Mercedes-Benz C 300 h (W205) Fahrbericht

Mit dem Mercedes-Benz C 300 h in Marseille.

Ich kann es Ihnen nicht übel nehmen, dass Sie dann doch etwas länger brauchen um die Straße zu überqueren. Kann sein, dass sie es in Marseille nicht gewöhnt sind. Dass ein Auto an einem Zebrastreifen anhält und sie passieren lässt. Vielleicht blicken sie mich deswegen intensiv an. Viel wahrscheinlicher ist es aber, dass sie die nagelneue C Klasse genüsslich verschlingen.

Ihre Blicke springen zwischen mir und dem Scheinwerfergesicht des Mercedes-Benz C 300 h hin und her. Ähnlich wie man irgendwie unbewusst einer attraktiven Frau immer wieder in ihr Dekolleté stiert.

Entschuldigen kann man sich dafür, vielleicht auch wie es sich für einen Gentleman gehört die von der Dame folgende hochgezogene Augenbraue gekonnt mit einem Kompliment übertünchen. Bei der C Klasse muss man sich nicht entschuldigen. Man kann so lange es beliebt hinstarren. Sie spielt mit ihren Reizen und ruft selbstbewusst hinaus: Ich bin der attraktive, wohlproportionierte Sprössling der Marke mit dem Stern.

Und ich habe eine Mission in Marseille: Ich suche nach der einen Person, die sich als erstes in die C Klasse verliebt. Mit dem wunderschönen Gesicht der E-Klasse, nur etwas kompakter und dem Heck von der S Klasse sollte das nur eine Frage der Zeit sein. Während bei der S-Klasse die Heckleuchten jedoch im Vergleich zum massiven Heck zu klein wirken sind sie bei der C Klasse Spot-on. Aus mancher seitlicher Perspektive kann man sogar ein wenig SLS entdecken.

Radstand, Überhänge, Proportionen: Alles ist bei der C Klasse so, wie es sein soll. Besser als bei der S Klasse, besser als bei der E Klasse. Bravo!

Also wo ist sie? Die Eine, die beim Anblick des Mercedes vergisst wo sie gerade hinwollte? Oder der Eine, der das Gespräch an seinem Handy unterbricht wenn er den Mercedes-Benz C 300 h sieht?

Also bewege ich die C Klasse langsam und behäbig durch die verwinkelten Straßen von Marseille und lasse ihren souveränen Auftritt auf mich abfärben. Dazu sind Autos doch da, oder? Um die eigene Persönlichkeit ein Stück weit zu bestärken oder eine zusätzliche Eigenschaft hinzuzufügen. Natürlich muss man dazu auch selbst zum Auto passen. Ich stelle mir da vor: Ein silbern melierter Herr in den mittleren 40ern, schwarzer Nadelstreifenanzug. Unbedingt Manschetten, keine Knöpfe. Die Krawatte längst abgenommen, den obersten Knopf des Hemdes geöffnet. Das bin vermutlich dann eher nicht ich. Aber zumindest den Anzug würde ich mir gerade wünschen. Stattdessen nur Bluejeans und T-Shirt. Nun ja, lässt sich nicht ändern. Die Sonne steht tief, vielleicht sind die Spiegelungen auf den Scheiben so stark, dass die freundlichen Marseillais meine Person nur vage wahrnehmen und den Rest ihrer Phantasie überlassen können.

Ich fahre den Mercedes-Benz C 300 h, 231 PS Systemleistung und ein Drehmoment von 550Nm (plus 260Nm per Elektromotor). Mit ihm ist rein elektrisches Fahren bis 27 km/h und der Segelbetrieb (Abschaltung des Vierzylinder Dieselmotors bei lastfreiem Fahren, bspw. bergab) möglich. Eine Sache stört mich während der Fahrt jedoch besonders: Gerade im Stadtverkehr geht der Motor natürlich bei jeder Gelegenheit aus. An sich aus Emissionsgründen sehr zu begrüßen. Doch möchte ich den interessierten Passanten nicht antun, was beim kurzen Gas geben passiert. Schließlich möchte ich ja jemanden sehen, der sich in die C Klasse verliebt. Und das Anspringen des Dieselmotors kommt einer Schönheit gleich, die im nächsten Moment lautstark rülpst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Franzosen das als attraktive Eigenschaft wahrnehmen. Also stelle ich den “Agility”-Wählschalter auf den Sport-Modus und lasse damit den Dieselmotor akustisch zurückhaltender dauertuckern. Abgesehen davon ist das Sport-Setting der optionalen Luftfederung Airride beileibe keine brettharte Sache. Sport steht hier noch für höchsten Komfort und ist gibt nur etwas mehr Rückmeldung bezüglich der Straßenbeschaffenheit. Es muss ja auch noch Luft nach oben für den C63s AMG geben. Die deutlich direktere Gaspedal-Kennlinie ist auch ein Pro-Argument für den Sportmodus.

Ansonsten muss es in der C Klasse gar nicht sportlich zugehen. Sie ist das, was ich unter einer Limousine verstehe. Was will ich mit Sportlichkeit in der Stadt? Stattdessen nutze ich jeden Zwischenstopp (von denen man in Marseille viele hat) um die verschiedenen Oberflächen und Materialien im Innenraum zu streicheln. Bei dem, was man da so erfühlt und erblickt bleibt einem der Mund offen stehen.

Nie habe ich eine so konsequente Durchsetzung eines Designansatzes in einem Auto gesehen.

