coupés gewohnt ist.

Deswegen also habe ich mich in den CX-3 verguckt. Ach ja, noch eine Sache wäre da: Die schwarze Auftrennung an der C-Säule zwischen Dach und Seite. Bekannt von Autos wie dem MINI Coupé, hier beim CX-3 aber auch wieder eine Klasse besser gemacht. Denn: Während beim MINI der Bezug zwischen Dachlinie und Seite/Heck vollkommen verloren geht (und beliebig wirkt), löst Mazda beim CX-3 die Gesamtkomposition schlüssig auf. Ich habe früher das Heck von Autos oft auf ähnliche Weise gezeichnet: Hier fluchtet die obere Fensterlinie durch einen herben Drall nach unten mit der Heckleuchte, während die Schulterlinie sich über die Heckleuchte beugt, um am Heck mittig auf das Logo abzufallen. So erhält auch die gesamte Fahrgastzelle eine gewisse Leichtigkeit und das Crossover-SUV seinen ganz eigenen Charakter.

Der Innenraum des Mazda CX-3.

Als ob das stimmige Äußere nicht genug wäre, wurde von den Designern des japanischen Herstellers aus Fuchū der Innenraum mindestens mit genau so viel Sorgfalt gestaltet. Kommen wir jedoch erst zu meinem einzigen Kritikpunkt: Warum nur hat man die mittige Lüftungsdüse im Armaturenbrett in eckiger Form in die Zierleiste integriert, statt sie – wie alle anderen Lüftungsdüsen – in trendiger runder Form zu gestalten? Aber mit dieser Frage endet auch die Kritik meinerseits schon wieder. Denn ansonsten ist der CX-3 was Materialmix, Verarbeitung und Gestaltung angeht top. Helles Leder an Sitzen, schwarzes Leder am Armaturenbrett gemischt mit dunkelrotem Leder an Akzenten. Dazu haptisch schöner, unterschäumter Kunststoff und hier und da Carbonoptik – ja, gut, über Letzteres könnte man schon ein wenig diskutieren. An den Türen findet dann auch ein wenig Metall statt, fügt sich aber ebenfalls stimmig in das Gesamtbild. Das Armaturenbrett selbst ist reduziert auf das Nötigste und sehr sportlich gehalten. Es ist so eigentlich auch schon vom Mazda2 bekannt. Gestalterisch formen das Armaturenbrett und die Elemente rund um den Fahrerplatz ein Oval, das den Fahrer umschließt. Tempomat und HUD sind vorhanden, Lichtautomatik und Scheibenwischerautomatik ebenfalls. Das Infotainment-System über das aufgesetzte Display läuft flüssig und lässt sich ohne Feedbacklatenz per Touch bedienen.

Ein Wort zu Motor, Antrieb und Schaltung.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Herstellern setzt Mazda ja bekanntlich nicht auf Aufladung oder andere technische Mittel, um reduzierten Hubraum zu kaschieren. Stattdessen verlautet man aus Fuchū ganz selbstbewusst: Wir wollen Hubraum! Ganz getreu dem alten Spruch: Hubraum ist durch nichts zu ersetzen, außer durch noch mehr Hubraum. Mazda konzentriert sich darauf, an anderen Ecken den Motor zu verfeinern und für geringeren Verbrauch, mehr Leistung und geringere Emissionen zu sorgen. Die schwächste verfügbare Motorisierung reicht meines Erachtens gerade so, um auf der Autobahn mitspielen zu können. Weniger Leistung sollte es nicht sein und gibt es zum Glück auch nicht. Gerne aber sollte man auf die um 30PS stärkere Variante zurückgreifen, die dann auch Allradantrieb statt Frontantrieb mitbringt. Die Langzeithaltbarkeit des Motors dürfte natürlich durchaus von einer nicht vorhandenen künstlichen Beatmung bei den Mazda SKYACTIV-Motoren profitieren. Die manuelle 6 Gang Schaltung ist in den ersten drei Gängen teilweise hakelig, bringt aber ansonsten die Kraft zuverlässig über die Vorderräder auf die Straße. Gerade im sechsten Gang kann man bei 140 km/h entspannt über die Autobahn gleiten.

Die Überraschung: Der Preis!

Ich habe mir bewusst bis zum Schluß nicht die Preisliste meines Pressetestfahrzeugs angesehen. Ich wollte mir einen unvoreingenommenen Eindruck vom Mini-SUV verschaffen und versuchen den Preis zu schätzen. Das Gesamtpaket, das Mazda hier schnürt, ist so vollkommen, dass eigentlich keine Wünsche offen bleiben. Auch die aktuellen aktiven Sicherheitssysteme sind mit an Bord, wie etwa aktive Bremseingriffe um Kollisionen zu vermeiden (SCBS) oder Spurhalteassistent (LDWS). Meine Schätzung lag bei 28.000 Euro für mein Fahrzeug in der Konfiguration. Ein Blick auf die Preisliste sorgte bei mir für eine Überraschung: Nur 25.000 Euro soll der Mazda CX-3 in dieser hochwertigen Ausstattung kosten! Das sind 3.000 Euro weniger als ich geschätzt hatte. Und 3.000 Euro sind ehrlich gesagt verdammt viel Geld.

Einen Fahrbericht zur Allrad-Variante des Mazda CX-3 findet ihr beim Autowelt-Revue Magazin.

 

 

Fahrzeug: Mazda CX-3 Skyactiv-G 120 FWD

Lackierung: Purweiss
Felgen: Leichtmetallfelge 7,0J x 18
Polster/Leder: Leder Pure-White

Motor: 2l R4-Ottomotor
Hubraum: 1.998 cm3
Leistung: 88 kW (120 PS)
Drehmoment: 204 Nm
Getriebe: 6-Gang manuelles Schaltgetriebe
Antrieb: Vorderradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,0s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 192 km/h

Türen/Sitze: 5/5
Verbrauch kombiniert: 5,9 l/100 km
CO2-Emission: 137 g/km
Preis: 24.680,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove