Mitternachtsgedanken: Ralf Becker mit „Der mittlere Supergau“

VON Ralf Becker

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Heute schreibt Ralf Becker von ralfbecker.com und chromjuwelen-oil.com.

Ralf Becker ist Berater und gilt als Experte auf dem Gebiet Mobilty/Automotive-Kommunikation. Er berät Unternehmen beim Markenaufbau und bei der Entwicklung zeitgemäßer Kommunikationsstrategien. Seit 2005 investiert er darüber hinaus in eigene Projekte und Marken wie z.B. Chromjuwelen.com und Chromjuwelen Motoren Öl.

Dadurch, dass ich äußerst zentral wohne, genieße ich das Privileg, zumeist auf zwei Rädern unterwegs zu sein. Was dafür sorgt, dass mich der tägliche Verkehrsirrsinn nicht sonderlich berührt. Stattdessen tun mir viel mehr diejenigen leid, die sich Tag für Tag aufs Neue dem Pendler-Blechtross unterordnen müssen – womöglich noch in einem Fahrzeug, das … naja, lassen wir das. Die Armen sind eh schon mit ihrem Speckgürtel gestraft genug.

Und doch gibt es eine Sache, die mich jedes Mal ohnmächtig dabei zusehen lässt, wie bei mir alle Schotten runter gehen. Die Rede ist von den lieben Verkehrs(mit)teilnehmern, die nicht verstanden haben, wie man eine dreispurige Autobahn bedient.

Und die mit einem Schneckentempo knapp über dem der Brummi-Kollegen die Mittelspur belagern. Nur, dass eben rechts keine Brummis fahren, weil zum Beispiel Sonntag ist. Und dazu noch die rechte Spur über Kilometer frei ist.

Alleine schon der Gedanke daran bewirkt, dass sich meine Augen zu schmalen Schlitzen verengen. Passiert das auf der Autobahn, dann weiss ich genau, was als Nächstes geschieht. Mein innerer – nennen wir ihn mal Hilfssheriff – möchte langsam und bestimmt das Steuer übernehmen. Um die mitreisenden Mittelspur-Autisten zu erziehen. Entweder durch eine drakonische Bestrafung durch ein flottes Überholmanöver mit anschließendem scharfem Einscheren, oder – noch besser – durch ein demonstratives Überholen auf der rechten, freien Spur. Inklusive bitterbösen Blick. Versteht sich.

Anscheinend adressieren diese Sonntagsfahrer bei mir Charakterseiten, die sich bislang jeglicher Domestizierung und Straßenverkehrerziehung erfolgreich entzogen haben. Ansonsten kann ich mir nicht erklären, warum ich jedes Mal wieder in einen Status verfalle, der mich zum geheimen Verkehrserzieher und -bestrafer beruft.

Doch durch die jahrelange Erfahrung habe ich lernen dürfen, dass es bestimmte Situationen gibt, in denen man besser nicht den geheimen Racheengel mimt. Denn der anschließende Streit mit dem angetrauten Beifahrer dauert unter Garantie deutlich länger, als dass die Spur rechts frei ist …

Bildquelle: Ralf Becker