Mitternachtsgedanken: Peter Besser mit „Velo-Ziraptoren auf Kriegsfuss“

VON Peter Besser

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Heute schreibt Peter Besser von schwerunterwegs.com.

Bekäme Peter die Aufgabe gestellt, sich mit ein paar Attributen zu beschreiben, sähe das so aus: Autonerd, Fotolinsen-Experimentierer, Wortakrobat mit sagen wir „kreativer Auslegung“ von Orthografie und Liebhaber von Elektro- und Reihensechszylindermotoren. 

Sie sind die Dixiklos im Straßenverkehr. Gefühlskalt, anonym und meistens sehr verschlossen. Werden sie umgeschmissen, ergießt sich ein Schwall von Scheiße in der Gegend – In diesem Fall 100% verbale Verfehlungen wie zu Claus Kinskys besten Zeiten. Sie pirschen sich nicht an. Sie überrollen dich auf Gehwegen. Ihr Spürsinn für ein soziales Miteinander  schrumpft zu einem abscheulichen Nichts zusammen, sobald sie die metallene Stange zischen ihren Füßen haben. Würde man Fahrradfahrer Politik machen lassen, würde die Welt im Chaos versinken. Denn Fahrradfahrer stehen mit alles und jedem auf dem Kriegsfuß. Und sie haben immer Recht und sehen sich immer als das Opfer.

Dabei sind sie die Räuber im Großstadtdschungel.

Gehwege werden zu Schnellstraßen umfunktioniert und in jede noch so kleine Lücke stechen sie hinein wie Erntehelfer ins Spargelfeld. Fahrradfahren wird gerne als Freiheit verkauft. Doch wer einmal in Deutschlands Parks oder auf städtischen Fahrradwegen unterwegs war, weiß wovon ich spreche. Fahrradfahrer kennen keine roten Ampeln. Sie rollen einfach kreuz und quer über Bundesstraßen und schlagen dann erschrocken Beulen in Motorhauben, wenn ein Auto sich erdreistet, gerade noch rechtzeitig vor dem lebensmüden Gehirnlosen zu bremsen. Nachts, betrunken, ohne Helm und Licht und komplett in schwarz gekleidet.

Ich hasse Fahrradfahrer. Alle. Sie sind egoistischer als Taxifahrer, Busfahrer und Einzelkinder. Teilen ist nicht ihr Ding. Trotzdem freue ich mich, morgen früh selbst wieder auf meinen Drahtesel zu steigen und rechts hinter Autos zu halten. Nur um den notorischen Ampel-Lückenquetschern den Weg zu versperren. Oder um sie einfach vor dem Überfahren durch einen rechtsabbiegenden LKW zu retten. Danken werden sie es mir nicht. Aber wer mich noch einmal in der bekannt zuvorkommenden Art der Berliner darauf hinweist, meinen Arsch zur Seite zu bewegen, bekommt einen Stock zwischen die Speichen seines Fundstücks vom Flohmarkt. In diesem Sinne: Seid lieb zueinander.

Bildquelle: Peter Besser