Mitternachtsgedanken: Sonja Kröll mit „Standstreifen-Raser auf Speed“

VON Sonja Kröll

Unter dem Motto „Mitternachtsgedanken“ habe ich verschiedene Blogger, Schreiber und Influencer gebeten sich um Mitternacht bei einem Glas Rotwein an ihre Notebooks zu begeben und sich über das auszulassen, was sie im Straßenverkehr am meisten aufregt. Heute schreibt Sonja Kröll von Mimikro.de.

Sonja ist Kölner Bloggerin mit einer großen Liebe zum Backen. Daneben zeichnet sie fürs Leben gern und verbindet diese beiden Faibles auf ihrem Blog. Wer so gut zeichnen möchte wie sie, kann auch mal an einem ihrer Workshops teilnehmen. Zum Beispiel: „Malen für Eltern“.

Aufreger im Straßenverkehr. Irgendwie erschreckend, wie schnell einem dazu etwas einfällt und wie sehr man sich bei diesem Thema in Rage denken kann. Klar, ich bin ja auch jeden Tag mit dem Auto unterwegs. Und das zur aufregendsten Zeit. Das Heumarer Dreieck auf der A3 ist quasi mein best buddy. Also eigentlich nicht erstaunlich, dass mir sofort eine ganze Liste von Aufregern einfallen.

Das Heumarer Dreieck gehört zu den Promis der Stauschau. Tagtäglich staut es sich dort und immer wieder mal kommt’s zu meinem persönlichen Aufreger Nummer 1. Folgende Situation: Die rechte Spur ist dicht, denn dort fährt man über einen Zubringer auf die A4. Es geht nur langsam vorwärts, aber der Verkehr rollt. Ich gehöre zu den Autofahrern, die sich brav irgendwann in die Schlange eingereiht haben. So, und da steh ich nun. Es dauert nicht lange, da erscheint der erste Aufreger-Autofahrer in meinem rechten Außenspiegel. Ja, im rechten. Ich hab keine rechts-links-Schwäche. Glaub ich zumindest. Da ist er also, der erste Standstreifen-Raser. Und wie es sich für einen Autofahrer gehört, der den Standstreifen als Überholspur nutzt, fährt er gern recht zügig an der wartenden Kolonne vorbei. Ist ja schließlich kein Fahrzeug vor ihm und er hat’s ja auch eilig. Diese Standstreifen-Raser tauchen dann auch gern zu mehreren auf. Ist so’n bisschen so wie in unserer Büroküche – sobald ein Kollege seine Kaffetasse in die Spüle stellt, anstatt sie in die leere Spülmaschine zu räumen, dauert’s keine 10 Minuten bis 3 weitere Tassen nicht den Weg in die Spülmaschine finden. Fährt also der erste über’n Standstreifen, ist das für den nächsten direkt die Freikarte dasselbe zu tun. Ist ja nicht so schlimm, die anderen machen’s ja auch. Und so gesellt sich ein Auto nach dem anderen auf die Spur rechts von mir und mein Auto wackelt bei jedem unerlaubten Überholverkehr zärtlich hin und her, als würde es – genauso wie ich- den Kopf schütteln. An der Stelle frag ich mich immer, was diese Standstreifen-Raser wohl denken, weshalb wir braven Autofahrer wohl auf der rechten Spur stehen. Einfach so wahrscheinlich. Bestimmt nicht, weil man abbiegen möchte und schon wartet, dass da ganz rechts endlich die Abbiegerspur erscheint. Nö. Denn wenn diesen Standstreifen-Rasern das bewusst wäre, würden sie bestimmt nicht den Standstreifen benutzen und ohne Rücksicht auf Verluste schön weiter geradeaus fahren, wenn denn dann endlich der Standstreifen zur Abbiegespur wird. Ist doch egal, dass dann diese braven Langweiler erstmal zusehen müssen, wie sie auf die Abbiegespur kommen. Das wäre einfach zu dreist. Sowas macht doch keiner. Oder doch? Ich versuche mir an der Stelle immer vorzustellen, dass es irgendeinen anderen Grund für diese Standstreifen-Raser geben muss.

Vielleicht ist’s so ähnlich wie im Film Speed. Die können gar nicht anders. Wollen bremsen und sich brav in die Schlange stellen, aber da haben sie die Rechnung ohne den Erpresser gemacht, der das Auto mit einer Bombe präpariert hat und wenn es langsamer wird, fliegt alles in die Luft.

Oh, oder die weibliche Standstreifen-Raserin will eigentlich keine sein, aber es geht nicht anders, weil ihre Fruchtblase gerade geplatzt ist und sie sich selbst schnell ins Krankenhaus fahren muss, weil sie ihre Drillinge nicht im Auto zur Welt bringen will. Oder der Typ im 5er BMW. Der kann auch nicht anders als im Gallopp über den Standstreifen, denn er ist eigentlich Geheimagent und hat gerade erst rausgefunden, dass die Frau im Auto vor ihm ihre Drillingsschwangerschaft nur vortäuscht und stattdessen einen Batzen Juwelen unterm Pulli versteckt und ins Ausland schmuggeln will.

Wie gesagt, anders kann ich mir das einfach nicht vorstellen, weshalb jemand auf dem Standstreifen an allen anderen braven Autofahrern vorbei düsen muss.

Bildquelle: Google Maps

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