Nissan Juke Nismo Fahrbericht

Sportabteilung Nismo.

Sportlich sollen sie sein. Schließlich ist Nismo für Nissan das, was für BMW die M GmbH oder für Mercedes AMG ist. Eng verstrickt mit den Rennsportbemühungen von Nissan sollen die Modelle mit der Nismo-Bezeichnung also den Ruhm von der Strecke auf die Straße tragen.

Beim GT-R geht es so weit, dass er als Nismo fast das Doppelte kostet. Beim 370z wurden auch Fahrwerks- oder Motorkomponenten im Vergleich zum normalen Modell nochmals aufgewertet. Und beim Juke? Beim Juke ist es eher eine Ausstattungslinie. Zehn Mehr-PS gibt es, aber die sind nicht der Rede wert. Man muss ihm zugute halten: Er war der erste, der stolz den roten Nismo-Schriftzug auf die deutschen Straßen tragen durfte.

Schon beim ersten Juke, den ich testen durfte, habe ich Farbe bekannt. Ich mag den Juke. Ich mag ihn weil er anders ist, weil er auffällig ist und nicht den einfachen Weg geht, den alle Anderen gehen. Wenn man dann noch bedenkt dass er 2010 der erste unter den Micro-SUVs war und erst langsam die Konkurrenz durch andere Marken kam, muss man ihm einfach Respekt zollen.

#eatsleepracerepeat – Erst mal essen.

Am Besten einen Espresso und etwas kleines, süßes. Beides passt ausgezeichnet zum Juke. Und beides kann man in einem Café um die Ecke finden, nach Möglichkeit in einem vor dem man direkt mit dem Juke parken kann. Japanisch wird es dann wohl nicht – auch wenn sicherlich Sushi ausgezeichnet zum Auto passen würde. Lieber italienisch, beispielsweise im 4 Cani della Citta. Der Espresso ist stark und frisch und gib einem die nötige Schärfe, um den Juke Nismo eingehen zu studieren. In der Abfolge der geparkten Autos fällt er auf wie ein bunter Hund. Größtenteils weiß, mit ein paar gekonnt gesetzten, roten Akzenten. Dazu die riesigen Leichtmetallfelgen, die satt in den Radhäusern sitzen. Die sportliche Erscheinung ist den Designern gelungen. Vor allem da bei solch einem kleinen, hohen Auto das ganze Makeup schnell aufgesetzt wirken kann. Und tatsächlich: Eine Stelle gibt es am Juke, an der das passiert ist: Die Auspuffblende sieht wie ein nachträglich auf ein dünnes Auspuffrohr aufgeschraubtes Aftermarket-Rohr aus. Schade, denn der Diffusor passt richtig gut ans Heck und hätte sich bestimmt über ein stimmigeres Ensemble gefreut.

Ein wenig enttäuscht bin ich schon, wie wenige Leute sich den Juke Nismo im vorbeigehen genauer ansehen. So sitze ich an meinem Bistrotischchen und warte. Eigentlich weiß ich ja wie sehr der Juke polarisiert. Doch gerade weil er in der Nismo-Variante regelrecht brüllt „Hier bin ich! Du kannst mich nicht ignorieren, auch wenn ich dir nicht gefalle! Sieh her!“ hatte ich mir mehr erhofft. Vielleicht muss es dann doch ein Juke-R sein, um zumindest die fachkundigen Passanten zu einem Selfie mit dem Nissan zu bewegen.

#eatsleepracerepeat – Dann schlafen?

Quatsch, für schlafen ist keine Zeit! Die Lust für die Pause ist nach dem Espresso auch nicht vorhanden. Deswegen direkt weiter zum nächsten Punkt, bitte.

#eatsleepracerepeat – Rennen fahren oder denglisch: Racen.

Die Sinne sind koffeinisiert, der Magen gesättigt. Der sehr sportlich getrimmte, dunkle Wildlederpalast empfängt einen. Der Innenraum verschluckt den Fahrer und gibt diesem ein griffiges Wildlederlenkrad an die Hand. Im Blickfeld: Die knallrote Geradeausmarkierung auf 12 Uhr und der rote Drehzahlmesser zur Linken. Alles andere verkommt durch die schwarz-in-schwarz Farbgebung in der Unwichtigkeit des peripher wahrgenommenen. Gleißend Licht fällt durch die große Windschutzscheibe auf das Gesicht. Innerhalb kürzester Zeit sagt der Nismo einem, was zählt: Vergiss was im Inneren um dich herum geschieht, konzentriere dich auf das Wesentliche. Die Straße. Das Lenkrad. Das Gaspedal. Allerdings sollte man beim Juke Nismo nicht erwarten, dass man kräftig um die Ecken pfeifen kann. Dazu ordnet das CVT-Getriebe den Sound irgendwo in den – nennen wir es – sägenden Tonlagen an und das subjektive Gefühl der Beschleunigung zwischen „beschleunige ich voll?“ und „oh, ich fahre ja schon schneller als erlaubt“ an. Es dauert, bis man sich daran gewöhnt. Als Entschädigung dafür bietet der getestete Juke Nismo Allradantrieb und dürfte damit unter den sportlichen Varianten in dieser Fahrzeugklasse und in dieser Preisklasse ein Alleinstellungsmerkmal besitzen. Wenn man dann im Winter mehr Traktion auf die Straße bringt als die Konkurrenten, ja spätestens dann kann man beginnen zu racen. Vorher sollte man es vielleicht nicht tun.

#eatsleepracerepeat – Wiederholen.

Im sich wiederholenden Alltagsgebrauch sind noch ganz andere Faktoren entscheidend, die den Juke im Vergleich zu anderen Kleinstwagen auszeichnen. Legt man Wert auf ein kompaktes Auto, das im Innenraum mehr Platz bietet als man es erwarten würde, das sich beim Fahren groß und wertig anfühlt aber in jede Parklücke – auch dank Rückfahrkamera – passt, dann ist man beim Juke richtig. Spätestens wenn man im Stadtverkehr etwas mehr Weitblick als die Anderen hat will man den Juke auch in Zukunft an seiner Seite wissen.

Bei Interesse: Das Drive-Blog fasst die Stimmen einiger anderer Blogger zum Juke Nismo zusammen. Besonders lesenswert darunter der Artikel auf dem Autogefühl-Blog:

„Der Nissan Juke ist so etwas wie der bunte Vogel und Gute-Laune-Macher im Portfolio des japanischen Herstellers. Er polarisiert mit einem Design, das in der oberen Hälfte einem Sportcoupé und im Speckgürtel einem SUV gleicht.“

Auch auf Koray’s Car Blog findet ihr ein interessantes Review zum Juke Nismo.

 

Fahrzeug: Nissan Juke Nismo 1.6 DIG-T

Lackierung: Pearl White
Felgen: Leichtmetallfelgen 18 Zoll
Polster/Leder: Stoffleder Finn – Harmonie Biton Schwarz/Grau

Motor: R4-Ottomotor mit Turbolader
Hubraum: 1618 cm3
Leistung: 147 kW (200 PS)
Drehmoment: 250 Nm

Getriebe: XTRONIC CVT-M7
Antrieb: Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 8,2 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 200 km/h

Türen/Sitze: 5/5
Verbrauch kombiniert: 7,4 l/100 km
CO2-Emission: 169 g/km

Driver’s Groove Bewertung: 06/10

Preis: 29.680,00 €
Testverbrauch: 9,9 l/100km

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove