Mein Porsche 911 Turbo und ich – thepluses Staffel 4 Teil 1

Damit habt ihr nicht gerechnet, oder? Aber nachdem Robin neulich seine Eindrücke von unserer 4. Staffel thepluses zusammengefasst hat ist es auch für mich an der Zeit, euch unseren Roadtrip schriftlich nahe zu bringen.

Der Moment, in dem die Aufregung dich übermannt.

Wisst ihr eigentlich, dass es auf unseren Roadtrips immer genau zwei Momente gibt, in denen die Aufregung mich übermannt und die Freude ins Unermessliche steigt? Ich erzähle euch mal welche das sind.

Moment #1 oder

Wenn das Fahrzeug, das ich für mich organisiert habe, endlich auftaucht.

Meistens weiss ich vorher nur wenig über die genaue Konfiguration des Autos. Das bedeutet, dass ich zwar in diesem Fall wusste, dass es ein Porsche 911 Turbo sein wird. Aber wenn ich dann am Fenster stehe und ihn in der Ferne kommen höre und dann sehe, wie dieses wunderschöne Auto vorbeifährt, ist es wie Weihnachten und Geburtstag zugleich. Zum ersten Mal sehe ich die Lackierung, zum ersten Mal höre ich das Auto, zum ersten Mal sehe ich die montierten Felgen. So viele erste Male zugleich! Und nein, es spielt keine Rolle, dass man vorher zig andere Varianten des gleichen Autos gesehen oder gehört hat. Denn der 911, der hier um die Ecke kommt, wird die kommenden sieben Tage meiner sein! Das rückt Alles in ein anderes Licht.

Alleine schon deshalb, weil ich mich nie einem fremden Auto so nähern würde. Ich stelle mich neben das Auto und bin beeindruckt von der Breite. Ich sehe seine Dimensionen in einem direkten Kontext, denn die Straßen, die Bürgersteige und die Parkbuchten zuhause kenne ich ganz genau. Ich parke ihn gegenüber vom Schlafzimmerfenster, direkt hinter einem Kleinwagen, um im Vergleich den Sportwagen zu begreifen. Höhe mal Breite mal Länge sind so viel mehr als nur Zahlen. Ich fühle mit der Hand über seine Wölbungen – ja, eine höchst sinnliche Erfahrung – und fasse alle Materialien im Innenraum an. Setze mich auf den Fahrersitz, fasse ans Lenkrad und nehme mir Zeit, die Gerüche und die Sitzposition zu verinnerlichen.

In der Stadt wirkt so ein Auto nämlich komplett anders als in den Bergen. Durch die unbegreiflichen, enormen Dimensionen der Berge und Berglandschaften und durch die automobile Einsamkeit dort wird plötzlich so ein Sportwagen greifbar und begreifbar. In der Stadt hingegen sehe ich hin und sehe hin und kann mich nicht satt sehen an diesem für den Straßenverkehr unüblichen Anblick. Ein Anblick, der nur ein Wort schreit: POWERRRR!

Moment #2 oder

Wenn der erste Bergpass ausgeschildert ist und man realisiert, dass man endlich angekommen ist.

Die Zeit davor kann ich den Porsche kennenlernen. Ich packe ihn bis in den letzten Winkel voll mit Zelten, Isomatten und Gepäck, montiere den Kindersitz auf dem hinteren Notsitz, bringe Stative und Kabel an, mache mich mit dem Navi vertraut, stelle die Anlage nach meinem Geschmack ein und koppele mein Smartphone. Wenn wir uns dann einen Tag später mit Sebastian und Katrin in ihrem Audi R8 V10 plus treffen, geht es nach einer Begrüßung auf die Autobahn. Hinter uns Cem, Milena und Jonas im Audi Q7. Auf der endlosen mehrspurigen Straße sprechen wir uns am Funkgerät warm, betrachten unsere Autos bei der Fahrt und beim ersten unlimitierten Autobahnabschnitt – natürlich – geben wir Vollgas. Die beiden Sportwagen schenken sich da nicht viel und relativ bald gehen wir es wieder ruhiger an. Der Porsche verlangt außerdem sowieso eine Anpassung des Reifendrucks, um schneller als 270 km/h zu fahren.

Bis es Abend wird, sind wir in der Nähe des Chiemsees angekommen. Dort treffen wir zum ersten Mal Robin und seine Familie. Was es damit auf sich hat, könnt ihr bei ihm nachlesen. Einen wunderschönen Abend später haben wir zusätzlich zu Audi R8 und Porsche 911 noch einen robin’schen Nissan GT-R im Schlepptau. Eine Art heilige Dreifaltigkeit der Sportwagen, oder?

Am nächsten Tag arbeiten wir auf Moment #2 hin. In dieser irrsinnigen blau/gelb/schwarzen Kolonne (ihr ahnt gar nicht wie geil sich das anfühlt, mit solchen Autos Kolonne zu fahren!) düsen wir ohne Umwege auf die höchsten Gipfel am Horizont zu. Kann sich ja nur um die Alpen handeln, da kann man nix falsch machen. Auf der Autobahn laufen wieder die Funkgeräte heiss und Robin und sein Team aus Sonja und den zwei Kindern bekommen ihre erste Portion „thepluses“-Sarkasmus ab. Wir fahren Richtung Brixen und machen kurz vorher einen Abstecher zum Penser Joch, um ein paar Soundaufnahmen zu machen.

