Mercedes GLE 350d 4MATIC Fahrbericht

Mit dem Mercedes GLE 350d auf der A2 Richtung Berlin.

Zu meiner Linken und zu meiner Rechten die sich aufbauenden Cumuluswolken, sich immer dichter drängend und um Herrschaft am Himmel kämpfend. Ich dazwischen im Mercedes GLE 350d 4MATIC auf der schnurgeraden Autobahn, immer wieder mit Blick nach oben. Hoffend auf ein gutes Ende. Knapp 500km habe ich noch vor mir, fast 100 bereits hinter mir. Das Weltende scheint hier auf der Bundesautobahn 2 in greifbare Nähe gerückt zu sein. Immer dichter werden die Wolken, immer heftiger die kurzen Regenschauer. Bald schon erlauben sie keine 50 Meter Sicht. Und verschwinden ähnliche schnell wieder, wie sie auftauchen. Peitschenhieben gleich zischt der Regen über die Windschutzscheibe und lässt die Scheibenwischer im Millisekundentakt über das Glas tanzen.

Ich bin froh im Trockenen zu sitzen, komfortabel im Schosse des GLE 350d. Der Regen auf der Karosserie kann mich kalt lassen, ich bemitleide nur jeden, der gerade keine Fluchtmöglichkeit vor dem kalten Nass hat. Der 3 Liter Diesel schüttelt die großen Regentropfen von den Wülsten auf der Motorhaube, die man vom Fahrerplatz aus sehen kann. Tränen gleich kullern sie an den Seiten herab und werden dann vom Fahrtwind bei 150 km/h Richtung Windschutzscheibe gedrückt. Die Taktung der Schauer wird immer knapper, kaum noch findet sich dazwischen eine Trockenphase. Ich kann aber ganz gelassen bleiben und mit eingeschaltetem Tempomat meiner Fahrspur folgen. Nur die eingeschränkte Sicht oder stehende Pfützen auf dem Asphalt bremsen mich hin und wieder ein.

100 Kilometer später scheint das Weltende aufgegeben zu haben. Die Cumuli brechen auf, geben der Sonne ihre Bühne und lassen die gesamte Landschaft in satten, klaren Farben erscheinen. Dieser Moment nach einem Regenschauer, wenn die Luft frei ist von Staub, lässt die Welt so einladend und freundlich wirken. Fast surreal sind die Farben und die verbliebenen Wolken geben der Kulisse eine besondere Dramatik. Ich nutze den Moment um mich aus dem schützenden GLE 350d herauszubegeben und abseits der A2 ein paar Fotos zu schießen. Dann geht es weiter mit gehabtem Tempo. Der GLE ist eben ein Kilometerfresser, wenn auch der große Diesel sich durchaus das eine oder andere Schlückchen gönnt. Dauergas wird gnadenlos mit Verbräuchen deutlich jenseits der 10 Liter auf 100 km abgestraft. Trotzdem, im Moment bin ich froh in diesem Auto zu sitzen, kaum etwas von den schlechten Straßenverhältnissen zu merken, meine Spotify-Playlist laufen zu lassen und gerade jetzt entspannter zu sein, als vor Beginn meiner Fahrt nach Berlin.

Die Natur auf Angriff.

Als ich so das Weltende längst vergessen und hinter mir gelassen habe sehe ich vor mir schlagartig aufleuchtende Bremsleuchten. Ich lasse die DISTRONIC bremsen und mich knapp hinter das letzte Fahrzeug manövrieren. Durch den folgenden Fünfminutenstopandgotraffic fährt mich ebenfalls die DISTRONIC. Der adaptive Tempomat regelt dabei die Geschwindigkeit bis zum Stillstand. Nachdem die Stop&Go-Automatik den Motor abgeschaltet hat reicht ein kleines Tippen auf das Gaspedal oder den Tempomat-Lenkstockschalter um die DISTRONIC wieder zu aktivieren. Nach einem Kilometer sehe ich den Grund für den Stau: Vier Autos sind von der Fahrbahn gerutscht, der Boden ist bedeckt mit Schnee oder Hagel. Einer kalten, weißen Masse jedenfalls. Kurz danach ist die Fahrbahn wieder trocken und ich kann nach und nach wieder Gas geben. Was war das nur? Auf 100 Autobahn-Metern Winter? Ich bleibe vorsichtig.

Mercedes GLE 350d auf der A2 bei HagelDer Verkehr lockert wieder auf, ich fahre gemütlich 120 km/h und widme mich wieder meiner Freizeitbeschäftigung, genieße die Langstrecke und die bequemen Sitze. Beobachte die Umgebung von meiner hohen Warte aus, die mir immer Überblick über die Verkehrssituation direkt vor mir verschafft. Und dann innerhalb von Sekunden bremsende Autos um mich herum. Einen Bruchteil einer Sekunde später spüre auch ich, wie die Reifen des GLE matschige Hagelkörner vor sich her schieben. Von einem Moment auf den nächsten merkt man schon bei leichtem Bremsen, dass das ABS sofort greift und am Bremspedal rüttelt. Runter vom Gas und Fuss weg von der Bremse. Das Fahrzeug schwimmt stellenweise leicht auf, bloß keine hektischen Lenkbewegungen!

Doch erinnere ich mich daran, dass ich in einem voll geländefähigen SUV sitze, der nur so gespickt ist mit Elektronik, die einem je nach Beschaffenheit des Untergrunds und der Steigung die bestmögliche Performance bietet. Ich stelle also das Moduswählrad des DYNAMIC SELECT auf „Schnee“ (oder: „winteroptimiert“)… und entspanne. Mit gleichmäßiger Geschwindigkeit verdränge ich das glatte Nass, stanze meine Fahrrinnen in das Eis und lasse die anderen Autos links und rechts von mir unbeeindruckt stehen. Der GLE zuckt kein Stück zur Seite, sondern sucht sich seinen Weg und holt mich aus dem Mist heraus. Immer mehr Spaß macht es mir, begleitet vom sonoren Brummen des V6-Motors, durch diese Spielwiese des Wettergottes zu fahren. Der 4MATIC-Allradantrieb verteilt die Kraft so auf die Räder, dass ich immer Grip habe und wie auf Asphalt fahren kann – nur eben ein wenig lustiger. Was soll mir der Tag jetzt noch in den Weg legen?

Nach weiteren 300 Kilometern und sicherer, entspannter Ankunft in meinem Berliner Hotel beschließe ich, dass mich das Weltende nicht mehr beeindruckt. Ob Regen, Schnee, Schlamm, Dreck, Sonne, Sand oder Wasser. Mit dem GLE darf alles kommen.

 

Fahrzeug: Mercedes-Benz GLE 350d 4MATIC

Lackierung: designo diamantweiß bright
Felgen: 17″ Leichtmetallräder
Polster/Leder: Leder Nappa/Leder zweifarbig porzellan/schwarz

Motor: 3,0l V6-Dieselmotor
Hubraum: 2.987 cm3
Leistung: 190 kW (258 PS)
Drehmoment: 620 Nm
Getriebe: 9G TRONIC
Antrieb: Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 7,1s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 225 km/h

Türen/Sitze: 5/5
Verbrauch kombiniert: 6,6 l/100 km
CO2-Emission: 179 g/km
Preis: ab 61.047,- €

Bildquelle: Driver’s Groove / Can Struck