Projekt Scorpione: Unser neuer Gebrauchtwagen steht bald bereit – Abarth 500

Abarth 500 schwarz rote Aussenspiegel

Während Jens von rad-ab seit einer Weile mit seinem Projekt Youngtimer 2014 beschäftigt ist (ein Nissan Bluebird) und richtig spannende Artikel raushaut werde ich in nächster Zeit eher die an moderneren (aber vermutlich nicht minder emotionalen) Autos interessierten ansprechen. Das Jahr beginnt spannend…

Bei uns stand privat nach so langer Zeit endlich der Abschied vom „Frosch“, einem grünen Opel Corsa B an. Ich konnte ihn nie so recht leiden und in letzter Zeit hat er auch immer öfter Probleme verursacht. Neben unserem BMW Z3 war er es, der für alles herhalten musste für das ein reiner Zweisitzer nicht ausreicht. Der Z3 für seinen Teil ist allerdings auch nicht mehr der jüngste und plagt uns ensprechend dann auch mal mit dem einen oder anderen Problem.

Wie das so ist hat man über die Feiertage endlich Zeit um über solche Dinge nachzudenken. Vor zwei Jahren waren wir noch fest entschlossen einen 2011er Ford Mustang V6 Convertible zu kaufen. Zwischenzeitlich stand dann auch mal ein 6er BMW oder etwa ein Porsche 996 auf dem Plan. Mit der Zeit wurden dann das Mercedes-Benz CLK Cabrio (Facelift) interessant und auch mal ein Mini Cooper S Cabrio. Wenn’s nach Melegim ging war das einzig entscheidende, dass sich das Dach öffnen lässt.

Ein durchaus bezahlbares Auto mit einem riesigen Fun-Faktor war auch der von mir getestete Suzuki Swift Sport. Ein Auto zum verlieben. Das vorletzte Modell ist bereits für rund 7-8.000 Euro zu haben, mit wenigen Kilometern. Ich glaube am Swift Sport sind wir haarscharf vorbeigeschlittert. Sebastian von Passion:Driving hatte ihn sogar zum persönlichen Testwagen des Jahres gekürt. Tja und dann kam der Abarth 500. Ich fand ihn schon geil seitdem es ihn gibt und Melegim war am Ende doch recht schnell überzeugt. Preis für das Fahrzeug passt auch. Der Grund für die Entscheidung war rein rational: Er kostet nur knapp die Hälfte eines lange zu suchenden Porsche 911 996 4S. Lässt sich natürlich nicht vergleichen. Der Porsche jedenfalls dürfte erstmal aufgeschoben sein.

Daten Abarth 500 – Was kann er?

Der Abarth schöpft aus einem Hubraum von 1,4 Litern und unter Zuhilfenahme eines Turbos 135PS. Das Drehmoment beträgt ordentliche 206 Nm. In 7,9 Sekunden geht’s von 0 auf 100 km/h, Schluss ist bei für einen Kleinwagen stolzen 205 km/h.

Daneben gibt es Ihn in der Version Esseesse mit 160PS, die durch Chiptuning und die Beschränkung auf Super Plus erreicht werden. Zusätzlich wird das Fahrzeug mit einem besseren KONI-Fahrwerk, besseren, gelochten Bremsscheiben, BMC Sportluftfilter und anderen Leichtmetallfelgen ausgestattet. Wichtig zu wissen: Die Version Esseesse gibt es nicht ab Werk! Es handelt sich um ein vom Abarth-Händler verbautes Ausstattungsset. Entsprechend kann es zu Problemen kommen (besonders das Fahrwerk) wenn einer der Abarth-Händler nicht ordentlich arbeitet.

Auf Sondermodelle wie den 595 Competizione oder die Ferrari und Maserati Tribute Modelle möchte ich an dieser Stelle gar nicht weiter eingehen.

Nachdem die Entscheidung feststand den Abarth 500 (Basis oder SS ist sekundär) genauer in Betracht zu ziehen ging eigentlich alles ganz schnell. Aber hier für Interessierte (die vielleicht selbst einen Gebrauchtwagen kaufen möchten) die Schritte:

Schritt 1: Überblick über die Marktlage verschaffen

Autoscout24 und mobile.de sind die besten Anlaufstellen um die Fahrzeuge zu filtern, zu sichten was es aktuell so alles auf dem Markt gibt und um anschließend per E-Mail alle neu hinzukommenden Fahrzeuge direkt und als erster zu sehen. Bei unserem Abarth waren die Filter: Ab 2008 (ab 2008 gab es den Abarth), maximal 2 Fahrzeughalter, weniger als 60.000 Kilometer gelaufen. Außerdem sind mir Xenonscheinwerfer extrem wichtig, deswegen sind die direkt auch mit auf der Liste gelandet. Grundsätzlich sollte man nicht zu sehr einschränken, da einem dann eventuell Angebote entgehen die aus anderen Gründen interessant sein könnten.

Mehr stand gar nicht im Lastenheft. Mit den Einstellungen hab ich mir dann die neuen Angebote per E-Mail zuschicken lassen. Zusätzlich habe ich dann noch „nur von Privat“ reingenommen und die dort gefundenen Angebote besonders genau angesehen. Denn grundsätzlich ist mir von Privat lieber. Der Besitzer kann dann auch wirklich was zu seinem Auto erzählen.

Schritt 2: Einlesen, einlesen, einlesen

Ich finde seltene und exotische Autos ja immer deutlich interessanter als Gebrauchtwagen. Denn nur bei diesen findet man im Internet alle Informationen die das Herz begehrt. Meist auch ein paar sehr aktive Foren. Bei einem VW Golf Diesel wird man sich zum Beispiel schwer tun mit den Informationen. Bei einem VW Golf GTI hingegen findet man Freaks die die Geschichte zu jeder Schraube im Fahrzeug kennen und wann welches Bauteil vom Hersteller überarbeitet wurde.

Für den Abarth 500 gibt es zwei empfehlenswerte Foren: Das Abarth-Forum und den 500club. Dort kann man sich einen Überblick verschaffen über verschiedene Ausstattungsvarianten, Änderungen am Fahrzeug, begehrenswerte Extras und bekannte Defekte. Mit dem hier angelesenen Wissen kann man sich auf die sichtung der Gebrauchtwagen vorbereiten und eventuell auch nochmals die Anzeigen filtern. Auch ein Blick in die Gebrauchtwagenbörsen der Foren lohnen sich. Denn die Fahrzeuge in den Foren sind eigentlich immer Liebhaberautos.

Schritt 3: Einfach mal einen ansehen

Dabei ist der Preis zweitrangig. Es geht einfach darum sich mal einen Gebrauchten mit einer gewissen Laufleistung anzusehen und ein Gefühl zu bekommen. In unserem Fall wurde es dann aber irgendwie mehr… Später mehr dazu

Unsere Beweggründe – warum einen Kleinwagen mit 135PS?

Unser Zweitwagen neben dem Z3 muss ein paar Kriterien erfüllen. Zu allererst geht es darum ob man mit einem Auto mehr auf der Autobahn oder in der Stadt unterwegs ist. In unserem Fall ist es die Stadt. Oft kriege ich mit den mir gestellten Testwagen schon Probleme, weil ich in der City in mindestens 50% der Parkhäuser nicht einfahren kann. Alte Gebäude, alte Parklückenmaße, niedrige Decken. Da kann es mit einer gehobenen Mittelklasse schonmal schweißtreibend werden! Wenn man dann auch noch in der City mal die eine oder andere Parklücke finden möchte machen 10 Zentimeter Fahrzeuglänge schon viel aus. Es muss also ein kleines Auto sein. Trotzdem mit genug Platz für einen Kindersitz auf der Rückbank. Daneben soll es sicher sein. Der Fiat 500 war der erste Kleinwagen (< 3,5 Meter), der im Euro NCAP Crashtest 5 von 5 Sternen (Resultate) bekam. Klar ist ein voluminöseres Auto auch sicherer, aber ein Mindestmaß an Sicherheit ist im Fiat 500 gewährleistet, auch dank 7 Airbags (Fahrer, Beifahrer, Knieairbag, Seitenairbags, Kopfairbags). Weiterhin ist uns wichtig, dass das Auto ein eher seltener Anblick im Straßenverkehr ist. Da fällt der Mini Cooper S direkt raus. Der Abarth unterscheidet sich optisch auch weit genug vom Fiat 500 um anders wahrgenommen zu werden. Dass der Abarth 500 selten ist zeigt auch die Tatsache, dass mit den weiter oben genannten Kriterien bei Autoscout24 aktuell gerade mal sieben (!!) Abarth 500 von privater Hand übrig bleiben. Dadurch schnellt der „Haben-Will-Faktor“ bei mir direkt in die Höhe. Und schließlich reichen ein paar Youtube-Videos und ein paar Fahrberichte aus Europa und den USA um jeden Zweifler zu überzeugen. Die Meinungen reichen von „das mit Abstand am besten klingende Auto in der Preisklasse“ über „mehr Spaß kann man mit einem Auto gar nicht haben“ bis hin zu „man freut sich jeden Tag auf die Fahrt“. Was ich da so gelesen habe reicht um mich zu überzeugen. Auch wenn ich auf mehrere Anfragen bezüglich eines Pressetestfahrzeugs bei Fiat bisher nie eine Antwort erhalten habe und ihn damit im Vorfeld nicht selbst fahren konnte. Die 135PS scheinen jedenfalls eine ziemlich passende Motorisierung für den kleinen Italiener zu sein.

Zurück zu Schritt 3: Einfach mal einen ansehen

Kurzerhand habe ich bei den Börsen mal unsere Postleitzahl eingegeben und nach einem Abarth 500 gesucht für den man nicht 600km Anfahrt hat. Insgesamt hatte ich im Umkreis von 100 Kilometern 3 Treffer. Einer davon klang gut, wenn auch eine kleine Ecke zu teuer. Außerdem schwarz, während ich gerne einen weißen gehabt hätte. Schließlich sieht man schwarz die Lufeinlässe kaum. Dafür mit den schönsten Felgen und auch ansonsten top in Schuss: 27.000 Kilometer gefahren, Baujahr Juni 2010. Nachträglich mit dem klangtechnisch spektakulären Record Monza Klappenauspuff ausgerüstet (bei dem die Klappe sehr oft geöffnet oder geschlossen anrostet) und nachträglich mit den Sabelt Sportsitzen ausgerüstet (bei denen die Seitenairbags wegfallen und die trotzdem schwerer sind als die Serienbestuhlung). Dass die Sitzbezüge aus Stoff und nicht Leder sind gefällt mir nicht so ganz, dafür hat er das Panorama Glasdach. Nicht zu verwechseln mit dem Skydome, welches sich im Gegensatz zum Panoramadach öffnen lässt. Aluschaltknauf ist auch drin (ca. 100€ als Extra). Natürlich Xenon vorhanden, Scheckheft und Top gepflegt.

Der Plan war mit diesem Abarth mal eine Runde zu drehen und zu sehen welche Abnutzungsspuren sich nach knapp über 20.000 Kilometern finden. Geendet hat die Aktion mit einer Einigung auf einen vernünftigen Preis inklusive 8-fach Bereifung. Das Auto war top in Schuss, einzig die Felgen hatten einige Kratzer. Alle Spaltmaße stimmten, keine Dellen oder Kratzer, keine Rostansätze an Stellen die in den Foren genannt werden, sauber laufender Motor, Saubere Schaltung (das Kupplungspedal scheint bei den Abarths manchmal ein Problem zu sein oder zu werden), perfekter Geradeauslauf und ordentlich und gleichmäßig ziehende Bremsen. Und dann unser Beschluss: Der soll es sein. Liebe auf den ersten Blick also irgendwie. Den Termin für einen Gebrauchtwagencheck haben wir direkt danach gemacht.

Alles weitere zum Gebrauchtwagencheck, zum Kauf, zur Anmeldung und allem was dazugehört gibt’s im nächsten Artikel.

Für alle da draußen, die ein unvernünftiges aber emotionales Auto verkaufen wollen: Auf den richtigen Besitzer muss man oft lange warten. Im Falle unseres Abarths waren es immerhin 3 Monate, die die Anzeige schon online war. Und von vielen „Spaßbietern“ und dergleichen hat der Besitzer auch erzählt. Also nur Geduld!

Bildquelle: Fiat

8 Antworten auf „Projekt Scorpione: Unser neuer Gebrauchtwagen steht bald bereit – Abarth 500“

  1. Klingt gut, ich bin sehr gespannt auf die Erzählungen.
    Wir hatten in einem Schottland Urlaub einen Fiat 500 als Mietwagen und waren positiv überrascht: angemessener Verbrauch, gute Haptik und tolles Glasdach! Da meine Frau gerade einen neuen Job anfängt in einer anderen Stadt brauchen wir wohl auch bald einen Zweitwagen – so einer würde ihr auch gefallen, aber eher in rot 😉

    1. @Jan:
      Jupp, zusätzlich ist der Abarth auch von Innen nochmal ne Ecke hochwertiger (bis auf das schreckliche Hartplastik an Türen und anderen Oberflächen). Technisch ist er auch ziemlich pflegeleicht da noch simpel gehalten. dazu zähle ich auch dass nicht alles elektronisch ist (auf lange Sicht ja oftmals ein Problem). Sitzheizung gibt’s nicht, el. anklappbare Spiegel gibt’s nicht, elektrische Jalousien für das Glasdach gibts nicht usw usf.

      Gerade früh morgens kam heute ein neues Angebot rein – in Rot! – wie wärs?
      http://ww3.autoscout24.de/classified/243123675?smid=SJ-SM-DP-S&

      Allerdings habe ich nicht mit denen telefoniert. Er ist eigentlich eine kleine Ecke zu billig, vielleicht viele Vorbesitzer (Edit 13:14 sehe gerade inzwischen sind 2 Fahrzeughalter eingetragen…) oder ein anderer negativer Punkt, keine Ahnung. Sonst: Zugreifen! Oder erstmal abwarten was ich noch so über den Scorpione schreibe 🙂

      Grüße
      Can

  2. Schick, und sicherlich sehr spaßig.
    Viel Spaß damit, und danke für den unterhaltsamen Bericht, wie Ihr zu ihm gekommen seid. 🙂

    1. @Robert:

      Vielen Dank! Den werden wir hoffentlich haben. Und es wird in den nächsten Wochen ähnlich unterhaltsam weitergehen. Wenn ich den erstmal für ein paar schöne Fotos in die Finger kriege….. 🙂

      Grüße
      bycan

  3. Wir haben uns fürs abwarten entschieden… Mal sehen, was du noch so alles berichtest, heute ging es ja schon weiter! Spannung steigt!
    Besonders würde uns jetzt interessieren, in wie fern sich der Innenraum unterscheidet. vielleicht kannst du dazu mal ein zwei Fotos machen?

    1. @Jan:
      Hallo Jan,

      meinst du inwieweit sich der Innenraum vom „normalen“ Fiat 500 unterscheidet?
      Fotos gibt es bald jede Menge, sobald ich die Gelegenheit finde. Spätestens aber wenn der Fahrbericht online geht.

      Grüße
      bycan

Kommentare sind geschlossen.