Risiken am Penser Joch.

Einmal an einer Kreuzung abbiegen, zweimal zurückschalten, Gaspedal auf die Bodenplatte. Das Rezept für Moment #2 ist ziemlich simpel – so wie die meisten Dinge, die Männern Spaß machen. Ab hier gibt’s keine verwirrenden Ortsdurchfahrten mehr, ab hier geht es nur den Berg hinauf und wir sind dem Straßenverlauf gnadenlos ausgeliefert. Ab hier darf ich die kommende Woche aber auch den Porsche 911 Turbo Stück für Stück noch besser kennenlernen und ab hier sollte der Respekt vor den Leistungen eines solchen Autos immer auch mit eine Rolle spielen. Kein Simulator, nein. Das echte Ding! Keine drei Leben, nur eines. Dazu noch Frau und Kind im Auto. Dazu Straßen, auf denen dich hinter jeder nicht einsehbaren Kurve ein Dutzend potentiell tödliche Dinge erwarten könnten. Ein LKW, der ausholen muss. Ein Felsbrocken auf der Fahrbahn. Ein mittelgroßes massiges Tier auf dem nach Hause Weg. Ein Motorradfahrer mit Schräglagefetisch. Ein abgeknickter Baum. Ein defektes Fahrzeug. Ein Anhalter. Ein Schlagloch. Sand auf der Straße. Ein technischer Defekt.

Das Alles sortiert man im Kopf und legt sich auf ein Tempo fest, mit dem man selbst gut leben kann. Risikoquantifizierung im Rahmen einer Risikoanalyse nennt man sowas heutzutage. Dazu gehört auch die Einsicht, dass es auf der Autobahn nicht unbedingt sicherer ist. Aber ich wollte auf etwas anderes hinaus: Man sollte seine eigenen Fähigkeiten gut kennen und sich einen ordentlichen Puffer nach oben lassen. Gerade am Anfang neigt man außerdem dazu, zu übertreiben.

Jedenfalls führt Sebastian das Rudel an, dahinter ich, Belgin und Sonat mit langsam, aber stetig größer werdendem Abstand und nach ein paar Kurven ist der GT-R hinter uns nicht mehr zu sehen. Was ich gut finde, denn Robin inklusive Familie (Für Mitfahrer ist es eh immer schlimmer) tasten sich heran und ab diesem Moment weiss ich, dass er ein verantwortungsbewusster Mensch ist (ok, ich hatte vorher schon eine Ahnung). Ich mache mir einen Spaß daraus, mit dem R8 mitzuhalten, weiss aber auch schon zu diesem Zeitpunkt, dass das eine Mal reicht. Die Leichtigkeit, mit der der Porsche physikalische Grenzen erweitert, brennt sich mir hingegen direkt ins Gedächtnis ein und gibt mir ein extrem gutes Gefühl für unsere Sicherheit auf den kommenden hunderten Kilometern Dolomiten-Passstraßen.

Und dann…. Wumms.

Als wir am zweiten Tag den ersten Pass hinter uns gebracht haben und auf einem verlassenen Parkplatz einen Livestream starten, ist die Welt noch in Ordnung. Team Robin hat sich an die Kurven gewöhnt und kann sich kaum noch was Schöneres vorstellen, als die vielen Kurven sportlich zu fahren. Jedes Mal, wenn wir aussteigen, nehmen wir vier grinsende Köpfe im Nissan GT-R wahr. Wir sind warm gefahren und haben in unseren Roadtrip-Rhythmus gefunden.

Als es nach dem Livestream wieder weiter geht, passiert es. Gerade noch habe ich davon geschrieben, wie man vorsichtig sein muss und die Straßen nicht unterschätzen darf und was passiert mir? Genau. Dabei fahren wir weder sportlich, noch geht es über eine besonders kurvenreiche Strecke. Und an dieser Stelle muss auch mal gesagt werden, dass wir Glück hatten.

 

Was ist passiert? Eine mittlere Rechtskurve, die ich zu weit rechts auf der Fahrbahn genommen habe. Direkt am Straßenrand die Leitplanke. Und ich touchiere die Leitplanke mit dem hinteren Kotflügel. Der Porsche hat alles richtig gemacht, der Fahrer aber versagt. Und warum hatten wir Glück? Weil es glimpflich ausgegangen ist. Ein Stück weiter rechts und es hätte Reifen, Felge oder gar die Aufhängung getroffen oder noch schlimmer, dem Auto einen Stups gegeben. Klar, ein Stück weiter links (wir sprechen hier wirklich von 1 bis 5cm – die anderen hinter uns waren sich nicht Mal sicher, ob wir die Leitplanke wirklich berührt hatten) und es wäre nichts passiert. Aber die Weiter-Rechts-Variante hätte zu einem Abbruch unseres Roadtrips führen können oder auch zu deutlich Schlimmerem. So jedenfalls führte es zu zwei lackreduzierten, circa 3cm dicken Streifen auf gleicher Höhe am hinteren Radlauf. Und es führte dazu, dass ich mich fürchterlich geärgert habe. Der arme Porsche 911 Turbo. Inzwischen ist er übrigens wieder repariert. Matthias Gill von ubi-testet hat uns netterweise ein Foto vom Porsche 911 Turbo nach dem Roadtrip geschickt:

