Mitternachtsgedanken: Ralf Bernert mit „Wer bin ich?“

VON Ralf Bernert

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Heute schreibt Ralf Bernert von exclusive-live.de.

Jahrgang 1962, mit echten Erinnerungen an den sehr coolen NSU Prinz vom Vater. Von Technik keine Ahnung, vom Autofahren auch nicht. Führerschein beim Bund, Elefant bewegt, Unimog mit Kofferaufbau und Tarnlicht bewegt. Ralf war drei Jahre Fahrer bei einer Autovermietung, hat dort sogar einen Countach von Koblenz nach Bonn gebracht und versteht bis heute nicht, weshalb man so ein Ding nicht einfach auf ein Podest stellt und es dort stehen lässt. Studium als LKW-Fahrer finanziert, für Heini Bauer sieben Jahre Reiseberichte formuliert, 1995 html gelernt und einem Kumpel ne Website gebaut. 2000 Chefredakteur bei Classicdriver.de und dann als Freier in den großen Puff der Selbstständigkeit gezogen. Kennt ungefähr 450 Rolls-Royce-, Bentley- und Maybach-Besitzer. Heute, als alter Sack, nerven ihn die anderen alten Säcke, die ständig rumjammern, dass früher alles besser war. Früher war nix besser, man hätte nur von ein paar Sachen die Finger lassen sollen.

Ich bin der beste und der schlechteste Autofahrer weit und breit. Das habe ich gelernt. Nachts, wenn ich mit einem roten Spanier über das Für und Wider der Verbindung von Mensch und Maschine nachdenke und meine Synapsen für eine winzige Ewigkeit jede Form der Klugscheisserei  unterbinden und ich in einen Spiegel schaue, den es gar nicht gibt.

Ich bin der. Der, der Dir den Vogel zeigt. Der, der den Scheibenwischer vor dem Kopf macht. Ich bin der, den Du nur blöd und ratlos ansehen kannst. Ich bin der, der Dir erklärt wie das läuft. Ich bin   die Erscheinung in Deinem Rückspiegel. Ich parke bei Tempo 220 direkt an Deiner Stoßstange, ich bin der, der schnell mal auf dem Gehsteig parkt und die Mutter mit dem Kinderwagen nicht sehen will. Ich lache wenn ich mir vor meinem geistigen Auge vorstelle, wie mein Nachbar morgens um sechs Uhr senkrecht im Bett steht, weil ich meinen Luftgekühlten noch einmal auschalte und wieder anlasse. Nur wegen der Musik aus dem Auspuff. Ich bin der, den man mitten auf der Krezung sieht, weil ich noch gerade so bei dunkelgelb über die Ampel gerutscht bin. Nun stehe ich hier und blockiere die Strasse. Mir doch egal. Ich bin der, der auf der Radspur steht und auf den Kollegen wartet. Ich bin der, der Radfahrer und Fußgänger auch mitten am Tag nicht sehen kann. Ich bin der, der hupt wenn Du mal wieder nur 55 in der Stadt fährst. Auf der Landstrasse bin ich hinter Dir und hupe schon wieder. 110? Hast Du ein Problem?

Ich bin auch der, der sich über diesen Penner aufregt, der da mitten auf der Krezung steht und mich blockiert. Ich bin der, der auf dem Weg vom Auto zur Haustür über den Deppen meckert, der seine Scheisskarre mitten auf dem Gehsteig geparkt hat. Ich bin der, der wenn er mal mit dem Rad unterwegs ist, die Idioten beschimpft, die da mitten auf der Radspur rumstehen. Ich bin der, der die Flachzange am liebsten aus dem Auto zerren will, die  bei Tempo 220 so dicht auffährt, dass man noch nicht mal den Kühlergrill sehen kann. Ich bin der, der sich die Nummer des Vollpfostens aufschreibt, der im Rückspiegel rumtobt, weil ich nur 55 fahre. Und ich bin der, der im Parkhaus ne Krise kriegt wenn mal wieder ein SUV so dicht steht, dass man noch nicht mal ne Zeitung in den Wagen schieben kann. Ich bin der, der seinen SUV so dicht neben den Nachbar fährt, weil jedes Auto mindestens zwei Türen hat. Ich bin der, der den ADAC wählt, weil der uns vor dem bösen Tempolimit schützt und ich bin der, der die Drecksäcke vom ADAC am liebsten alle in den Knast bei Wasser und Brot stecken würde. Und natürlich bin ich der, der morgens um sechs Uhr kurz davor ist, dem Schwachkopf in seinem Sportwagen das Benzin aus der Birne zu klopfen, weil der seine Karre immer und immer wieder mit Vollgas um den Block prügeln will.  Genau der bin ich. Und ich bin nicht allein.

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