Mercedes-AMG SLC 43 Fahrbericht

Morgendliche Gefühlskultur an der Coté d’Azur.

Morgens aufstehen und die Gardinen des Fensters in Richtung Meer öffnen. Die Sonne lacht dir direkt ins Gesicht. Noch bevor du deine Zähne geputzt hast und noch bevor du dich richtig frisch fühlst packt dich dieses Gefühl von Vorfreude. Mit zerzausten Haaren öffnest du die Tür zur Terrasse. Nur einen kleinen Spalt. Aber genug um der maritimen Luft hier in der Nähe von Nizza den Zutritt zu deinem Raum zu gewähren. Genug, um die so beruhigend wirkende Akustikkulisse auf dich wirken zu lassen. Eine Mischung aus entfernter, distinktiv peitschender Meeresbrandung und Umgebungsgeräuschen verursacht von zwitschernden Vögeln und sachte im Wind schwankenden, großen Palmenblättern. Das Leben braucht manchmal keine zwei Sekunden, um dir klarzumachen, wie toll es ist auf dieser Welt zu sein.
Das Gefühl der Vorfreude kommt aber vor allem durch das, was dich nach dem Frühstück erwartet. Der Mercedes-AMG SLC 43 bietet den bekannten 3-Liter Biturbo V6 im knackigen Roadstergewand, das er schon hatte bevor er SLC getauft wurde. Aber mit dieser Motorisierung steht AMG drauf, es ist Hinterradantrieb drunter und es sind zwei tiefe Sitze drin. Für die Gegend rund um die Coté d’Azur also ein scheinbar passendes Rezept. Dabei ahnst du gar nicht, was dich erwartet.

Ein perfekter Tag mit dem Mercedes-AMG SLC 43.

In der ersten Sekunde überrascht der SLC 43, in der zweiten begeistert er. Aber langsam. Erstmal klingt der SLC 43 völlig anders als erwartet. Krasser, lebendiger und direkter als erwartet. So kenne ich diesen Motor gar nicht! Das Dach kommt sofort runter, das Meer bleibt zu unserer Linken und die Sonne streift gerade so über die felsige Küste nahe Saint-Jean-Cap-Ferrat. Ein blauer Renault Alpin begleitet uns ein Stück des Weges und spendiert auch noch wohligen verbleiten Benzingeruch. Damit wir noch schneller in Stimmung kommen. Der SLC fühlt sich klein und agil an. Ist er ja auch. ich liebe die tiefe Sitzposition und das steile Cockpit. Den gedrungenen Innenraum. Klassisch ist er auch, alte Schule sozusagen. Reduziert auf die Dinge, die in einem Roadster wichtig sind: Sitzposition weit hinten vor der Hinterachse, Motor vorn, Antrieb hinten. Kurzer Radstand, genug Leistung. Im Sport+ Modus jagen wir ihn durch die französischen, eng bebauten Innenstädte und horchen auf den von den hohen Hausfassaden zu beiden Seiten reflektieren V6-Klang. Ein langer Tunnel, als krönender Abschluss, führt am Ende hinter Saint André auf eine Straße entlang eines steinigen, trockenen Flussbetts. Driver’s Mekka schon zu diesem Zeitpunkt. Es kommen die ersten Kurven und nach der ersten kleinen Ortschaft beginnt die Anfahrt zum Col de Braus.

Ein Fahrerherz wie meines lässt sich schnell erweichen, wenn du in einer solch immer wieder auf’s neue inspirierenden Landschaft unterwegs bist, mit offenem Dach den Passanten und Mopedfahrern um den SLC herum lauschen kannst, die Sonne dir mit voller Wucht ins Cockpit knallt und der salzige Wind durch die Haare streift. Da ist es ja eigentlich schon erweicht, das Herz. Oder? Aber wenn du noch in der Stadt merkst, dass der Wagen dich am liebsten an der Hand nehmen will um dir wie ein kleines Kind an dieser zu zerren, um dich endlich mitzunehmen ins Kinderzimmer, dann kannst du dem halt auch nicht widerstehen. „Ja, ist ja gut kleiner SLC. Ich komm schon mit. Beruhig dich!“

Mit dem Mercedes-AMG SLC 43 am Col de Braus.

Und so beginnt er dann direkt vor dir, der Col de Braus. Brüchiges Asphaltband, ein paar enge Spitzkehren, schmale Straße und zum Glück eher weniger Verkehr. Ist ja auch noch früh, einige Franzosen parken gerade ihre Autos um frische Baguettes zu kaufen. Mir kommt’s gelegen. Ich liebe zu dieser Tageszeit die Helldunkelstruktur des groben französischen Asphalts, wenn sich durch die tiefe Sonne Schatten hinter jedem Asphaltbrocken bilden. Da starre ich drauf und genieße die mesmerisierende Wirkung, die sich linear zur gefahrenen Geschwindigkeit steigert. ESP kommt in den Sport Handling-Modus, eh klar. Und der Motor wird nochmal lebendiger. Zwischen 6.000 und 6.500 Umdrehungen (die auch die Redline markieren) klingt er nochmal extradreist. Beim Gas wegnehmen vor der Kurve brabbelt er dir was vor. Zackig geht’s um die Kurve und du merkst die Führungskräfte, die dir exakt ans Popometer durchgereicht werden. Er tänzelt ein wenig nervös hintenrum. Aber ist ok. Zu leicht wird er da hoffentlich nicht. Raus aus der Spitzkehre geht im ersten Gang auch schön quer. Nur weil’s Spaß macht, nicht weil man muss. Dank der amplifizierenden Sitzposition fühlt sich’s natürlich auch krasser an, als es von außen ist. Auf der Geraden stehen dank 9G-TRONIC neun Gänge zur Wahl, auf Wunsch rein manuell. Aber wer hätte gedacht, dass der SLC mit diesem 367PS starken Biturbo-V6 zum fahraktiven Habenwillauto mutiert? Einer dieser Momente kündigt sich an, in denen man am liebsten ein Feuerzeug nehmen will, um die Hände mit dem Lenkrad zu verschmelzen. Wäre zwar eklig, aber müsste man in Kauf nehmen. Damit einem bloß keiner das Auto wegnimmt.

 

 

Fahrzeug: Mercedes-AMG SLC 43

Lackierung: Designo Cerussitgrau Magno
Felgen: 18″ AMG Leichtmetallräder im Vielspeichen-Design, hochglanzschwarz lackiert und glanzgedreht
Polster/Leder: Exklusiv Nappa / Mikrofaser DINAMICA schwarz

Motor: 3l V6-Biturbo-Motor
Hubraum: 2.996 cm3
Leistung: 270 kW (367 PS)
Drehmoment: 520 Nm
Getriebe: 9G-TRONIC
Antrieb: Hinterradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,7s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 2/2
Verbrauch kombiniert: 7,8 l/100 km
CO2-Emission: 178 g/km
Preis: – €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove