Mercedes Brand Workshop Tag 2 (2): Teststrecke

Teaser Mercedes SL63 AMG

Das Beste kommt zum Schluss, ist das nicht immer so? Im Falle des Markenworkshops war es ein Besuch der Teststrecke von Mercedes in Malmsheim (ein alter Flugplatz) mit der Gelegenheit alle aktuellen Modelle (so ziemlich) mal probezufahren.

Die folgenden Bilder sollen einen kleinen Eindruck vermitteln was da so alles schön in Reih‘ und Glied für uns bereitstand:

Malmsheim Mercedes Überblick Testfahrzeuge

CLS, CL65 AMG, SL, SLK, SLS, Smart, A-Klasse, C-Klasse, S-Klasse, Maybach… diese Nomenklatur lässt sich beliebig fortführen. Die Fahrzeuge die auf dem Foto zu sehen sind waren zur Ausfahrt über Autobahn und Landstraßen, aber dazu später mehr.

Zu allererst ging es auf den Handlingkurs, einen kleinen engen mit pylonen abgesteckten Parcour auf dem Spitzkehren und kurze Geraden auf uns warteten. Sechs Personen, sechs Fahrzeuge und dann wurde durchgewechselt. Auch wenn es nur ganz kurz geht, man erhält einen kleinen Überblick über die verschiedenen Fahrzeuge von weicher S-Klasse bis zum beinhartem SLS AMG, dazu ein schwächlicher Smart electric drive der dank Bremskraftrückgewinnung bei der Bremskraft nicht durch ein gefühlvolles Bremsen in irgendeiner Form ermöglichte. Natürlich war für mich der SLS AMG das absolute Highlight. Für andere wie die Blogger von mein-elektroauto.com und Konsorten war es hingegen der F-Cell.

Aber wir waren gerade beim SLS AMG. Endlich mal drinsitzen und eeendlich mal fahren. Ich bin begeistert. Das Auto passt wie ein Handschuh, zum Schließen der Tür muss man gezwungenermaßen wieder mit einem Bein aus dem Auto aussteigen – sonst kommt man nicht an den Türgriff. Alles kleine ungemütliche Details die das Auto so sympathisch und ungewöhnlich machen. Jedem musste erklärt werden dass die Automatik über eine Taste auf Parken gestellt wird. Bewegt man nur den Hebel nach vorne hat man statt wie sonst üblich Parken nämlich den Rückwärtsgang drin. Ich finde das toll. Da denkt nicht einer: Wie können wir es möglichst für alle angenehm machen das Auto zu verstehen. Nein, da denkt einer: Wie kann ich ein Auto so machen dass nur der Besitzer denkt er könne das Auto richtig fahren. So gehört sich das. Vernunft: bitte abspringen! Der Klang des V8-Motors kommt Musclecars aus den 60ern nahe wie sonst selten ein Auto deutscher Herkunft. Keiner der Teilnehmer konnte es sich verkneifen das Gaspedal ganz durchzupressen bis der Motor im Drehzahlbegrenzer seinen Unmut mit einem lauten kernigen Knacken in die Umgebung bläst. Ein faszinierendes Stück Technik. Der Innenraum ist wunderschön gestalter, kalt und technisch. Zwischen Fahrer und Beifahrer befindet sich knapp über Augenhöhe in der Mitte eine dicke breite Wulst am Dachhimmel, dort wo vermutlich die Scharniere der Flügeltüren liegen. So hat man das Gefühl sich etwas mehr strecken zu müssen um den Beifahrer oberhalb des Daches wiederzufinden, mit den Köpfen im freien Fahrtwind (was natürlich NICHT möglich ist) – oder zu ducken um sich ansehen zu können. Natürlich scheint es nur so: Tatsächlich ist diese „Wulst“ kein Problem. Der Schweller hat auch die kantigen Kastenformate wie alles andere an dem Auto: So breit und hoch dass…. ich in meinem jungen Alter jedenfalls keine Probleme habe rein und raus zu kommen. Allerdings ist der feste Griff an die A-Säule bei „Reindrehen“ des Hintern fast schon obligatorisch. Leider war viel zu wenig Zeit um sich alle Details zu Gemüte zu führen.

Interieur des SLS AMG in rot/schwarz

Mercedes SLS AMG Türen offen einladend

Mercedes SLS AMG Impressionen Frontpartie und Xenon-Schweinwerfer

Mercedes SLS AMG kraftvolles Heck mit geöffneten Flügeltüren

Auf dem letzten Foto ist Kim-Christopher Granz vom tollen Designblog designlovr.net zu sehen. Er hat sich übrigens für die Testfahrt direkt als erster mal den Maybach gesichert. So macht man das! Danach war noch Zeit einzelne Fahrzeuge auf fest ins Navi programmierten Routen zu fahren. Ich wollte anfangs eigentlich den CLS und den CL, irgendwann aber hatte ich dank der ganzen Fahrerei nicht mehr einen ganz so dringenden Wunsch genau diese zwei Fahrzeuge probezufahren. So wurde es der SL63 AMG. Für mehr war dann auch keine Zeit (Muss ja irgendwie mit meinem Z3 wieder nach Köln kommen, nicht wahr?). Im folgenden also ein paar Worte zum SL63 AMG – noch besser: Erst ein paar Fotos zur Einstimmung.

Mercedes SL63 AMG Front

Mercedes SL63 AMG Heck

Ist es nicht schön, das Stuttgarter Ländle? Und passt es nicht hervorrangend zum SL? Ja, wenn man hier so durch die grüne Landschaft fährt und das Blubbern des V8 hört, denkt man sich: Hach, hier müssen die Ingenieure unterwegs gewesen sein als sie den SL im Kopf hatten. Zu groß um ernsthaft als Roadster durchzugehen. Eher der Langstreckencruiser ohne Verdeck. Aus eben diesem Grund fand ich den SL nie besonders toll. Ich überlasse diese Fahrzeuggattung lieber den netten graumelierten Herren jenseits der 45, die sich damit in der Ehrenstraße in Köln oder ähnlichen Flaniermeilen einen Parkplatz sichern möchten. Ich wäre auch nie auf die Idee gekommen – so direkt – den SL probezufahren. Doch man täuscht sich eben auch mal. Draußen, nicht in der Stadt. Draußen, auf dem Land. Dort passt der voluminöse V8 perfekt in dieses Breitschiff und meisselt mit jedem Zucken des Gasfusses ein wenig mehr das Lächeln ins Gesicht. Welche Strecke hat die meisten Tunnel? Gibt es einen Kreisverkehr der komplett ein ringförmiger Tunnel ist? Falls ja: Man schnappe sich den SL63 und fahre auf dem kürzesten – ähem, längsten – Weg dorthin.

Sobald man drinsitzt und vom grauen Leder empfangen wird, von dem Ledergeruch und den ordentlich dimensionierten Sitzen. Sobald man die Zündung einschaltet – auf Stufe 1. Dann etwas wartet, sich innerlich vorbereitet und den Zündschlüssel vollends dreht, fühlt man sich irgendwie am Lago Di Como, auf einer netten kleinen Yacht. Einem kleinen Boot mit einem ebensolchen V8 Motor. Dazu passt ja die Epoche einer Brigitte Bardot oder eines Steve McQueen. Einfach zurücklehnen und den See befahren. Das möchte man auch mit dem SL. Ein Ziel gibt es nicht. Die Ausfahrt endet immer im selben Yachthafen. Es geht auch gar nicht um das Ziel, das wäre zu banal. Es geht um die Erfahrung des Weges, das Gefühl das einem das Auto mitgibt nachdem man ausgestiegen ist. Das etwas Erholung das man sonst im Alltag nicht bekommt. Auf dem Tacho verschwimmen 50 und 100 zu einer Einheit. Man kann gar nicht sagen wie schnell man gerade fährt. Der Zeiger scheint auf der selben Stelle zu stehen egal wie schnell man fährt. Irgendwann muss man immer bremsen – leider. Spätestens hinter dem nächsten LKW. Da hat der See dann doch einen kleinen Vorteil. Für alle diejenigen denen der Weg ans Mittelmeer oder den nächsten großen See zu weit ist empfehle ich den SL63. Die LKWs kann man sich auch wegdenken mit etwas Mühe. Es interessiert einen eh nicht, wenn man dem blubbern des Motors horcht und sich immer wieder etwas zurückfallen lässt –  nur um kurz zurückschalten zu können und wieder etwas zu beschleunigen.

Hat man es doch eilig begibt man sich auf die Autobahn und drückt ordentlich das Gaspedal durch – gerne auch bei manueller Schaltung (dank metallener Schaltwippen – endlich! – auch ein sattes Gefühl). Der Motor dreht voll aus und noch bevor man die linke Spur erreicht hat befindet man sich jenseits der 250. Ausser den gefühlt fast schon stehenden anderen Verkehrsteilnehmern deutet nur der etwas lautere Orkan oberhalb des Kopfes auf die Geschwindigkeit hin. Das Fahrgefühl selbst ändert sich nicht. Eher wird man im Gefühl bestätigt, dass man gerne auch bei dieser Geschwindigkeit mal eben einparken könnte. Hektik kommt nicht auf und falls nötig packen die Bremsen zu dass es einem das Genick an die Vorderzähne drückt. Das einzige was also zur Vollendung des Hochgefühls fehlt ist der Wellengang. Aber das würde ja nicht für ein gut abgestimmtes Fahrwerk sprechen.

Die 21,9 Liter im Schnitt laut Bordcomputer (Bild unten) sind nur ein kleiner Beitrag den man zu leisten gewillt ist. Ich persönlich auch allein schon dafür den Klang des Motors im Stand in der Garage genießen zu können. Fahren ist nur der Bonus. Ich habe meine Meinung über den SL geändert. In 45 Minuten.

Mercedes SL63 AMG Xenon-Scheinwerfer

Mercedes SL63 AMG Dashboard Cockpit Interieur

4 Antworten auf „Mercedes Brand Workshop Tag 2 (2): Teststrecke“

    1. danke bob… ich vermute mal damit kommt die Kamera wieder in die enger Auswahl für deinen Dad? 🙂
      Wann gibts eigentlich das neue Design für deinen Blog? Nerv ich schon? :o)

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