Wussten Sie… Als Porsche VW übernehmen wollte

Wussten Sie? Als Porsche VW übernehmen wollte und von VW geschluckt wurde

Eine tollkühne Idee

Es war 2005, als Wendelin Wiedeking, damals gefeierter und geliebter Vorstandvorsitzender bei Porsche, beschloss Volkswagen zu übernehmen. Er war der Retter von Porsche, der die Marke zu dem machte, was sie heute ist. Er war der volksnahe Unternehmensführer, der immer ein Ohr für Mitarbeiter hatte. Als 2005 Porsche mitteilte, dass man 20% der Aktien von VW kaufen möchte, hatte man unauffällig bereits 5% der Aktien gekauft. Die 3,5 Milliarden Euro, die für die bis Dezember 2005 erworbenen knapp 19% nötig waren, hatte Porsche aus liquiden Mitteln (!) bezahlt. Richtig gehört, Porsche hatte soviel Geld auf der hohen Kante, dass dafür kein Kredit aufgenommen werden musste. Da bekommt man doch einen Eindruck davon, wie gut es Porsche ging. Ab 2006 war mit 27% Beteiligung Wendelin Wiedeking bereits im VW-Aufsichtsrat vertreten. Porsche war der größte Einzelaktionär nach dem Land Niedersachsen. Doch danach fingen die Probleme an.

2007 hatte Porsche bereits über 30% der Aktien (und mal eben 5 Milliarden Euro investiert) und war damit gezwungen den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot zu unterbreiten. Porsche bot 100,92 Euro pro Stammaktie. Das Problem: Die Aktie war deutlich mehr wert. Warum also sollte irgendwer seinen Anteil abgeben?
Immerhin eine positive Sache: Ein gewisse Klausel im  VW-Gesetz, die besagt, dass einem Großaktionär maximal 20% Stimmanteil ermöglich werden (es ging hier darum die Macht des Landes Niedersachsen aufrecht zu erhalten) wurde vom Europäischen Gerichtshof als nichtig erklärt. Damit hatte Porsche das Stimmrecht, dass es laut Anteil auch verdient.

2008 erhält Porsche das O.k. 50% der VW-Aktien zu übernehmen. Im September besaß man in Zuffenhausen knapp 35% der Aktien und war damit endlich federführend bei VW. Die folgenden 8% muss Porsche einer Bank abkaufen und muss hierfür 6 Milliarden hinblättern. Aus einem Kredit. Vorbei die Zeiten genug liquide Mittel zu haben.

Anfang 2009 war es geschafft: 51% der VW-Aktien gehörten Porsche. Allerdings musste der Konzern hierfür schon insgesamt 10 Milliarden Euro Kredit aufnehmen und die VW-Aktien den Banken als Sicherheit hinterlassen. Langsam wurde es unübersichtlich. Nun machten die Banken dicht. Porsche hatte horrende Schulden, die sich nicht mehr abzahlen ließen.

Alles geht nach Hinten los

Die Konsequenz daraus: Porsche war schwach. Plötzlich wurde mit dem Golfemirat Katar verhandelt. Über einen Einstieg des Emirats bei Porsche. Man brauchte Geld. Wendelin Wiedeking und sein Stellvertreter Holger Härter wurden rausgeschmissen. Sowohl bei Porsche als auch bei Volkswagen. Der einstige Supermanager, der eine geschichtsträchtige Sportwagenmarke wieder auf den richtigen Kurs gebracht hatte und zu einem Unternehmen gemacht hatte, das komplett von den eigenen Einnahmen lebt und nicht auf Banken angewiesen ist, war gescheitert. Während man vor dem Übernahmeversuch in Interviews Porschemitarbeiter immer nur in höchsten Tönen von ihrem Wiedeking sprechen hörte, verstummten plötzlich die positiven Stimmen.

Mit dem Austritt von Wiedeking war auch klar, dass nicht Porsche Volkswagen führen würde, sondern umgekehrt. Volkswagen würde künftig Porsche in einem integrierten Automobilkonzern führen. Und die Qatar Holding erwarb 10% der Porsche-Aktien.

Detailliertere Infos: Porsche Holding bei Wikipedia

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