#thepluses2 Teil 2: Die Route des Grandes Alpes bis zum Col de l’Iseran

Der CORMET DE ROSELEND (1967 m) schmiegt sich an den gewaltigen Stausee, den man von hoch oben herab betrachten kann. Im tiefsten Inneren dieses Sees liegt der einstige Ort Roselend begraben. Irgendwo in weiter Ferne sieht man die Straße, wie sie sich durch die Hügel schlängelt, vorbeiführt an der kleinen Kapelle von Roselend, hinter den Bergkuppen verschwindet nur um sich dann direkt wieder den kürzesten Weg an den See zu suchen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Sees führt die Straße ihren idyllischen Lauf am Ufer fort nur um auf halber Strecke schlagartig in einer Serpentine zu enden und sich zielgerichtet auf den Weg nach oben ins Gebirge zu machen.

Lange müssen wir nicht überlegen um den Letzen Pass des ersten Tages zu befahren. Die Fahrt selbst toppt noch mal das, was wir zuvor zu sehen bekommen haben.

Die Straße wellig, der Asphalt schlecht, die Kurvenradien perfekt und die Kulisse zum niederknien.

Und am Ende der halbmondförmigen Seeumrundung dann die Antwort auf die Frage, was nach der Serpentine kommen mag: Felsen, Wolken, Eis. Innerhalb einiger weniger Lenkradumdrehungen findet man sich am Tor zur Hölle – die Hölle ist hier im positiven Sinne zu verstehen – und findet im weiten Umkreis nichts von der Fauna, die man noch am See genießen konnte. Stattdessen die kargen Alpenfelsen, die stets und immer von den unwirtlichen Bedingungen und dem rauen Klima abgearbeitet werden. Und synchron zum immer deutlicher wahrnehmbaren Echo der Motorengeräusche wird unser Grinsen Stück für Stück größer.

Auf der anderen Seite dann bleibt uns das schlechtere Wetter erhalten und macht uns die Entscheidung leicht auf das Camping zu verzichten. Stattdessen landen wir in einem schnuckeligen Hostel, geführt von einem jungen Paar und mit mehreren 4/5 Personen-Zimmern. Wie zuhause in einer WG. So können wir auch die vielen Tonnen an Equipment gut unterbringen und Akkus laden. Am späten Abend erhalten wir Bestätigung, dass diese Entscheidung richtig war: Tonnenweise Regen, der teils die Straßen bis zur oberen Bordsteinkante geflutet hat. Im Zelt hätte das zumindest für die wertvolle Technik problematisch werden können.

Am nächsten Morgen starten wir mit einem völlig leeren Tank und der Angst, dass einige der schönsten aber auch höchsten Pässe noch gesperrt sein könnten in den Tag.

Unser Q7-Fahrer klagt über starke Kopfschmerzen und auch alle anderen sind schon nach dem ersten Tag unausgeschlafen und ein wenig gereizt. Am Vorabend hatten wir noch darüber diskutiert wie es mit dem Filmen weitergehen soll und versucht einen gemeinsamen gangbaren Weg zu finden. Denn dass wir euch den Trip im Filmformat liefern möchten hat auf unserer Seite zu sehr zeitintesiven Arbeiten und zu einem kompletten Verzicht auf den Genuss der Alpenpanoramen geführt. Nun hatten wir zur Zufriedenheit aller einen neuen Arbeitsplan, gerade die Tanks des R8 und des RS5 aufgefüllt und den ersten richtig heftigen Pass vor Augen: Den COL DE L’ISERAN (2764 m). Nicht nur der erste richtig heftige – um genau zu sein – sondern der höchste überfahrbare Alpenpass. Die Stimmung war am Höhepunkt.

Die Anfahrt zum COL DE L’ISERAN fühlt sich an wie früher, in meiner Jugend, als wir mit dem Auto über diverse Gebirgsketten gefahren sind. Langsam, sehr langsam, immer wieder LKWs und Busse und zwischendurch das eine oder andere Mal eine Spitzkehre die den ganzen Verkehr zum Stillstand bringt. So quält man sich von Bourg Saint Maurice aus vom Grünen ins etwas weniger Grüne, von dort immer näher an die steilen Bergrücken, bis der Verkehr in gleichem Maße nachlässt wie die Kurven zunehmen. Alsbald kommen die ersten Galerien und Tunnel und die ersten größeren Baustellen. Moment mal? Größere Baustellen? Nicht nur darüber, sondern auch über das immer noch verhältnismäßig hohe Verkehrsaufkommen wundern wir uns. Bis wir auf knapp 1900 Meter angekommen sind und den riesigen Skiort Val-d’Isère vorfinden, an dem trotz des außersaisonalen Zeitraums der Bär steppt.

Immer wieder fragt man sich, ob man nicht in einer höchst realistischen Filmkulisse gelandet ist. Aber das fragen wir uns im Rahmen von thepluses2 noch das eine oder andere Mal.

Wir lassen den Ort hinter uns und werden von einer umso engeren und kaum noch geräumten Straße empfangen. Trotzdem: Noch stellt das kein Problem für die Sommerbereifung unserer Quattro-Boliden dar. Aber wer weiß was da noch kommt?

Nach einer kurzen Pause mitten auf der Straße – außer einem Räumfahrzeug kommt in einer halben Stunde nichts an uns vorbei – machen wir uns auf um den Berg zu bezwingen. Dick eingepackt in mollig warme Skijacken und mit Sonnenbrille gegen das fürchterlich blendende, gleißende Weiß des Schnees gerüstet. Langsam schieben wir uns den Berg immer weiter nach oben. Längst setzt der R8 immer wieder auf dem zum Glück nicht gefrorenen Schnee zwischen den Fahrrinnen auf. Die Anspannung ist förmlich zu spüren. Natürlich denken wir alle auch an die Zeit, die wir verlieren würden, wenn wir umkehren müssten. Keiner sagt etwas. Außer ab und an ein „Sollen wir hier umkehren?“ per Funk. Inklusive der Antwort: „Wir fahren soweit wie wir können. Bis die Straße zu ist.“

Wenn man sich in einem Auto von der Güte eines RS5 oder eines R8 breit gemacht hat und auf einer so langen Reise ist, dann wächst man irgendwie mit dem Auto zusammen. Man entwickelt bestimmte Alltagsroutinen, wo was verstaut ist und kann sich im vollgepackten „Fuchsbau“ im Inneren des Autos verkriechen. Wir waren hier mit dem RS5 unterwegs, hatten hinter den Sitzen die Isomatten und Schlafsäcke und jede Menge anderes Gepäck. Wenn man dann an solchen einsamen Orten unterwegs ist und aus dem Auto aussteigt erlebt man ein Gefühl, das sonst wohl nur Einsiedlerkrebse kennen: Man freut sich jede Sekunde darauf gleich wieder ins Auto zu steigen. Vielleicht ist es auch mit der Euphorie zu vergleichen die man spürt wenn man lange joggt und dann am liebsten immer weiter laufen möchte.

So steht man dann oben auf einem Pass, blickt hinunter auf das Bergpanorama und erwischt sich dabei, wie man aus dem Augenwinkel doch immer wieder auf die Audis blickt.

Ganz abgesehen davon dass sie optisch so reizvoll sind, dass sie mit der Landschaft mithalten können: Es ist die sofort aufkeimende Vorfreude auf das Reinsetzen. Auf das es sich gemütlich machen in den für meine Statur perfekt ausgeformten Sportsitzen, die einem das Gefühl geben, dass jemand einen von hinten festhält. Umarmt. So ähnlich wie bei diesen Vertrauensspielchen, bei denen man sich blind nach hinten fallen lässt: Wenn man dann aufgefangen wird, hat man genau dieses Gefühl, das die Sitze mir verschaffen. Ganz besonders aber natürlich auch die Vorfreude auf den Klang des V8 Motors und die rohe Kraft, die hinter diesem 450PS/430Nm Triebwerk steckt. Man kriegt einfach nicht genug vom ewigen Beschleunigen, schalten und walten.

Selbst nach vielen Stunden am Steuer fällt es schwer die fest verwurzelten Hände vom Lenkrad zu lösen.

Also sind wir froh gerade im uns inzwischen wohlbekannten Audi RS5 zu sitzen, der uns vermutlich mit einem kurzen Sprint aus jeder Notlage retten könnte. Tasten uns weiter den Berg hoch und treffen auf eine erste mehr oder weniger feste Straßensperre. Durchfahrt verboten steht da. Zwei Barrieren stellen sich uns senkrecht in den Weg. Über das „mehr oder weniger“ wird anschließend ausgiebig diskutiert. Ein Fahrer eines Räumfahrzeuges, der die Barrieren zur Seite räumt, will uns nichts sagen außer „weiter geht’s nicht“. Zwei Motorradfahrer fahren einfach durch.

 

Unser Beschluss kurze Zeit später: Wir fahren weiter! Sowas hält uns nicht auf. Schnee noch und nöcher. Völlig verschneite, hellweiße Serpentinen. Wenden würde schon schwierig werden ohne vorher den Schnee nach verborgenen Felsbrocken zu durchsuchen. „Weiter geht’s!“ wechselt sich mit „Hier umdrehen?“ im Funkfeuer ab.

Nun passieren zwei Dinge: Erst kommt uns ein schwarzer Q5 entgegen (Land of Quattro, haha!). Der Fahrer spricht mit dem Crewfahrzeug: Ein Durchkommen gibt es wohl nicht. Wir fahren trotzdem weiter. Immerhin bekomme ich den Eindruck: Wenn ein Q5 runterkommt, dann gibt’s da oben bestimmt eine Wendemöglichkeit. Doch dann passiert Zweitens: Die Motorradfahrer von vorhin kommen uns wieder entgegen. Nein, es geht ein Stück den Berg hoch nicht mehr weiter, sagen sie. Außerdem: Hohe Lawinengefahr, erfahren wir. Schnell finden unsere Finger die Tasten für die Auspuffanlagen. Hinter der nächsten Kurve ist dann unser Vorhaben und Traum von der Route des Grandes Alpes möglichst nicht abzuweichen endgültig vorbei. Die Straße ist zu, der Schnee hat gewonnen. Und wir sind gezwungen eine Ausweichstrecke zu fahren, die uns mindestens 3 Stunden kostet und den ganzen Tagesplan umwirft. Wir müssen also entweder rasen oder auf einige Pässe verzichten. Oder aber es riskieren bis spät in die Nacht zu fahren.

Rasen kommt natürlich nicht in Frage. Auf Pässe verzichten irgendwie auch nicht. Also bleibt nur die Fahrt in die Nacht, ohne geplante Unterkunft und ohne zu wissen wo genau wir am Ende des Tages landen werden. Challenge accepted.  → weiterlesen in Teil 3

Oben könnt ihr euch durch die Fotos klicken.


Alle Artikel zu #thepluses2:

Fahrzeuge: Audi R8 V10 Spyder & Audi RS5 Cabrio
Strecke: Route des Grandes Alpes, Südfrankreich
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Passion:Driving – Teil 1 | Teil 2 | Teil 3 | Teil 4

Alle Artikel zu #thepluses1:

Fahrzeuge: Audi R8 V10 Plus & Audi TT RS Plus
Strecke: Österreichische / Italienische Alpen
Driver’s Groove – Prolog | Teil 1 | Teil 2 Teil 3 | Fahrbericht
Passion:Driving – Teil 1 | Teil 2

Fahrzeug: Audi RS 5 Cabriolet 4.2 FSI

Lackierung: Suzukagrau Metallic
Felgen: Aluminium-Gussräder im 5-V-Speichen Design in Titanoptik, glanzgedreht 20 Zoll
Polster/Leder: schwarz/schwarz/felsgrau

Motor: V8-Ottomotor
Hubraum: 4163 cm3
Leistung: 331 kW (450 PS)
Drehmoment: 430 Nm

Getriebe: 7-Gang S tronic
Antrieb: QUATTRO Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 250 km/h

Türen/Sitze: 2/4
Verbrauch kombiniert: 10,7 l/100 km
CO2-Emission: 249 g/km
Preis: 117.645,00 €

Fahrzeug: Audi R8 V10 Spyder

Lackierung: Brillantrot
Felgen: Aluminium-Schmiederäder im 5-Doppelspeichen-Design in Titanoptik 19 Zoll
Polster/Leder: schwarz/schwarz/silber dunkel Volleder Feinnappa

Motor: V10-Ottomotor
Hubraum: 5204 cm3
Leistung: 386 kW (525 PS)
Drehmoment: 530 Nm

Getriebe: 7-Gang S tronic
Antrieb: QUATTRO Allradantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h: 3,8 s
Höchstgeschwindigkeit Vmax: 311 km/h

Türen/Sitze: 2/2
Verbrauch kombiniert: 13,3 l/100 km
CO2-Emission: 310 g/km
Preis: 177.205,00 €

Bildquelle: Can Struck / Driver’s Groove

DISCLOSURE: Die Audi AG hat uns freundlicherweise die Fahrzeuge zur Verfügung gestellt und die Spritkosten übernommen.

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