Mitternachtsgedanken: Mario von Berg mit „Licht in der Dunkelheit“

VON Mario von Berg

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Heute schreibt Mario von Berg von autoaid.

Mario arbeitet als Community Manager sowie Online-Redakteur für autoaid und studierte u. a. Deutsche Literatur und Historische Linguistik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit der frühesten Kindheit begeistert er sich für das Thema Auto, das ihn seither nicht mehr losließ.

Can bat mich im Rahmen seiner Artikelreihe, einen kleinen Beitrag zum Thema „Aufreger im Straßenverkehr“ beizusteuern. Ungewollt legte er mit seiner Anfrage einen Finger in eine offene Wunde; und streute obendrein etwas Salz hinein.

Aktuell rege ich mich im Stadtverkehr täglich auf, mehrmals, beinahe ständig.

Es ist Dezember. Wenn ich morgens ins Büro und abends wieder nach Hause fahre, ist es für gewöhnlich dunkel. Die Jahreszeit, das trübe, dunkle Wetter – oft kommt Regen hinzu. Da ist es nur richtig, mit Licht zu fahren. Für mich ist diese Zeit traditionell die Zeit der Blender. Und das regt mich auf.

Bis vor kurzem fuhr ich noch einen 18 Jahre alten Kleinwagen. Der Toyota Starlet P9 ist klein und für heutige Maßstäbe ungewöhnlich tief. Zudem hat er große Fensterflächen, die eine hervorragende, heute beinahe unbekannte Rundumsicht ermöglichen. Im Winter ist mir das Segen und Fluch zugleich. Einerseits habe ich eine hervorragende Sicht auf das Verkehrsgeschehen, andererseits werde ich täglich mehrfach von anderen Verkehrsteilnehmern geblendet.

Wenn die Dunkelheit hereinbricht und die meisten Fahrer das Abblendlicht einschalten, offenbaren sich häufig falsch justierte Scheinwerfer, die sowohl Gegenverkehr als auch Vordermann blenden. Das ist besonders ärgerlich, da alle Jahre wieder an vielen Stellen kostenlose Lichttests zu Herbstbeginn angeboten werden. Außerdem ist bekanntermaßen alle zwei Jahre die HU fällig, im Rahmen welcher auch die Scheinwerfer überprüft werden (sollten). Warum also sind so viele Autofahrer mit verstelltem oder defektem Licht unterwegs?

Es sind jedoch nicht nur die Autos mit falsch eingestellten Scheinwerfern, oft blenden auch Fahrzeuge mit moderner Lichttechnik. Etwa Xenon-Scheinwerfer, die dank träger automatischer Leuchtweitenregulierung zeitweilig wie aufgeblendet fahren. Oder es sind die grellroten LED-Bremsleuchten vor mir stehender Autos an der Ampel, die nicht nur den Innenraum meines Autos in zweifelhaftes Rot tauchen, sondern auch meine Sicht stark beeinträchtigen. Geht der Fahrer dann endlich von der Bremse, dauert es ein wenig, bis sich meine Augen wieder an das Dunkel der Nacht angepasst haben.

In Extremfällen steht ein Transporter hinter mir, der aufgrund der bauartbedingten Höhe der Scheinwerfer meinen Innenraum ausleuchtet und mich über alle drei Spiegel blendet. Und wenn ich dann meinen Schatten, meine eigene Silhouette als Schattenwurf vor mir auf der Rückwind eines anderen Transporters sehen und ich lustige Schattenspiele veranstalten kann, ist das Maß für mich voll. Da könnte ich zum Tier, zum Streitaxt schwingenden Berserker werden.

Nun ist mein alter Japaner inzwischen passé und ich fahre einen neuen Kleinwagen mit getönten Heckscheiben, der höher über dem Asphalt liegt. Bereits das nimmt zu großen Teilen dem Blendwerk des täglichen Straßenverkehrs die Gefahr und schont meine strapazierten Nerven.

Bildquelle: Mario von Berg

Kommentare sind geschlossen.