Porsche 911 Turbo thepluses4 nach Reparatur
Copyright Foto: Matthias Gill / ubi-testet.de

Klirrende Kälte und unsichtbare Tre Cime.

Am Abend des ersten „richtigen“ Tages auf den Pässen suchen wir verzweifelt nach einer Unterkunft. Hotels haben zu, selbst Campingplätze haben zu und wir fahren teilweise 20km auf der Suche nach der nächsten Bleibe. Selten hatten wir solche Probleme bei der Suche. Aber irgendwie ist der Wurm drin und die Öffnungsdaten auf tripadvisor, foursquare und co scheinen nicht zu stimmen. Wir landen auf einem unterdurchschnittlichen Campingplatz, während Team Robin sich ein Hotel genommen hat. Schon Abends deutet sich eine eiskalte Nacht an und als es auch noch anfängt zu regnen, entschließen wir uns dazu trotz aufgebautem Zelt in dem Hotel zu bleiben, in dem wir gemeinsam mit Team Robin zu Abend essen. 300 Euro kostet uns nur die eine Nacht (plus die Kosten für die Parallelmiete des Campingplatzes), aber Sonat ist angeschlagen und wird sich am kommenden Tag auch noch übergeben. Insofern blieb uns keine Wahl und es war die richtige Entscheidung. Die Besatzungen des R8 und des Q7 bleiben am Campingplatz und erleben eine Nacht mit gefrorenen Zelten (R8) respektive gemütlicher Standheizung (Q7). Es ist auch die einzige Nacht seit Start von thepluses, in der wir nicht am selben Ort übernachten.

Der nächste Tag startet mit der bewussten Fahrt in eine „Sackgasse“. Wir fahren hoch zu den Drei Zinnen – oder Tre Cime – um uns den wohl beeindruckenden Anblick nicht entgehen zu lassen. Wir nehmen dafür auch bewusst in Kauf, dass wir hinterher wieder exakt die gleiche Strecke zurück fahren müssen. Aber irgendwie beschleicht uns auf diesem Roadtrip sowieso das Gefühl, dass wir immer wieder die selben Kreuzungen durchfahren und immer wieder gleiche Streckenabschnitte haben. Wir sind halt auf sehr kleinem Raum unterwegs. Die Tre Cime finden wir nicht, die Zufahrt zum letzten Stück Straße ist gesperrt und die Wanderzeit würde ca. 1 Stunde betragen. Die wollen wir nicht in Kauf nehmen und beschließen aufzugeben. Im Nachhinein eine falsche Entscheidung – wir hätten lieber ein wenig wandern sollen. Aus größerer Distanz können wir dann endlich die Tre Cime sehen, die drei spitzen Felsen, die Fingern gleich parallel in die Höhe gereckt sind.

Den restlichen Tag fahren wir mit einer beeindruckenden Routine Pass um Pass hoch und runter, besorgen zwischendurch Sonat in einer Apotheke etwas gegen seinen starken Husten (worauf er sich übergibt) und fahren anschließend entspannt nach Canazei, wo wir ein kleines Hotel aufgetrieben haben. Als letzten Pass des Tages fahren wir den Passo Fedeia (2057m) und sind dermaßen geflasht, dass wir ihn am liebsten filmen würden, obwohl wir unser Drehzeit-Pensum bereits aufgebraucht haben. Also beschließen wir kurzerhand: Wir bleiben zwei Nächte in dem sympathischen kleinen Hotel und verbringen einen Tag am Passo Fedeia. Denn wir sind auch extrem ausgelaugt. Besonders ich – da die Abende bis 3 Uhr morgens dauern und ich morgens um 6 zuverlässig von Sonat aufgeweckt werde. Jetzt im Nachhinein ist mir wieder unbegreiflich, wie man sich nach gerade mal 3 Tagen so extrem fertig fühlen kann wie ich es zu dem Zeitpunkt tat.

Im nächsten Teil zu thepluses Staffel 4…

Im nächsten Teil erzähle ich euch, was wir am Passo Fedeia so gemacht haben,  wie sich bei mir Frust breit gemacht hat und warum es die Beste Idee des gesamten Roadtrips war, gemeinsam mit Sonat Lebensmittel einkaufen zu gehen. Außerdem wie wir uns bei ätzendem Wetter und unter höchster Emotionalität (inzwischen ohne Team Robin) Richtung Gardasee bewegt haben und wie idyllisch die letzten Tage rund um Garda waren.

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