#thepluses2 Teil 1: Die Route des Grandes Alpes von Thonon-les-Bains zum Cormet de Roselend

Während die Crew mit unserem Begleitfahrzeug unterwegs war um uns zumindest eine Kleinigkeit zu Essen zu besorgen, standen wir kurz vor unserer ersten Nacht bei thepluses2 auf dem Campingplatz und bauten unsere Zelte auf. Halb verhungert und im Halbdunkeln hatten wir einen Handschriftlichen Hinweis an der Schranke zum Campingplatz entdeckt dass man sich nach 17 Uhr einfach einen Platz schnappen soll. Erst morgens um halb neun sei wieder jemand da zum bezahlen. Immer wieder unterhielten wir uns über den Hunger und versuchten zu definieren wie groß er genau sein könnte. Ein Anruf bei Melegim schafften dann Klarheit: Überall zu, kein Essen verfügbar. Genf ist tot. Vor einem überteuerten Kebab Laden waren sie abenteuerlich geflüchtet und versuchten jetzt irgendeinen Kiosk aufzutreiben. Da es kurz vor 22 Uhr war bestand unsere Aufgabe nun darin die Schranke zum Campingplatz durch wildes Hin- und Herspringen vor der Lichtschranke am Schließen zu hindern. Hat geklappt, der Q7 raste mit Xenonlicht auf uns zu und kurze Zeit später konnten wir zwei Baguettes und ein wenig Käse und Schinken im Wert von stolzen 60,- Euro essen.

Was ich damit zum Ausdruck bringen will: Auch diesmal wurde uns beim Road Trip direkt mal ordentlich vor die Straße gespuckt. Sofort mittendrin, sofort Probleme die man aus dem Alltag so gar nicht kennt.

Und natürlich hat es in der Nacht dann ordentlich zu schütten angefangen, was sonst. Aber alles halb so wild, wenn man weiß dass es am nächsten Morgen hoch geht. Nach zwei Tagen Autobahn endlich einspurige, wilde, wahnsinnige, gefährliche, völlig überflüssige und doch bemerkenswerte Straßen. Das perfekte Material um damit das Profil unserer beiden Sportwagen zu füttern. Der R8 mit dem V10 und seinem sägenden Donnern voraus – damit man immer den Blick auf sein wunderschönes Heck hat – und direkt dahinter der RS5 mit seinem brüllenden, rotzenden V8 und seiner durch diesen Klang propagierten Attitüde gegen das Establishment. Der Wechsel zwischen den beiden Fahrzeugen könnte gar nicht extremer ausfallen. Hier der schwergängige aber dafür superpräzise, direkte, tiefe und enge R8, dort die Limousine, die ihre Abstammung nicht ganz verbergen kann und mit Stadtauto-typischer Leichtgängigkeit glänzt. Ohne dabei jedoch die Genauigkeit im Handling zu vernachlässigen. Beide fahren sich außerordentlich gut, aber auch außerordentlich anders.

Zum Start der Route des Grandes Alpes ging es nach Thonon-Les-Baines. Kilometer Null der Route und nördlichster Ausgangspunkt am Genfer See. Haben wir natürlich direkt mal links liegen lassen und kaum Beachtung geschenkt. Viel wichtiger war uns nach einem kurzen (soll heißen viel zu langen) Frühstück in einer sympathischen Boulangerie im nördlichen Teil von Thonon der erste Pass unserer Reise.

„Bon voyage!“ hatte uns die freundliche Bäckermeisterin hinterhergerufen nachdem wir ihr kurz auf dem Papier unsere geplante Route gezeigt hatten.

Wie es sich für ein hors d’oeuvre gehört sind die ersten Pässe erstmal belanglos – verglichen mit dem was noch kommen wird. Ja doch, die Kurven sind ganz schön zu fahren, es gibt einige Tunnel und es geht steil bergauf. Besonders die Tunnel sind bei Sebastian und mir immer ein Happening. Wir sind stolz auf unsere immer neuen Kompositionen aus 18 Zylindern. Beethoven hätte vermutlich auch gerne so gearbeitet. Aber die Landschaft, die ist nicht genug. Sie, die Pässe, könnten auch sonst wo in Europa liegen. Mir jedenfalls genügt das nicht und der COL DES GETS (1163 M) gefolgt vom COL DE LA COLOMBIÈRE (1613 M) sind schnell überwunden (Sebastian sieht das vermutlich anders). Einer dieser frühen Pässe ist bei mir nur dadurch hängen geblieben, dass der RS5 an der Vorderachse beim Einlenken seltsame schleifende Geräusche erzeugte. Deren Ursache wir selbstverständlich bis zum Schluss nicht finden konnten. Eigentlich bestimmt ja sowieso die Vorfreude auf die über 2000 Meter hohen Pässe die Stimmung. Wenn man weiß, was einen da noch erwartet, hat man gar nicht recht den Blick für alles Andere. Auch der COL DES ARAVIS (1486 M) gehört dazu. Beim COL DES SAISIES (1650 M) hingegen wird es dann langsam interessant.

