Projekt US-Import: Interview zum Import des 1956er Chevy Bel Air aus den USA

Stefan hat vor kurzem einen 1956er Chevy Bel Air aus Kalifornien importiert. Die Gelegenheit für mich sein Projekt zu begleiten. Allein schon weil der grüne Ami richtig geil aussieht.

DG: Woher kommt dein Interesse an US-Fahrzeugen?

SO: Grundsätzlich war es ein Kindheitstraum. Wir spielen doch alle mit Hot Wheels. Je näher der Führerschein kam, desto greifbarer wurde der Traum dann auch. Mein erstes Fahrzeug war ein Chevy Malibu. War nicht der hübscheste Wagen, ein 78er. So ein typisches Kasten-Ding. So eckig wie es geht. Sieht dann ein wenig so aus wie wenn ein Kind ein Auto malt. Der hatte immerhin einen 5 Liter V8 drin, eine durchgehende Sitzbank vorne und das war schon ganz cool. Vor allem als mein erstes Auto! Ich weiß bis heute nicht wie ich es geschafft habe, den während der Ausbildung zu finanzieren.
Ich bin dann an einen Typ in Essen geraten, der selbst einen Bel Air fuhr und mir ein wenig den Eindruck vermittelt hat, er wüsste was er da tut. Ich habe dann angefangen unter seiner Anleitung den Wagen auseinander zu nehmen und vermeintlich zu tunen. Der Wagen ist nie wieder vernünftig auf die Straße gekommen. Wir haben zwei Motoren zerschossen und einfach elementare Fehler gemacht.

Danach kamen, neben vielen Übergangsfahrzeugen, ein Opel Rekord C, ein 70er Dodge Demon und ein Plymouth Duster. Mit dem Dodge und dem Plymouth hatte ich dann auch ein paar Jungs in einer großen Halle, die mir Alles ein wenig zeigen konnten. So wächst man langsam in die Thematik rein. Die Fahrzeuge habe ich alle in Deutschland gekauft. Irgendwann habe ich gemeinsam mit einem Freund auch drei Fahrzeuge direkt aus den USA importiert. Knapp ein halbes Jahr haben wir an den Autos geschraubt, um sie straßenfertig zu bekommen.

DG: Wie bist du an deinen Bel Air gekommen?

SO: MOPARs hatte ich jetzt schon genug. Außerdem sind die richtig schönen Autos da inzwischen auch richtig teuer. Unterschwellig hatte ich schon immer ein Faible für die alten Chevys. Mitte, Ende der 50er. Ich habe immer wieder gekuckt, weil ich eigentlich einen 55er haben wollte, der nach dem 57er wohl das beliebteste Modell sein dürfte. Irgendwie hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, dass es auch einen 56er gibt. Mir wurde bewusst wie schön der 56er eigentlich ist und letztlich hat er es mir wirklich angetan.
Für einen guten Bel Air muss man mit gut und gerne 20.000 USD rechnen. Unter 10.000 findet man eigentlich nur Schrott. Ab 15.000 kriegt man welche die übergeduscht wurden. Klassische Ami-Restauration. Vor einem guten halben Jahr bin ich bei ebay USA auf einen gestoßen, allerdings wäre das eine Vollrestauration geworden. Trotzdem hatte ich Interesse. Scheibenbremsen, vernünftiger Motor drin. Der Besitzer hat sich leider kurzfristig für ein Tauschgeschäft entschieden und ich habe ihn nicht bekommen. Rückblickend war das besser so. Wäre vermutlich ein Frustprojekt geworden.
Irgendwann bin ich dann bei ebay auf den Grünen gestoßen. Ich fand ihn auf Anhieb gut. Halbwegs gut erhaltener Originallack, was mir super entgegenkam.

DG: So ein Originallack mit gewisser charmanter Patina zwingt einen ja fast dazu ihn so in dem Zustand zu fahren, oder?

SO: Ja, vor Allem aber weiß man dann auch was da drunter ist. Bei den übergeduschten Dingern weiß man nicht was passiert. Rost, Spachtelmasse und sonst was. Ich fand es charmant ein ehrliches Auto zu kaufen.

DG: Bringt eigentlich die VIN (Vehicle Identification Number, Fahrgestellnummer) etwas bei so alten Autos?

SO: Man kann einiges rausfinden, habe ich die Tage auch gemacht. Zum Beispiel ob es wirklich ein Bel Air ist oder etwa ein Two-Ten. Dazu muss man sagen: Es gibt auf der Basis drei Fahrzeuge. Den One-Fifty mit kleiner Ausstattung, meistens einfarbig lackiert und mit weniger Chrom. Dann den Two-Ten, ein Mittelding. Und zuletzte den Bel Air, der die Topausstattung hat. Außerdem kann man kontrollieren ob der Originalmotor drin ist. Bei meinem war es ursprünglich ein kleinerer V8, aber jetzt ist der 5,7 Liter verbaut. Der ist eigentlich so der gängigste Smallblock. Dazu ein 3-Gang Automatikgetriebe.

Das Fahrzeug hat es mir einfach angetan. Ich hab drauf geboten, das Angebot wurde aber auch frühzeitig wieder rausgenommen. Daraufhin habe ich mehrmals mit dem Verkäufer telefoniert, er hat mir 30 bis 40 Fotos geschickt und wir haben uns auf einen Preis geeinigt.