Keine einzige Taste erweckt den Eindruck aus einem Massenteile-Regal zu stammen. Kein Knöpfchen dass wie ein Fremdkörper aus schwarzem Plastik hervorsticht. Jedes Element ist perfekt in die jeweilige Oberfläche eingelassen, jede Linie und Rundung ist in ihrer Einfachheit perfekt. Was früher eine knubbelige Taste war ist jetzt eine gerade Fläche, die außer durch die feinen Fugen als Umrandung kaum als solche wahrzunehmen ist. Die Mittelkonsole schwingt sich aus einem einzigen Stück Material vom aufgesetzten Navi-Display bis in die Mittelarmlehne (zumindest bei der Automatik). Diffuses LED-Licht erleuchtet den Raum unter Zierleisten und Mittelkonsole und erweckt so den Eindruck, dass die Flächen im Auto schweben. Die teure Designer-HiFi-Anlage wird oft als Vergleich herangezogen. Doch hier findet man genau das: Ein Innenraum, der komplett aus einem Guss ist, ohne Wenn und Aber auf das Ziel ausgelegt Modernität und Zeitlose Eleganz zu verbinden. Ihr merkt vielleicht an meinen Worten ein wenig wie schwer mich dieses Auto beeindruckt hat und es ist etwas Schönes so etwas bei immer ähnlicher werdenden Autos noch erleben zu können.

Dann wäre da noch die neue Touchoberfläche, die sich einer Klaue gleich über das altbekannte Drehrad für das COMAND-System legt. Auch wenn ich aus Routine eher auf das Drehrad zurückgegriffen habe: Die Funktion der Touchoberfläche macht richtig Spaß und geht leicht von der Hand. Drücken, Streichen, Pinchen, Scrollen: Alles wie Unsereins es von Touchgeräten kennt und die einzige Möglichkeit die Mercedes hat um weiterhin keine Touchdisplays anbieten. zu müssen. Fingerabdrücke auf dem Display sehen im schwäbischen Auto halt nicht gut aus, oder? Warum man die Redundanz gewählt hat und beide Bedienungskonzepte nebeneinander anbietet, kann ich mir denken. Man würde wohl die bisherige Klientel durch die radikale Umstellung vor den Kopf stoßen. Dass dieser Kompromiss zum absoluten Designhighlight in der C Klasse avanciert und somit das Negative zum Positiven wird ist halt typisch Mercedes.

Am liebsten würde ich ja einer adretten jungen Marseillais den Innenraum vorführen.

Doch ist es auch hier wie bei den Menschen. Erst muss einen das Äußere für sich einnehmen, bevor man sich auf die Reise machen kann um die inneren Werte und den wahren Kern zu erforschen. Sich gegenseitig kennenzulernen und natürlich auch sich vorsichtig gegenseitig zu betasten. Die C Klasse erträgt still jede Berührung und umschmeichelt den Körper mit feinem Leder einerseits und bedufteter, ionisierter, kühler Luft (Air-Balance) andererseits. Klar: Teilweise Aufpreis pflichtig, teilweise richtig teuer. Aber den Gesichtsausdruck der eben genannten jungen Dame zu sehen: Unbezahlbar. Also suche ich weiter, ausgerüstet mit “Nightlife Mood” und anderen Genüssen.

Meine Route quer durch Marseille, ohne Ziel oder Plan führt mich am Ende auf einen abgelegenen Parkplatz irgendwo auf einer Anhöhe. Sackgasse. Es geht nur zurück. Ich parke das Auto und überlege. Die Zeit wird auch langsam knapp, die ersten Strahlen der Sonne verschwinden tiefrot am Horizont. Panik macht sich breit. Ich muss doch wohl eine Person finden, die meinem Anspruch genügt und der C Klasse ihre Liebe bekundet? So viele sehen ihn sich an aber bei Jedem und Jeder dachte ich mir: Nein, es muss mehr sein als nur ein paar Blicke. Es muss ein Geständnis sein. Bin ich zu wählerisch?

Während ich mein weiteres Vorgehen überlege kann ich kaum glauben was sich von hinter mir auf dem Parkplatz seinen Weg in mein Bewusstsein sucht. Da steht ein kleiner Ghettoblaster und aus den Lautsprechern dröhnt laut ein blechernes “99 Luftballons / Auf ihrem Weg zum Horizont”. Daneben ein Jugendlicher und zwei Mädels. Sie unterhalten sich auf Französisch über das Auto. “Ist das eine A-Klasse?” “Oder eine E-Klasse?” Sie beschäftigen sich mit dem Mercedes.

Und mal ehrlich: Kann es ein besseres Liebesbekenntnis an einen Mercedes geben als extra für ihn im Herzen Frankreichs “99 Luftballons” abzuspielen?

Achtung: Auf den Fotos ist teilweise eine andere Motorisierung zu sehen!

Fahrzeug: Mercedes-Benz C 300 h

Motor: 2.143cm³ R4 Turbo-Dieselmotor, Elektromotor
Antrieb: Heckantrieb
Leistung/Drehmoment: 204PS + 27PS (150kW + 20kW) / 500Nm + 250Nm
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,4s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 244 km/h

Getriebe: 7G-Tronic Plus
Türen/Sitze: 4/5
Verbrauch kombiniert: 3,6l/100km
CO2-Ausstoß: 94g

Ausstattungen (Auszug): COMAND Online Navigation, Air-Balance, Lederausstattung, Intelligent Drive bestehend aus Attention Assist, Distronic Plus, BAS Plus, Pre-Safe, Toter-Winkel-Assistent

Preis Testfahrzeug: 47.153,75 €

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