Die Landschaft schon etwas karger, die Bäume etwas gedrückter und die Straßen schon ein wenig schlechter. Die Aussicht immer weiter und die Einsamkeit größer. Wenn man dann irgendwo auf dem Pass auf einem leeren Schotterparkplatz landet um Fotos der Autos zu machen ist es die erste Gelegenheit das zu genießen, was die Alpen ausmacht: Gigantische Felsmassive, höher als Alles dem man sonst so zuhause – hey, ich bin Kölner – begegnen könnte. Wolken die sich zu plastischen, tiefen Gebilden türmen. Mit den Gipfeln kämpfen, sie umschließen und würgen. Berghöhen die klaffende Wunden in die Wolkendecke reißen und irgendwo dort oben die Sonne, die alles in dramatischem Licht beleuchtet und lange Schatten spendiert. Ungehinderte Naturgewalt.

Dazu ein kühler Wind, der stets hörbar und unregelmäßig über die Ebene pfeift und eine irgendwie dauerbedrohliche Empfindung erzeugt obwohl man eigentlich von idyllischer Ruhe umgeben ist. Die Welt ist dort unten und man selbst hier oben, abseits von Allem was einen sonst so tangiert, abseits der Probleme die einen sonst plagen.

Und dann setzt sich Sebastian in den R8 und zeigt der Ruhe den sprichwörtlichen Mittelfinger. Er dreht ein paar Donuts und wandelt das natürliche Paradies in ein Car-Heaven.

Eigentlich kommt direkt nach dem COL DES SAISIES das kleine Örtchen Beafourt, bekannt für seinen ausgezeichneten Käse. Sollte man sich unbedingt ansehen. Ich selbst kann mit Käse so absolut gar nichts anfangen und war froh als wir auch diese Sightseeing-Location dem Heizen auf der Landstraße geopfert haben. Hey, wir sind zum Autofahren hier, oder nicht? Aussteigen wollten sowieso weder Sebastian noch ich aus den Autos. Bis zum bitteren Ende.

Direkt danach auf dem Weg zum nächsten Pass hatten wir den Klassiker schlechthin bei einem Alpentrip: Kühe auf der Straße.

Wie sich herausgestellt hat bin ich ein besserer Kuhhirte, denn anstatt die Kühe von unserer Straße runterzubekommen habe ich sie minutenlang höchst professionell den Berg nach oben gescheucht. Erst als unser Crewfahrzeug, der Q7 (oder auch „die Kuh 7“), unbeeindruckt angerauscht kam und sich seinen Weg durch die Kuhherde bahnte konnten wir weiter. Vom Q7 waren die Kühe dann auch so sehr beeindruckt, dass sie sich anschließend orientierungslos im Kreis gedreht haben. Ich wette die eine oder andere hat sich danach auch von der Klippe gestürzt.

Während man die Audis von der einen in die andere Kurve wirft, dazwischen runterschaltet respektive die Gänge ausfährt und versucht jeden Kilometer der Strecke einzusaugen und zu genießen fällt einem dann mit grandioser Unvermitteltheit auf, dass man jetzt doch dringend anhalten sollte. Bei dem Anblick, der sich einem bietet. Der einem die Mundwinkel nach oben drückt und Endorphine lostritt. Ohne den Blick zu senken parkt man das Auto an einem auf einer Anhöhe gelegenen Parkplatz mit angeschlossenem Kaffee direkt nach dem COL DE MÉRAILLET (1.605m).

Ohne den Blick zu senken bewegt man sich langsamen Schrittes auf die Klippe zu und versucht zu verarbeiten, was sich da unten im Tal, am gewaltigen Stausee „Lac de Roselend“ anbahnt.

Der CORMET DE ROSELEND.  → weiterlesen in Teil 2

Oben könnt ihr euch durch die Fotos klicken.


Alle Artikel zu #thepluses2:

Fahrzeuge: Audi R8 V10 Spyder & Audi RS5 Cabrio
Strecke: Route des Grandes Alpes, Südfrankreich
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Passion:Driving – Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

Alle Artikel zu #thepluses1:

Fahrzeuge: Audi R8 V10 Plus & Audi TT RS Plus
Strecke: Österreichische / Italienische Alpen
Driver’s Groove – Prolog | Teil 1 | Teil 2 Teil 3 | Fahrbericht
Passion:Driving – Teil 1 | Teil 2

Fahrzeug: Audi RS 5 Cabriolet 4.2 FSI

Lackierung: Suzukagrau Metallic
Felgen: Aluminium-Gussräder im 5-V-Speichen Design in Titanoptik, glanzgedreht 20 Zoll
Polster/Leder: schwarz/schwarz/felsgrau

Motor: V8-Ottomotor
Hubraum: 4163 cm3
Leistung: 331 kW (450 PS)
Drehmoment: 430 Nm

Getriebe: 7-Gang S tronic
Antrieb: QUATTRO Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 2/4
Verbrauch kombiniert: 10,7 l/100 km
CO2-Emission: 249 g/km
Preis: 117.645,00 €

Fahrzeug: Audi R8 V10 Spyder

Lackierung: Brillantrot
Felgen: Aluminium-Schmiederäder im 5-Doppelspeichen-Design in Titanoptik 19 Zoll
Polster/Leder: schwarz/schwarz/silber dunkel Volleder Feinnappa

Motor: V10-Ottomotor
Hubraum: 5204 cm3
Leistung: 386 kW (525 PS)
Drehmoment: 530 Nm

Getriebe: 7-Gang S tronic
Antrieb: QUATTRO Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,8 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 311 km/h

Türen/Sitze: 2/2
Verbrauch kombiniert: 13,3 l/100 km
CO2-Emission: 310 g/km
Preis: 177.205,00 €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

DISCLOSURE: Die Audi AG hat uns freundlicherweise die Fahrzeuge zur Verfügung gestellt und die Spritkosten übernommen.

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