DG: Dann kam nach dem Wiretransfer des Geldes das große Warten…

SO: Import nach Deutschland per Transport von der Westküste nach Rotterdam.
Die Kiste war schneller da als erwartet, gerade mal 2 Monate hat es gedauert bis der Bel Air hier war.

Während dieser zwei Monate habe ich alle möglichen Phasen durchgemacht. Es ging immer zwischen „geil, geil, geil, der Wagen kommt“ und „oh Scheiße, ich hab da gerade verdammt viel Geld in die USA überwiesen“ hin und her.

Als er dann endlich da war konnte ich ihn mir genauer ansehen. Der Zustand war besser als erwartet. Die böse Überraschung blieb jedenfalls aus.

DG: Hast du dann noch weitergesucht?

SO: Ich hab versucht mir die Angebote nicht anzusehen. Wenn ich doch einen Blick gewagt habe hat sich eigentlich mein bisheriger Eindruck bestätigt: Es ist verdammt schwierig einen mit guter Substanz zu finden. Die richtig gut erhaltenen fangen halt wirklich bei 30.000 USD an.

DG: Wie lange hatte die Suchphase gedauert?

SO: Ich würde schätzen circa drei Monate. Vom Beginn der Suche bis das Auto angekommen war dürfte etwa ein halbes Jahr vergangen sein.

DG: Jetzt hast du eine kleine Halle und alle nötigen Zollwerkzeuge?

SO: Ich habe im letzten Jahr gelernt, dass es für fast jede Zollschraube einen passenden metrischen Schlüssel gibt. Das ist also gar nicht so wild.
Die Halle, die ich extra angemietet habe und in der der Bel Air jetzt steht, ist immer noch nicht ganz fertig. Es fehlt noch ein Stromzähler und die Verkabelung der Steckdosen.

DG: Was hast du bisher in den ersten vier Wochen nach Erhalt des Bel Air schon erledigt?

SO: Ich hab die Scheinwerfer ausgebaut und neue Scheinwerfer für die deutsche Zulassung eingebaut. Ich muss jetzt noch eine passende nachrüstbare Warnblinkanlage besorgen, was nicht so einfach ist. Sie braucht eine Vorrangschaltung, damit sie die Bremslichter außer Betrieb setzt.
Insgesamt ist das Thema Zulassung für den Bel Air relativ entspannt. Beispielsweise darf er rote Blinker haben und braucht keine Rückfahrscheinwerfer. Ich meine ab Anfang der 60er werden die Regeln sehr viel strenger.

DG: Was wurde schon am Bel Air vom Vorbesitzer gemacht?

SO: Er wurde auf den 5,7 Liter V8 umgebaut – der gängigste Umbau und eine Generation neuer als der Originalmotor. Er hat ne Doppelrohrauspuffanlage, ein TH350 Automatikgetriebe und ist ziemlich tief gelegt. Moderne 17“ Raceline-Felgen sind drauf, die sehr stramm im Radkasten sitzen. Klimaanlage wurde nachgerüstet, Scheibenbremsen vorne und Flammenwerfer in den Endrohren. Die dürfte ich wohl als Erstes entfernen.

DG: Was möchtest du noch am Chevrolet machen?

SO: Die Vorderachse möchte ich komplett überholen. Ich habe mir ein komplettes Kit mitbestellt. Alle Gelenke schön aus PU. Einfach um mal das straffe Fahrwerk zu haben und zu wissen wie sich so ein Auto anfühlt, wenn es frisch aus der Fabrik kommt. Dicke Vorderachsstabis habe ich auch dazu bestellt. Bisher habe ich nicht sonderlich auf so etwas geachtet.
Ich möchte den Wagen technisch top haben und am Innenraum ein wenig was machen – vor allem neu beziehen und eine Grundreinigung machen. Außerdem dürften wohl die Felgen für die historische Zulassung Stahlfelgen weichen. Dann muss noch die km/h Beschriftung auf den Tacho. Die Abgasanlage macht Probleme, weil das Lenkgestänge beim Einlenken rechts und links gegen die Krümmer stößt. Ich muss also entweder die Krümmer anpassen oder mir neue Krümmer besorgen. Die Auswahl an Fächerkrümmern am US-Markt ist riesig. Die Sache mit dem Krümmer ist übrigens ein Thema von der Sorte, das einen hinterher ziemlich wurmt.

DG: Gibt es eine Deadline für den TÜV?

SO: Ich gehe das Ganze im Moment sehr entspannt an.

DG: Ich glaub du musst dich erst mal überwinden…

SO: Mein Plan ist: Ich habe dieses Jahr noch zwei Wochen Urlaub und möchte mindestens eine Woche davon am Auto verbringen. Im Frühjahr soll er auf die Straße.

DG: Der Motor läuft ja schon mal 1A. Ich erinnere mich an ein Video, das du mir am ersten Tag geschickt hast.

SO: Ich hatte noch nie einen Ami der so schnell angesprungen ist. Nach ein paar Rucklern, die nach acht Wochen Standzeit nicht verwunderlich sind, läuft er richtig rund. Und vor allem macht der Motor keine fiesen Geräusche. Man erwartet zumindest ein paar klappernde Hydrostößel, aber der Motor läuft butterweich. Das ist richtig cool. Laut Verkäufer ist das ein frisch überholter Motor und Getriebe.

Jetzt gehen die spannenden Phasen los.

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove