Audi A7 Sportback (4G) Fahrbericht

Mit dem Audi A7 Sportback auf der Suche nach der inneren Stimme.

Überall und immer Stress. Es nimmt kein Ende. Ob Arbeit oder Privatleben spielt keine Rolle. Das ständige Rauschen in den Ohren, das Dauergeplänkel im Hintergrund und keine Möglichkeit abzuschalten. Man schwimmt so dahin, im Alltag. Immer die gleichen Routinen, bloß keine Gedanken machen ob denn alles so richtig läuft. Und ob man Glücklich ist? Die Frage kann man sich längst nicht mehr beantworten. Zu viele unangenehme Gedanken würden an die Oberfläche des Bewusstseins treiben und versumpfen. Der leere Blick in die Ferne ist zum Markenzeichen geworden, längst hört man nicht mehr genau hin was Andere so zu sagen haben.

Man hat es doch schon alles tausendfach gehört.

Etwas an der Situation zu ändern kommt nicht in Frage. Tausend Abhängigkeiten, Beziehungen, Verpflichtungen. Wer kann heute noch sagen dass er wahrlich frei ist? Pessimistisch gesprochen: Keiner. Optimistisch gesprochen: Kinder. Vielleicht noch pubertierende Jugendliche. Aber selbst die müssen heutzutage auf alles und jeden Rücksicht nehmen.

Es hat keinen Zweck. Den Blick starr auf die Straße gerichtet rauscht das Leben links und rechts an den Seitenscheiben vorbei. Dabei ist das Leben doch zu kurz um auch nur eine Sekunde zu verschenken.

Ältere, kluge Menschen erzählen davon, dass man es bereuen würde. Irgendwann. Später. In ferner Zukunft, die dann doch nicht so fern ist.

Aber manchmal kann man doch abschalten oder besser gesagt: In sich selbst gehen und der inneren Stimme horchen. Die hat einem immer viel zu erzählen. Der stete Strom an Gedanken nimmt dann gar kein Ende. Wenn man in einem solchen Gefäß ist, einem Kokon geradezu, der einen abkapselt und spricht „nimm dir Zeit!“, dann sieht man das Leben mit einer Klarheit, die einem sonst immer verborgen bleibt.

Dann darf auch die Zeit an einem vorbeirauschen. Scheißegal. Wenn mich ein Auto dazu animiert das Konzert in F-Dur von Vivaldi, gespielt von der begnadeten Cellistin Sol Gabetta, anzuhören, dann zeigt es sich schon vor der ersten Ausfahrt als ein solcher Kokon. Und wenn ich mich reinsetze, die Tür nur anlehne damit sie zugezogen werden kann und den Startknopf betätige um von einer Aura weißen und roten Lichts umfangen zu werden, dann bereite ich mich zu diesem Zeitpunkt mental schon seit geraumer Zeit auf diesen Moment der Selbsterkenntnis vor.

Der Audi A7 Sportback lässt einfach sämtliche Geräusche draußen. Braucht einen ja auch nicht kümmern. Die Hochtöner der grandios abgestimmten Bang&Olufsen Soundanlage fahren aus dem Armaturenbrett, das Display empfängt einen mit einer stilisierten Strichzeichnung des Audi A7 Sportback und der nächste Griff geht direkt an den Wahlschalter für die Massagefunktionen des Sitzes. Der wölbt sich dann nicht nur – wie sonst bei derartigen Funktion – lustlos ein klein wenig, sondern walgt den Rücken mit ordentlicher Kraft deutlich wahrnehmbar durch.

Wer hat gesagt, dass es bei einem Auto um das Fahren geht? So ein Schwachsinn. Die Autos sind inzwischen so weit entwickelt, dass die Fahreigenschaften kaum noch eine Rolle spielen.

Viel eher soll sich ein Auto als Rückzugsmöglichkeit, als Teil des Lebens, ja gar als Lebensgefährte verstehen.

Und bei dem mag man es ja auch wenn er neben Reden und Essen vielleicht noch toll singen oder massieren kann.

Es sind viele kleine Dinge, die im Zusammenspiel den A7 zu eben einem solchen Partner machen. Er entscheidet was wichtig und unwichtig ist, womit er einen behelligen soll. Er lenkt mit, er bremst mit, er gibt alleine Gas, er klimatisiert überdurchschnittlich gut, er unterhält und er hat genug Power um sein Auftreten zu rechtfertigen und den Straßenstress hinter dem hübschen Heck zu halten. Äußerlich und innerlich kommt er so elegant daher, dass man sich selbst vor dem Einsteigen immer erst im Spiegel betrachtet. Ob man denn selbst auch ein wenig Eleganz verströmt. Und schließlich: Er bringt das Gute in einem zum Vorschein. Wenn man es nie eilig hat und gerne anderen den Vortritt lässt.

Wenn man das Leben dann noch so erwischt hat, dass man viel unterwegs sein muss, viel allein ist und viele Gedanken im Kopf umherschwirren, dann weiß man einen solchen Partner zu schätzen. Bei exakt 170 km/h erreicht der Audi A7 Sportback seinen Höhepunkt. Dann fühlt sich alles perfekt an. Die Geschwindigkeit passt zum Gefühl und die Abroll- und Windgeräusche gleichen dem gleichmäßigen Rauschen, das man in einem Flugzeug wahrnimmt. Endlich angekommen in der ersten Klasse, umgeben von edlem Leder (Valcona Goabeige) und erlesenem Holz (Eiche Beaufort). Doch mit einem entscheidenden Unterschied: Im A7 ist man – so man es denn will – allein für sich. Glücklich für den Moment und mit sich selbst im Reinen. Und dann ist das Leben doch wieder in der eigenen Hand, mit allen Möglichkeiten die sich bieten.

Update: Inzwischen findet ihr hier auch einen Fahrbericht zum Audi RS7 Sportback.

 

Fahrzeug: Audi A7 Sportback 3.0 TFSI quattro

Lackierung: Phantomschwarz Perleffekt

Motor: V6-Zylinder-Ottomotor
Hubraum: 2995 cm3
Leistung: 228 kW (310 PS)
Drehmoment: 440 Nm

Getriebe: 7-stufiges Doppelkupplungsgetriebe S tronic
Antrieb: Allrad Audi quattro
Beschleunigung 0-100 km/h: 5,6 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 5/5
Verbrauch kombiniert: 8,2 l/100 km
CO2-Emission: 190 g/km

Driver’s Groove Bewertung: 09/10

Preis Testwagen: 106.765,- €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

3 Antworten auf „Audi A7 Sportback (4G) Fahrbericht“

  1. Schöne Worte über einen echten Schönling. 🙂
    Es ist eigentlich auch fast alles gesagt, besonders wichtig finde ich die Feststellung, daß es bei so einem Auto nicht mehr (nur) um das Fahren geht. Es ist eher ein rollendes Wohnzimmer, sogar ein sehr gut ausgestattetes. Anders lässt sich allerdings der aufgerufene Preis auch kaum rechtfertigen, vor anderen Menschen meist eh nicht.

    Die 170km/h als Wohlfühlgeschwindigkeit sehe ich auch so. Wobei es dann vermutlich seltsam ist, daß ich mich trotzdem auf Langstrecken lieber im Bereich 200-220 aufhalte. Das dürfte aber auch der Tatsache geschuldet sein, daß der von Dir getestete Benziner ein besserer und lautloserer Gleiter ist als der BiTDI. Letzterer ist alleine aufgrund seiner Dieselcharakteristik, aber auch durch den Soundgenerator, doch immer etwas ruppiger unterwegs, und verleitet auch viel mehr zum Ausnutzen seiner Kraft. Hat dann aber auch den Vorteil, daß man (etwas) schneller ankommt und immer noch weniger verbraucht als der Benziner bei 170.

    Also, der A7 kann auch anders als gemütliches Wohnzimmer, auf kurvigen Landstraßen sowieso. Das macht dieses Auto aber auch so genial.:)

    MfG,

    Robert

    1. Sprechen wir lieber nicht über den Verbrauch. Der lag bei mir mit dem Benziner bei 12,3 Litern auf 100 Kilometer über eine Gesamtstrecke von 1390 km. Wäre ich mehr in der Stadt und auf dem Land unterwegs gewesen als auf der Autobahn wäre er locker bei 14 Litern hängen geblieben.
      Schon nach meinen ersten Kilometern mit dem A7 3.0 Benziner war das erste was ich gesagt habe: Der Diesel ist die definitiv bessere Wahl für das Auto. Ist dann einfach nochmal deutlich souveräner und im Gesamtbild stimmiger.

      Grüße
      Can

      1. Ja, der Verbrauch ist beim Benziner ein echtes Schmerzthema. Sein großer Vorteil ist halt die Laufruhe, dafür wirkt der Diesel durch seinen Drehmomentverlauf souveräner…beide haben Vor- und Nachteile, aber Du hast Recht, für ein so großes und schweres Fahrzeug mit dem Daseinszweck Langstrecke ist der Diesel meistens die bessere Alternative.
        Für Fahrten in der Stadt und Kurzstrecke hingegen kann sogar ein Benziner beim Verbrauch besser sein, zumindest wenn es ein moderner mit Zylinderabschaltung wie der S7 ist. Der verbraucht in der Stadt weniger als mein BiTDI.
        Der 3.0 TFSI, den Du als Probefahrzeug hattest, ist aber mittlerweile doch etwas in die Jahre gekommen und ein Schluckspecht – auch was Öl angeht.

        Der BiTDI kann aber gut trinken, wenn man will. Rekorddurchschnitt bei einer etwas übermütigen Landstraßenfahrt mit anschließender kurzer Autobahnhatz waren 14,2l.
        Auf der anderen Seite stehen 5,0l hinter Österreichern auf deren Landstraßen.
        Im Langzeitschnitt stehen 10,1l – warum das so ist, hatte ich weiter oben ja schon kurz erwähnt. 😉

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