Mercedes-AMG S63 Cabrio Fahrbericht

Mit dem mokkaschwarzen Mercedes-AMG S63 Cabrio an der Côte d’Azur.

Man stelle sich die Côte d’Azur vor. Von Nizza über Cannes, Cagnes-sur-Mer oder gar Monaco bis an die italienische Grenze. Bei wunderschönem Wetter. Sonnenschein, Wärme auf der Haut. Eine leicht kühle, salzige Brise weht vom Meer herüber. Spielende, schreiende Kinder auf einem Platz in der Nähe, deren freudige Geräusche mal vom Wind zu dir und mal weg von dir getragen werden. Am Strand schlafende, das Sonnenbad genießende Menschen. Radfahrer und Spaziergänger, die an der Promenade von Cannes wild durcheinander laufen. Aus der Ferne schallt die Pop-Musik aus Modegeschäften oder aber man hört das Klappern von Geschirr aus einem der vielen edlen Restaurants.
Während man so die Situation genießt und eigentlich das Gefühl hat, dass man den ganzen Tag an Ort und Stelle sitzenbleiben könnte, immer mehr Eindrücke auf sich wirken lassen möchte, wirft man einen Blick über die Schulter und sieht am Straßenrand das Mercedes-AMG S63 Cabrio stehen. Mit geöffnetem Verdeck ein besonders einladender Anblick. Und da der Schlüssel zu diesem Cabrio in der Hosentasche steckt, ist die Idee mit dem Sitzenbleiben plötzlich gar nicht mehr so attraktiv. Nein, lieber in das S Cabrio einsteigen und die schiere Menge an südfranzösischen Eindrücken mit technoiden Eindrücken vervielfachen.

Der besondere Reiz eines Mercedes-AMG S63 Cabrios.

Denn in einem Cabrio fallen bekanntlich die bereits erwähnten Eindrücke nicht einfach weg. Sie sind immer noch da. Immer dann, wenn man etwas langsamer unterwegs ist oder an einer Ampel steht. Die Wind- und Abrollgeräusche flauen dann ab und machen Platz für eine Akustikkulisse, die man sonst nur außerhalb des Autos hat. Wenn man Glück hat, erreichen einen auch die Gerüche aus einem der bereits erwähnten edlen Restaurants der Gegend. Entsprechend bereitwillig lässt man Fussgänger vor dem Auto passieren. Denn so wird man zu einem Teil der umgebenden Landschaft.
Wenn das S Cabrio in ein bestimmtes Gefilde passt, dann in dieses. Weder auf der Rennstrecke noch in einer nördlicher gelegenen europäischen Innenstadt macht dieses Auto einen so leicht begreiflichen Sinn wie hier. Auch wenn die pralle Sonne hier an der Küste das Vergnügen „offen fahren“ auf Dauer natürlich etwas trübt. Aber hier hinterlässt das Mercedes-AMG S63 Cabrio mit seiner Größe, seiner – ja, ich sage das Wort – souveränen Ausstrahlung und seinem überbordenden Luxus einen bleibenden Eindruck. Die AMG-Variante S63 hat 585PS (zum Vergleich: Beim Mercedes-AMG C63s sind es 510PS) und ein waghalsiges Drehmoment von 900Nm. In keiner Lebenslage sollte dieses Aggregat jemals den Kürzeren ziehen müssen. Und um das zu beweisen, führt mich die Straße langsam weg von der ewig sonnigen Promenade inmitten der Lamborghinis, Bentleys und Ferraris durch ein wenig Stadtgetümmel hindurch hinaus in die sich hinter der Küstenlinie erhebenden Berge.

Bergstraßen mit dem Mercedes-AMG S63 Cabrio.

Das S Cabrio erweckt am ehesten den Eindruck eine Luxusyacht auf Rädern zu sein. Man sitzt in gigantischer Bestuhlung (vermutlich wiegt ein Sitz dreimal mehr als ich) umgeben von viel Leder, viel Chrom und viel Luft. Kleine Details und bewusst gewählte Designrichtungen geben das Gefühl eines großen Ganzen. So befinden sich die Lautsprecher der Burmester Soundanlage mit der filigranen Gitterabdeckung hinter der Fondbestuhlung auf dem Verdeckkasten. Die AMG-Felgen sehen aus wie aus dem Vollen gefräst. Ein breiter, selbstbewusster Chromrand umgibt die gesamte Gürtellinie des Fahrgastraums.

Aber sobald die Straßen kurvig werden, bleibt nicht viel vom Eindruck der Luxusyacht übrig. Vehement geht es mit dem Biturbo-V8 nach vorne und selbst enge Kurven bringen das S63 Cabrio nicht aus dem Gleichgewicht. Mit einer beeindruckenden Leichtigkeit und Sicherheit führt einen das Fahrwerk durch das Kurvengetümmel, während das 7-Gang Doppelkupplungs-Getriebe im Sportmodus immer den richtigen Gang anlegt um in der Kurve kaum Geschwindigkeit liegen zu lassen. Wankbewegungen sind dem S Cabrio ein Fremdwort, genau wie nervöses Fahrverhalten.
Dabei fühlt man sich am Steuer gar nicht sportlich gefordert wie etwa beim Mercedes-AMG SLC 43. Das dürfte dem langen Radstand, der Breite und der Masse von trocken 2.185kg geschuldet sein. Man kommt wahrlich schnell voran, aber für sportlich ambitionierte Fahrer, die Fahrdynamik erspüren möchten, ist der S63 freilich nichts. Für alle Anderen dürfte er die sehnlichst im eigenen Alltag erwünschte Entschleunigung bringen. Ähnlich wie bei einem edlen Chronograph dürfte man sich stets der Tatsache bewusst sein, dass man ein S-Klasse Cabrio hat. Und sich genauso wie beim Zeitmesser immer wieder an kleinen Details erfreuen. Außerdem hat man dann endlich wieder Zeit, die so typische Atmosphäre der Côte d’Azur zu genießen – das garantiere ich.

Übrigens: Bei den Sternbloggern findet ihr auch einen lesenswerten Fahrbericht zum S-Klasse Cabrio von Simon Laslo.

Fahrzeug: Mercedes-AMG S 63 4MATIC Cabriolet

Lackierung: Designo Mokkaschwarz Metallic
Felgen: AMG Schmiederäder im 10-Speichen-Design
Polster/Leder: Designo Exklusiv Nappa AMG sattelbraun/schwarz

Motor: 5,5l V8-Biturbo-Motor
Hubraum: 5.461 cm3
Leistung: 430 kW (585 PS)
Drehmoment: 900 Nm
Getriebe: AMG SPEEDSHIFT MCT 7-Gang-Sportgetriebe
Antrieb: 4MATIC Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,9s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 2/4
Verbrauch kombiniert: 10,4 l/100 km
CO2-Emission: 244 g/km
Preis: ab 187.484,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove