Mitternachtsgedanken: Can Struck mit „Faulenzer im Kreisverkehr“

VON Can Struck

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Ich selbst habe das natürlich auch getan.

Vielleicht habe ich einfach nur das Pech in einer Gegend zu wohnen, in der die Kreisverkehrdichte fast höher ist als die Anwohnerdichte. Vielleicht hätte ich das bedenken sollen bevor ich eine Wohnung gekauft habe. Vielleicht aber sollte man auch einfach nur jeden Idiot mal anhalten, der ohne den Blinker zu nutzen aus dem Kreisverkehr ausfährt.

Dabei kann ich den Grund sogar nachvollziehen: Man spart sich die Handbewegung zum Blinker hin und auf den eigenen Komfort hat es keinerlei Auswirkung ob man blinkt oder nicht. Reinfahren kann einem ja keiner. Aber was für eine Einstellung ist das denn bitte?? Alle anderen, die extra vor dem Einfahren in den Kreis anhalten in der Vermutung, dass der Vollpfosten, der da gerade mit seinem Auto angerauscht kommt durchfahren will, die können ja warten. Mr. King und seine Gefolgsleute. Also stehe ich da und stelle fest: Ah, der ist abgebogen ohne zu blinken. Da hätte ich ja auch weiterfahren können.

Wenn das einmal passiert kann man es verschmerzen. Wenn man jedoch auf einer Strecke durch fünf Kreisverkehre fahren muss und jeder zweite nicht richtig blinkt, dann drehe ich durch. Wo ist dann noch der Unterschied zwischen einem Kreisverkehr und einer fucking Kreuzung??!

Doch es kommt noch schlimmer. Festhalten, bitte! Es gibt ja auch noch Kreisverkehre, bei denen man als Rechtsabbieger den Kreisverkehr vermeiden kann. Eine zusätzliche Fahrspur verbindet dann die beiden Straßen abseits des Kreisverkehrs. Hier ist das Problem, dass es durchaus zu einem Crash kommen könnte. Wenn ich nicht ständig aus Vorsicht auf mein Recht verzichten würde.

Denn man biegt dann vor dem Kreisverkehr rechts ab und dort, wo man wieder auf die Straße auffahren würde haben die Vorfahrt, die 5 Meter vorher aus dem Kreisverkehr ausfahren. Und wenn diese keinen Blinker verwenden… Inzwischen fahre ich auch als Rechtsabbieger lieber in den Kreisverkehr ein und die erste Ausfahrt wieder raus. So habe ich selbst Vorfahrt. Denn KEINER blinkt. Wenn ich die „Abkürzung“ nehme stehe ich an der Straße und verdrehe mir den Hals und muss einschätzen ob die Autos im Kreisverkehr ohne Blinker auf mich zugerast kommen oder einfach weiterfahren zur nächsten Ausfahrt. Ein wenig wie russisches Roulette. Gerade wenn der Kreisverkehr zu Stoßzeiten stark befahren ist. Und jedem, der ohne Blinker an mir vorbei rauscht würde ich am liebsten in die teure Karosse fahren und anschließend darüber aufklären, dass ich keinerlei Chance hatte sein Fahrverhalten einzuschätzen. Vielleicht sollte ich mir mal nen rostigen Golf I besorgen.

Bildquelle: Can Struck

2 Antworten auf „Mitternachtsgedanken: Can Struck mit „Faulenzer im Kreisverkehr““

  1. Ich weiß gerade nicht, ob ich heulen oder lachen sollte. Als gebürtiger Münsteraner hält sich die Kreiselphorie bei mir zwar moderat zurück, doch es scheint bei der geographischen Distanz zum Rheinland keinen nennenswerten Unterschied zu geben: Blinker setzen ist Luxus – wenn nicht sogar Sonderausstattung…und die hatte ich doch gar nicht bestellt?!
    Bei sehr kleinen Kreisverkehren ist es manchmal nicht ganz ohne, scharf rechts einzubiegen, dann im großen Bogen um den unnötig überdimensionierten verkackten Blumenkübel die Linkskurve zu meistern, dann die zweite wieder scharf rechts raus plus blinken – und das alles ohne sich die Arme zu verknoten (ich denke da vor allem an meine Zeit als Fiat Regata-Fahrer ohne Servolenkung).
    Und dennoch: Mich regen die Faulenzer ebenso auf. Im Stadtgebiet fällt das bei üblichen 20-30 Km/h weniger ins Gesicht, über Land dafür umso mehr – und ist zudem auch noch hochgradig verkehrsgefährdend (wie Du ja richtig erkannt hast).
    Das mulmige Gefühl, dass sich bei mir von Jahr zu Jahr stärker breit macht (und somit sicher auch das schlimmste in Bezug auf diese Kreiselthematik): Die Sorgfalt, Achtsamkeit und Aufmerksamkeit nimmt schleichend ab. Radio, Navi und Smartphone erfahren sie dafür umso mehr, ist ja auch irgendwie spannender weil die Dinger mittlerweile Sprechen gelernt haben. Förderlich für Verkehrsfluss und Sicherheit ist das aber nicht – Mitdenken und Freude schenken wäre mal eine tolle Initiative für Straßen.NRW. Aber die haben ja erst mal gut damit zu tun, alle (ach so plötzlich einsturzgefährdeten) Brücken zu sanieren. Ein Hoch auf den Investitionsstau….und die Kreisverkehrnutzer!

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